Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 2 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 145 — b. Gabr. Eiessers Vater und seine Schwester Eecha an Frau Babbiner P. Bieberfeldt, Berlin. Hamburg, den 18. May 1827. Meine liebe Freundin! Endlich, denkt Eecha1) doch einmal wieder an ihr Sarchen, höre ich Sie beim Lesen sagen, wahrlich Sie könnten mir böse seyn und hätten auch das Recht dazu. Aber demungeachtet bin ich doch fest überzeugt, dass Sie mich noch eben so lieb haben, wie früher, und wissen Sie, woraus ich das schliesse? einzig und allein daraus, weil es bei mir der Fall ist. Ach wie oft habe ich mir diese Zeit gewünscht, dass Sie hier sein möchten, wie vieles hätten wir nicht zu plaudern gehabt, aber Schreiben war, wie Sie selbst wissen, von jeher meine schwache Seite und wird es wohl bleiben bis an mein seeliges Ende. Ich habe es auch allen meinen Freundinnen, die ich hier verlasse, gesagt, dass ich ihnen vielleicht gar nicht, doch auf jeden Fall sehr selten schreiben werde. Nun, mein liebes Sarchen, will ich Ihnen auch sagen, dass ich in acht Tagen, wills Gott, von hier abreisen werde, meine lieben Eltern und Hannchen2) begleiten mich, die Hochzeit wird in Fürth. Sie können leicht denken, dass mir der Abschied von hier ein bischen schwer wird. Das kann auch wohl nicht anders seyn, wenn man von allem scheidet, was man von Kind auf gekannt hat. Uebrigens bin ich zufrieden und vergnügt, wozu ich auch Gottlob Ursache habe, da ich meinen Adler kenne und weiss, wie gut er ist. Aber was sagen Sie dazu, dass er während des ganzen Brautjahres nicht hier war? Sie können denken, dass es mir unangenehm war. Doch musste ich mich darin fügen, denn da er allein im Geschäft ist, konnte er nicht abkommen. Sehr oft hat er sich in seinen Briefen nach meinem Sarchen erkundigt, denn er hält sehr viel von Ihnen. Wir werden unseres Sarchens daher gewiss oft gedenken, sehr wird es uns freuen, wenn Sie uns dann und wann etwas von sich hören lassen. Nehmen Sie diesen Ring mit meinem Haar als ein Andenken von mir gütig an. Gebe der liebe Gott, dass wir uns noch in Freuden wiedersehen, dann werden Sie sich überzeugen, dass ich jetzt wie immer bin: Ihre treue Freundin Recha Riesser. Ihrem lieben Manne und lieben Eltern meinen herzlichsten Gruss. Bald hätte ich vergessen, Ihnen zu sagen, dass Wür t zers3) nach Berlin ziehen. Sie werden wohl in 3 Wochen dort seyn, wenn Sie sie besuchen wollen, Sie wohnen Schleussenbrücke Nr. 7. [In jüdisch-deutscher Schrift:] Meine liebe treue Freundin! Ich kann dieses treuherzige Schreiben meiner lieben Recha nicht abgehen lassen, ohne nicht zugleich auch meine herzlichen Grüsse hinzuzufügen. — Ihr J) Ueber Recha und ihren Gatten M. Adler in Fürth s. Isler a. a. 0. 21 f. 46. Brann's Kalender 1900 S. 55. 2) Vgl. Isler a. a. O. 44. 3) G. R.'s Lehrer, vgl. Isler I 7. 10