Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 2 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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— 148 — und wurde im October 1838 Direktor der Jacobsons-Schule zu Seesen, wo er am 7. [1. 2.] März 1847 starb. Promovirt war er zu Kiel am 30. October 1829. Seit dem 12. October 1831 war er verheiratet mit Friederike, geb. Warburg; die Wittwe kehrte zu bleibendem Aufenthalte 1851 nach Hamburg zurück. Das „Jahrbuch der Gesellsch. z. Beförd. d. Künste u. nützl. Gewerbe" für 1901 führt [S. 146) W. für das Jahr 1834 als Ehrenmitglied auf. Für 1842 wird auch Sal. Heine als solches genannt, — übrigens die einzigen Juden in dieser Eigenschaft.] [Mitt. d. Hn. Dr. J. Heckscher.] Seit dem Empfang Deines angenehmen Briefes, lieber Wohlwill, [trage] ich mich gleichsam fortfahrend mit dem Wunsche, in angemessner Zeit] darauf zu antworten, damit unsre schriftliche Unterhaltung einen soliden regelmässigen Gang beginnen könne. Aber [dem Wunsche] entsprach nicht immer die augenblickliche Stimmung, und wenn diese sich einfand, dem Chaos meiner Gedanken und Empfindungen des Lichtes schöpferische Urkraft zu leihen, so war auch zugleich wieder eine der tausend Hemmungen bereit, mit denen unsre kleinlichen Verhältnisse bei jedem Schritte, den die freie Neigung uns thun lassen möchte, ihr gebieterisches Veto geltend machen. Das ist ein gar erbärmliches fatales Fatum, was uns so den reinen Genuss unsrer selbst immerwährend zerstört. Jeder Held sitzt in einem Käfig eingesperrt und zerritzt sich die Hand, zerstösst sich den Kopf an den eisernen Stäben. Das ist der ganze Inbegriff der lächerlichen Tragödie. Aber ich wollte Dir ja Vorwürfe machen, recht ernste Vorwürfe, über den lieben Humor Deines Briefes und stimme nun sogar selbst darin ein. Ist es eben der Misston desselben, der in meiner Seele nachklingend, den verwandten hervorrief, so gebührt Dir doppelter Vorwurf. Ich habe eine ganze Predigt im Kopfe, die ich Dir halten wollte, und welche also beginnet: „Mein andächtiger Zuhörer! Die Empfindungsweise, welche Du [äusserst, ist] ganz und gar nicht die rechte für einen Jüngling, der eben die Laufbahn des practischen Lebens beginnt. Was will diese [trä]ge Passivität in den Jahren der vollen Lebenskraft, wo Geist und Gemüth noch nicht in dem Kampf gegen die Aeusserlichkeit unterlegen seyn können, wo Phantasie noch über eine ungeheure Zukunft zu walten hat, wo das innere Wesen, in allen seinen Organen unverletzt, noch jede Wirklichkeit sich freundlich umzugestalten, jedem Drucke sich mit Leichtigkeit zu entheben stark genug seyn muss? Oder ist das etwa nicht träge Passivität zu nennen, wenn Du, wie ein schon des Lebens müde gewordener, von der harten Arbeit ermatteter, nach einer Schulter bangst, woran Du Dich lehnen könntest (als wenn der Lehnstuhl, im Fall die Freischule kein Sopha hat, nicht dieselben Dienste thäte), wenn die Kraft des Gemüthes nicht vorhanden ist, die ganz der Innerlichkeit der lebendigen Dinge zugekehrt, jeden schroffen Gegensatz der Wirklichkeit zu überwinden, alle Einzelheit in das Allgemeine hinüberzuspielen, und in jeder Negation ihr Negirtes zu gemessen weiss? u. s. w." NB. Bei der letzten Phrase wird vorausgesetzt, dass Du schon eingeschlafen bist, und der Redner daher die Freiheit hat, da ihn niemand hört,