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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1905-01-01 · 2 (1905) · p. Seite 132

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
Issue
2 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 132 (sequence 40)
Language
German
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- 132 — gehen, wie nmss seine Seele verkümmern in Mitten von dem, was er sieht und hört. Welche schöne Anstalten hat England! Wie sorgen die Franzosen, die Dänen für ihre begabten Landeskinder! Schiff hat nur zum Trünke gegriffen, sich in seiner Not zu betäuben, sein Ehrgefühl abzustumpfen, weil er mit all seinem Wissen ein Bettler sein muss. Thätigkeit unter streng sittlichem regime kann ihn retten — und man lässt ihn im Werk- und Armenhause? Mich befiel eine mit Unwillen gepaarte Wehmuth, als ich den auf der Universität graduirten Hamburger Mann in Holzpantoffeln mir entgegen kommen sah. Seine Bratsche hat er wieder, freilich — aber wo lässt er ihre Saiten erbeben? Die klagenden Töne sollten durch die Mauern der Zuchtanstalt dringen, zu den Ohren derjenigen, welche ihm helfen könnten und es nicht der Mühe werth finden, ihm zu helfen. Vielleicht spräche die jammernde, Melodie an ihr Herz, da es nicht gerührt wird durch das. was Schiff geleistet hat, durch seine Bildung und seinen Jammer". — Genug von diesem traurigen Bilde. War Schiff in der ersten Zeit nach seiner Entlassung auch ror äusserstem Mangel geschützt, so ist es ihm doch nicht gelungen, trotz seiner geringen Ansprüche jemals eine gesicherte Stellung zu erlangen. Betäubung brauchte er immer mehr nnd fand sie wieder und wieder im Trunk von dem er nicht mehr lassen konnte. Er starb 1867 am 1 April Nachmittags 21/2 Uhr in seiner Wohnung Herrengraben 64. Die Todesanzeige wurde dem damaligen Civilstandsamt von seinem Neffen Eduard Leers aus Emden gebürtig, erstattet, der s. Z. hier ein Manufacturgeschäft am alten Steinwege hatte. Diese auf Aktenmaterial basierende kurze Darstellung wird hoffentlich dazu beitragen die äusserst gehässige und kleinliche Darstellung und die unwahren Angaben zu entkräften, die namentlich Karl Goedeke in seinem Grundriss zur Geschichte der Deutschen Dichtung, Dritter Band 1881. S. 747 von Schiff's Lebensgang niedergelegt hat. Wie er dazu gekommen ist zu sagen Schiff habe meistens in Korrektionshäusern und Polizeihaft gelebt, bis er im Hamburger Armenhause gestorben sei ist unerfindlich. Ein Armenhaus giebt es in Hamburg nicht und hat es nie gegeben und im Werk- und Armenhauseist Schiff weder vor dem Jahre 1857, noch nach demselben gewesen, auch hat er in diesem ja nur ein freiwilliges Asyl gefunden, weil ihn die äusserste Dürftigkeit dazu trieb. Leider ist Brümmer, in seinem Lexikon den Angaben von Goecleke gefolgt und so sind durch ihn auch die falschen Daten in die Allgemeine Deutsche Biographie übergegangen. Vorsichtiger und sachgemässer äussern sich das Lexikon der Hamburgischen Schriftsteller und namentlich Heinrich Zeise in seinem schon citirten Buche, dessen vornehme Worte hier besonders hervorgehoben zu werden verdienen. Ueber die zahlreichen Schriften von Schiff geben Auskunft: Alberti's Lexikon der schlesw. Holst.-Eutin.-Lauenb.-Schriftsteller

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