Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 2 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 168 — sonst geschiehts am Ende gar nicht, da ich mit einem bald zu liefernden Artikel in Frankels Zeitschrift den Kopf voll habe. Also fürs erste den Bescheid und dann die Beantwortung Deiner Fragen. Wie ich's dachte, so geschah's. Gestern Nachmittag besuche ich Frankel; er erzählt mir und lässt mich rathen, wer sich beworben hat; ich errathe es nicht und er rückt damit heraus. Darüber wunderte ich mich und meinte, das wäre doch keine schlechte Acquisition. Er meinte, er werde Dir antworten, dass er Dich jedenfalls vorzüglich berücksichtigen werde: aber freilich sei die Sache bis jetzt noch nicht zu dem Stadium gediehen, um die Anstellungen und Yertheilung der Fächer genau zu fixiren. Ich bemerkte, dass Deine vorläufige Bewerbung wohl auch weiter nichts als eine Berücksichtigung im Allgemeinen bezwecke. Kurz Du reussirst. Uebrigens hat Graetz Dich nicht verläumdet, sonst wüsste ichs, da ich schon früher, ehe Du an mich schriebst, von Dir sprach. Uebrigens erfahre ich dergleichen immer von Frankel. Nun zu Deinem Briefe! Deine kurze Aeusserung über Breslau macht mir keine besondere Lust dahinzugehen; vielmehr wünschte ich Dich ein paar Tage während meinen 14 tägigen Sommerferien bei mir, um Dich, den von Natur Heiteren in Deine rechte Laune zu versetzen. Denn ich für meine Person bin Dir harmlos wie ein Kind, blicke und lache in die "Welt voll Misere hinein wie ein dummer Junge uud möchte Dich damit anstecken. Denn Du wirst wohl wissen, dass Nante'p 11 tes Gebot: lass Dich nicht verblüffen! den Geist heiter und hell erhält und dass in neuester Zeit Dummheit das beste Mittel ist sich zu conserviren, sagt doch nD^tP: ^DV nyi ^DV und Sophokles t6 |j.rjoev etöevou fjouaxov £<jtiv. Aber in "Wahrheit die Zeit hat mich weder trüb noch bitter gestimmt, weil — ich nie zu viel von ihr erwartete und weil mir Gott das Glück gegeben hat, einen alten jugendlichen Vater, eine verständige anspruchlose, vortreffliche und taktvolle Frau zu besitzen und ich in einigen Schülern Freunde gewonnen habe, die mich verjüngen würden wenn ich grämlich wäre. Ausserdem ist der Verkehr mit der Jugend zur heitern Stimmung sehr dienlich. — Deine Meinung über Grätz's Kenntnisse theile ich nicht. Ich halte ihn für kenntniss- und geistreich, nur geht ihm der Scharfsinn über die Wahrheit und ist er zu leichtfertig mit Conjecturen. Als Lehrer scheint er mir freilich wenig tauglich. Er ist schon fest angestellt; ebenso ist ein Gymnasiallehrer (Jude), den ich zu nennen nicht berechtigt bin, weil es F's. Geheimniss ist, so gut wie angestellt, wie viel Hülfslehrer nun noch wegen der einzelnen Fächer hinzukommen dürften, ist nicht bestimmt, nur wird aus pecuniären Rücksichten (damit die Kosten nicht zu hoch kommen) die Anzahl der Hauptlehrer möglichst beschränkt werden. Mit der Einrichtung des Seminars, das einen 12jährigen Kursus für die Anfänger, einen respective geringem für die vorgerückten haben, und den Schülern von Tertia bis zur Absolvirung der Universität begleiten soll, wirst Du sehr zufrieden sein, wenn Du den Entwurf ganz kennen wirst, den zu geben hier der Raum zu kurz ist. Ein Rabbinerseminar für Studenten wäre eine halbe Sache; denn woher sollten nun diese ihre vorbereitenden jüdischen Kenntnisse bis zu diesem Grade erwerben? Es wird aber am liebsten Studenten (die auch im Jüdischen wohl vorbereitet sind)