Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 2 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- 126 — her. Eine Verschwägerungsverwandtschaft dritten Grades . . . .*) Als wir 1822 in Berlin studierten, war ich der jüngere Vetter, ein unbedeutendes Muttersöhnchen, stets bei Kasse, und er war schlecht situirt. Er hat mir das, als er erst im Glücke stand, überreich vergolten. Auf seinem Sterbebette noch verpflichtete er seinen Bruder Gustav, für mich zu sorgen, welcher mich auch mehrere Jahre lang reichlich unterstützte .... Heine wurde der ungezogene Liebling der Grazien und Musen und ich spottweise der „letzte Romantiker." Heine hat auch sonst noch für Schiff manches getan um ihn zu fördern, er war auch der Erste, der ihn veranlasste seine Arbeiten drucken zu lassen. 1826 stellte er ihn Campe vor mit den Worten : Ihm fehlt nur ein guter Verleger, so wird was aus ihm. Er machte ihn auch mit Gubitz bekannt, der in seinem ^Gesellschafter" Novellen von ihm veröffentlichte, feiner mit Willibald Alexis, welche beide ihm sagten: Sie sind uns von guter Hand warm empfohlen. „Sie nahmen mir ab, was ich liegen hatte und verlangten so viel ich leisten konnte. So ward denn aus mir ein Licht, wenn auch kein grosses." Schon 18.25 promovirte Schiff als Doktor der Philosophie in Jena (siehe Jenaer Literaturzeitung Mai 1825) und kam dann bald nach Hamburg. Dann ging er nach Leipzig, traf aber schon 1826 wieder in Hamburg ein, wo er als Literat tätig war, anscheinend nicht lange, denn schon 1826 taucht er auch wieder in Leipzig auf, wo er mit Bernhardi den „Dicht er Spiegel" redigirte. Dann ging er nach Berlin um am „Gesellschafter" von Gubitz und dem „Freimüthigen" mitzuarbeiten, wodurch er eine ziemlich auskömmliche Stellung hatte. Seinem ferneren Lebensweg zu folgen ist kaum möglich, es liegen darüber keine Daten vor und er scheint ein sehr unstädtes Dasein geführt zu haben. 1835 ist er wieder in Hamburg, wo er, da seine Feder ihm wenig eintrug, mancherlei Erwerbszweige ergriff. Er betrat als Dilettant die Bühne, war Musiker, , Bratschenspieler, auch nur dilettantisch, ohne etwas nennenswertes zu leisten, doch verschwendete er für dieses Instrument, das er leidenschaftlich liebte, viel Geld. Nach einem Artikel von Dr. Ad. Kohut im Literatur- und Unterhaltungsblatt, Beilage des Hamb. Fremdenblattes Nr. 110, 1991 soll es auch kleine, in Wasserfarben gemalte Bildnisse von ihm geben, ihn darstellend wie er die Viola spielt. Er liebte es solche Bilder seinen Freunden zum Geburtstage zu schenken und darunter allerlei launige Verschen zu schreiben. Den folgenden theilt Kohut mit: *) Ein sehr vertrauliches Yerhältniss scheint bis zur Universitätszeit zwischen Heine und Schiff nicht geherrscht zu haben, denn Schiff sagt: „Gleich am ersten Tage unserer erneuerten Bekanntschaft wurden wir befreundet und vertraut und Heine lud mich ein das steife „Sie" zu lassen und uns „Du" zu nennen, wie es Vettern zieme. — Schmollirt haben wir nicht, denn ich war crasser Fuchs und Heine durchaus nicht burschikos. —