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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1905-01-01 · 2 (1905) · p. Seite 147

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
Issue
2 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 147 (sequence 55)
Language
German
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— 147 — der „Zeitung für die elegante Welt" erlaubt hat, zu folgender Erklärung aufgefordert zu werden. Hr. Heine (dessen seit einigen Jahren verbleichter Ruhm von jeher weniger in dichterischer Grösse und Charakterfestigkeit, als in einer ihm ganz eigenthümlichen Keckheit Nahrung gefunden hat) erweiset mir — ich möchte fast sagen — die Ehre, mich und Carl Gutzkow auf die gehässigste Weise anzutasten. Wie dieser den Neid des Hrn. Heine auf seine seit dem Erscheinen des Blasedow immer fester im Herzen der Nation wurzelnde Stellung, den Neid auf das frische, lebenskräftige Gedeihen des Telegraphen, den Neid auf dichterische Entwickelungen, die der Protection des Hrn. Heine in Paris nicht bedürfen, entlarvt hat, zeigen die neuesten Nummern jener trefflichen Zeitschrift. Ich für mein Theil würde jene Befleckung meiner Ehre, wie die gefeierten Namen Platen, Tieck, Schlegel, Schelling, Hegel und andere, die Hr. Heine in seinen Schriften beschmutzte, mit derselben ruhigen Verachtung über mich ergehen lassen, könnte ich mich vor dor Welt auch nur im Entferntesten ähnlicher Thaten, wie Jene, rühmen. Hr. Heine ficht gegen mich mit fremder Klinge, oder vielmehr mit den heimlichen Dolchstichen, die mir ein Buchhändler in seiner Privat-Correspondenz beibringt. Dieser Mann spielt in der Dreistigkeit, die sich Hr. Heine gegen ihn herauszunehmen gestattet, eine so bemitleidenswerthe, Lief herabgewürdigte Rolle, dass ich dem Schattenriss, d«n er in seiner Privat-Correspondenz von mir entworfen hat, nichts als das Bild gegenüber zuhalten brauche, welches in den Herzen Derer, die mich wahrhaft erkannt haben und mit deren — Geldbeutel ich nicht in Verbindung stehe, leben wird. Liebte ich, wie der Buchhändler sagt, die Zuträgereien, so würde es mir ein Leichtes seyn, Hrn. Heine Gleiches mit Gleichem zu vergelten .... Doch ich will mich nicht, so wie Hr. Heine, durch unerlaubte Mittheilung von Privat-Ansichten entwürdigen und strafe nur Denjenigen Lügen, der mich zu einem Handlanger der Censur macht, der mich für fähig hält, aus Vorliebe für die bei mir allerdings unendlich höher als Hr. Heine stehenden Schwäbischen Dichter, in seinem Manuscripte auch nur eine Zeile zu entstellen. (Gez.) Ludwig Wihl. d. Moser (s. Jew. Encycl. IX.) an Wohlwill1) (W). [Ueber Immanuel Wohlwill, Dr. phil. berichtet das: Lexikon der Hamburgischen Schriftsteller bis zur Gegenwart. Achter Band, Hamburg 1883, S. 126—27. Ursprünglich Wolf genannt, nahm er 1822 den Namen Wohlwill an. Geboren zu Harzgerode am 28. August 1799, eines Lehrers Sohn, besuchte W. die Jakobson-Schule zu Seesen, dann das Berlinisch-Kölnische Gymnasium in Berlin. Er studirte von 1818—1822 Philosophie und Philologie in Berlin, war von 1823—1838 Lehrer an der Israelitischen Freischule in Hamburg x) vgl. Karpeles, H. Heines Autobiographie 146. Die Familie Wohlwills in Hamburg besitzt seine Correspondenz, die sicherlich viele wertvolle Beiträge zur Zeitgeschichte liefern dürfte.

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