Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 2 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 146 — liebes Schreiben vom 23. Jan. traf gerade zu einer Zeit hier ein, wo ich verreist war, und als ich nach Haus kam, habe ich mich bei (ha-rabbanit =) der Rabbinerin (me=) von Altona genau erkundigt. Die gute Frau weiss aber von der ganzen Familie nichts mehr und da wir seither immer auf die Nachricht warteten, dass unser Adler das Bürgerrecht in Fürth erhalten soll, um d anach unsere Reise zur Hochzeit einzurichten, so wollte ich mit meiner Antwort warten, bis wir diese frohe Nachricht erhalten, um Ihnen solche zugleich mitzutheilen. Nunmehr kann ich Ihnen diese Freude machen, und wir werden Rosch chodesch Siwan, will's Gott, von hier abreisen, werden Schabuoth in Halberstadt halten und Mittwoch, den 18. Siwan, wird die Hochzeit unserer lieben Ree ha (l'mazzal ul'berakha =) zu Glück und Segen in Fürth sein. Freilich würde es uns sehr gefreut haben, wenn wir das Vergnügen gehabt hätten von Ihnen und (ba'alah ha-rab ha-muflag ha-mefursam n"j —) von Seiner Ehrwürden, dem Herrn Rabbiner, welchen wir alle recht herzlich grüssen, dass Sie der Hochzeit beiwohnen. Da es indess wohl nicht gut angeht, so will ich nicht goneb da'at sein. Wir wissen alle, welchen herzlichen Antheil Sie daran nehmen, und gebe der liebe Gott, dass wir uns stets gegenseitig freudige Nachrichten geben mögen! Ihr aufrichtiger Freund Riesser. Die liebe Eltern grüsse ich herzlich und bitte, die Nachricht Ihnen mitzuth eilen. e. Seinebekaimte Gesinnung gegen Heinr. He ine bekundet Lud wig Willi (vgl. L. v. Embden, H. Heines Familienleben 253) in einem Briefe [an Eudolf Glaser]x) (W). Was sagen Sie zu dem Heine'schen Scandal? — Es ist doch zu traurig, dass dieser Mann sich immer mehr in der Meinung des Publicums ruinirt. Gutzkow's Artikel „Herr Heine u. sein Schwabenspiegel im Telegr. 75 u. 76, so wie meine Erklärung in Hamburger Correspondenten vom 8 t. ds. haben Sie hoffentlich nicht übersehen. — Sprechen Sie sich doch womöglich auch in Ihrer Weise bald einmal darüber aus. Könnten Sie [es nicht] in Ihrer trefflichen Zeitschrift? Ihren Schwager den Dichter Egon Ebert2) bitte zu grüssen . . Wihl's „Erklärung" lautet (nach einer Abschrift des Herrn Dr. J. Heckscher, Hamb.): Es ist mir leid, durch Herrn Heine in Paris, der sich einen unerhörten Missbrauch mit ihm anvertrauten Briefgeheimnissen in den neuesten Nummern *) G., Scriptor an der Prager Universitätsbibliothek, begründete und leitete von 1837-48 die Zeitschrift „Ost und West". Wihl's Erklärung hat am 8. Mai 1839 im „Hamburg. Correspondenten", Gutzkow's Aufsatz im „Telegraph" 1839 Nr. 75-76 gestanden. [Frdl. Mitt. d. Herrn Dr. G. Karpeles.] Vgl. übrigens Rob. Proelss, Heinr. Heine S. 373 Nr. 69, 381 Nr. 272, 388 Nr. 361 und die „Neue Freie Presse" vom 5. März 1905 (G. Karpeles, H. Heine und der Bürgermeister von Biala). 2) Der Prager Dichter (1801-1882).