Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
- Issue
- 1 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 17 — So dass also diese Verstimmung in eitel Gelächter und Freundschaft abgelaufen und die Hochzeit in Lust und Freuden ist gefeiert worden. Nach meiner Hochzeit ist mein Vater und meine Mutter wieder heimgezogen. Ich bin ein Kind, noch nicht 14 Jahre alt, gewesen und ohne Vater und Mutter in fremdem Land bei fremden Leuten sein müssen. Doch ist es mir alFs nicht schwer angekommen, da ich so gar grosse Herzensfreude an meinem sei. frommen Schwiegervater gehabt habe und von meiner Schwiegermutter — der Friede mit ihr! — Das sind so gar ehrenwerte fromme Leute gewesen und sie haben mich sehr wohl gehalten, mehr als ich bin wert gewesen. "Was kann oder soll ich viel schreiben von der Frömmigkeit und Rechtlichkeit meiner sei. Schwiegereltern und was für ein wackerer Mann der Schwiegervater gewesen ist wie ein Engel Gottes! Es ist jedermann bökannt, was Hameln gegen Hamburg ist. und ich bin ein jung Kind gewesen, das in allem Ueberfluss ist auferzogen, und in meiner Jugend habe ich von meiner Eltern Freunden alles bekommen. Aus so einem Ort, wie Hamburg ist, kam ich in ein Nest mit nur zwei jüdischen Haushaltungen und Hameln an sich selbst ist ein lumpiger unlustiger Ort. Aber alles dessen habe ich nicht geachtet. Dank der Herzensfreude, die ich an meinem sei. Schwiegervater gehabt habe. Wenn er morgens um 3 Uhr ist aufgestanden und in sein Schlafrock ist gesessen und gebetet — solches ist dicht an meiner Schlafkammer gewesen —, habe ich ganz Hamburg vergessen. Was das für ein heiliger Mann gewesen ist! Seinen Segen sollen wir alle gemessen! Möge er vor Gott für uns bitten, dass Er uns weiter keine Not soll schicken und dass wir nit sollen zu Schande und Sünden kommen! Es ist auch sein Segen zu sehen gewesen an seinen frommen, ehrbaren Kindern die er gehabt hat. Ein Besuch bei den Schwiegereltern. p. 142. Nun wieder zu anfangen von unsere Sachen, — ich bin inKindbett kommen mit meinem Sohn Mordechai, gebe Gott, dass sein Alter also glücklich und wohl war' wie seine Kindheit! Aber was hilft es? Der Höchste hat schon alles beschlossen, wie es sein soll. Ich habe schon in mein' dritten Buch geschrieben von wegen der Erlösung, das mir auf gehofft haben und schon gedacht, dass mein seliger Schwiegervater uns zwei Fässer zugeschickt und vermeint, darmit nach Palästina zu ziehen mit ganz Israel. Aber dar er nun gesehen hat, dass nix draus geworen ist, hat er seine Wohnung in Hameln aufgegeben und sich begeben zu wohnen mit meiner Schwiegermutter nach der Gemeinde Hildesheim. Selbe ist ein' hübsche fromme Gemeinde gewesen und nur fünf Meilen von Hameln. Also sie einige Zeit dort gewohnt und mein seliger Mann sein' Eltern gar sehr geliebt und gar in Ehren gehalten, also hat er mich gebeten: „Mein Glückelchen, lassen wir nach Hildesheim ziehen und meine Eltern 'besuchen. Du hast sie zwölf Jahre und länger nit gesehen.u Ich bin es zufrieden gewesen, haben unser Maid und Jung' genommen und drei Kinder,' seien nach Hildesheim gezogen. Ich hab mein Kind, den Mordechai, gesäugt, ist noch kein Mitteilungen zur jüd. Volkskunde. Heft XVII. 2