Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 2 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 141 — sollte hinausgeworfen werden, schrie aber, schon in der Tür: „Butterbrod und Schinken und. wurde wieder zurückgeworfen, um durch Verzehren des Bestellten sicher seinen Glauben zu dokumentiren. Im Jahre 1835 wiederholten sich die Judenexzesse in einem anderen Lokale, das von einem Berliner Kaffeewirte gehalten wurde, der sich durch den Besuch der Juden beeinträchtigt glaubte und um sie zu vertreiben ganz exorbitante Preise verlangte auch schliesslich eine Anzeige erliess,. dass Juden bei ihm keinen Zutritt hätten und der sein Lokal in einen Privatverein umwandelte, zu dem der Zutritt nur gegen ein Abonnement zulässig war. Dr. Kiesser betrat das Lokal und wurde ihm von dem Wirt.injuriös, wenn auch nicht tätlich begegnet. Dies veranlasste den unerschrockenen Mann zu einer Klage gegen den Wirt, die aber nicht den gewünschten Erfolg hatte. Biesser hat deshalb, wie erzählt wird, die Stadt verlassen. Es dürften aber für diesen Wegzug wohl auch noch andere Gründe massgebend gewesen sein. Zu dieser Ansicht kommt man wenigstens beim Lesen seiner von Dr. Isler veröffentlichten Briefe. In einem derselben vom 27. Januar 1836, schreibt er: „Der Entschluss ist nicht aus einem Gefühle aufgeregter Bitterkeit, sondern aus der Ueberzeugung von dem, was unter den gegebenen Umständen zu tun recht und zweckmässig sei, hervorgegangen. Ich glaubte im Augenblick gerade dieses Beispiel geben zu müssen, ohne dass die schmutzigen Vorfälle in Hamburg auf mein Gemüt einen besonderen Eindruck gemacht hätten. Ich für meine Person war nie gesonnen, für immer in Hamburg zu bleiben; nur die Bücksicht auf meine Mutter und Geschwister, die sich seit fünf Jahren wieder an mich gewöhnt haben, fesselte mich dort; es war mir daher in mancher Bücksicht willkommen meine Familie zu der Veränderung des Wohnortes zu bestimmen. Freilich verlasse ich in Hamburg manche herzlich geliebte Freunde, aber ich bin seit lange daran gewöhnt, Freunde durch die Entfernung nicht zu verlieren: ich hoffe Hamburg in Zukunft so oft und so gern, wie früher Heidelberg, als Gast zu besuchen. Auch verlasse ich Hamburg mit der Beruhigung, dass sich in der letzten Zeit auch in Betreff der Juden, unter den gebildeten Ständen wenigstens, eine etwas honettere Stimmung, eine Art vonBeaktion gegen die neuesten Erbärmlichkeiten gezeigt hat. Wegen meiner Gemütsstimmung . . . sein Sie unbesorgt; ich hoffe Sie bald zu überzeugen, dass meine alte Heiterkeit mich nicht verlassen hat, dass die herzliche Liebe, die ich bei edlen Menschen von jeder Konfession gefunden, auf mein Gemüt — die Ungerechtigkeiten die mich empören, nur auf meine Gesinnung und meinen Willen, wenigstens für die Dauer nur auf diese wirken". — Der Brief ist an Fräulein Elise und Sophie Hoffmeister in Heidelberg gerichtet. 2. Die zweite Karikatur bezieht sich auf den Lotteriekollekteur Mantel.