Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1905-01-01 · 2 (1905) · p. Seite 125

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
Issue
2 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 125 (sequence 33)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2638044-2638045-2638047--0131-2638320
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- 125 — und auf die Confession kam es nicht an. So viel ist gewiss, dass. der Geburtstag der Mutter und ihres Lieblings am ersten Mai gefeiert wurde". Es mag wohl sein, dass diese Feier, wegen der kurzen Aufeinanderfolge der beiden Tage, auf einen Tag zusammengelegt worden ist. Sein Name war eigentlich David Bär Schiff. Darüber lässt er sich humoristisch wie folgt aus: „Es hat damit eine eabbalistische Bewandtniss. Die Eltern hatten vor meiner Geburt sieben lebendige Kinder, sechs Töchter und einen Sohn. Zu Ende des vorigen Jahrhunderts wüteten die bösen Blattern auf schreckenerregende Weise tödlich, oder zum wenigsten lebenslänglich entstellend. Alle sieben Kinder wurden davon befallen. Der einzige Sohn und fünf Töchter starben binnen vierzehn Tagen. Auch die sechste Schwester lag lebensgefährlich darnieder. Ich war eines der ersten jüdischen Kinder, welches geimpft wurde und mein Leben und glattes Gesicht rettete. — Vor der Impfe hatten die Eltern um mich am Leben zu erhalten schon zu cabbalistischen Künsten ihre Zuflucht genommen. Der Königsname David, eines lyrischen Dichters, der sich als ein Bibelheiliger vor tausend und tausend Jahren verewigte, genügte nicht, auch ein Thiername musste ihm beigelegt werden und zwar ein recht zottiger, damit der Todesengel, wenn er an die Wiege tritt um Davidchen heimzusuchen, ihn als Bär in den Schlaf lullen hört. Der Todesengel (Malchemoves, Gross- oder Gewaltsengel) ist ein sehr vornehmer Engel, der es unter seiner Würde finden muss, sich mit einer ungeleckteri Proles abzugeben. Er kehrt wieder um, denn Bärchen ist kein Davidchen." Die Jugendjahre Schiff's sind sehr glückliche gewesen, 1866 schreibt er: „Denke ich an unsere glückliche Jugend, so känn ich nicht umhin, wie alle Greise, die gute alte Zeit zu loben " Seine Eltern liessen ihm eine vortreffliche Erziehung angedeihen, denn sein Vater war wohlhabend. S. besuchte die Gelehrtenschule seiner Vaterstadt, das Johanneum und später das akademische Gymnasium. Die Matrikel des akademischen Gymnasiums in Hamburg 1613—1883, eingeleitet und erläuterjt von C. W. Sillem. Herausgegeben von Bürgermeister Kellinghusen's Stiftung. Hamburg 1891 führt Schiff. S. 166, sub Nr. 3220 an: „David Schiff, Hamb., Jur. stud. abiit ad acad. Berolin. p. Pascha 182*2." Er war am 19 October 1821 durch den ßector des akademischen Gymnasiums Carl Friedrich Hipp recipirt worden (Assessore Cl. Prof. Gericke). Die Fussnote hierzu lautet: 3220. Identisch mit dem im H. S. L. unter 3431 gen. Hermann David Schiff, Schauspieler und Litterat f 1867. ADB 31,192. In Berlin traf er 1822 mit Heinrich Heine zusammen, dem er zuerst nach der Belagerung Hamburgs durch die Franzosen begegnet war. Schiff der, aus damals noch wohlhabenden Hause stammte sagt darüber: „Heine und ich waren Jugendfreunde . . . Unsere Blutsverwandschaft war nicht weit her, oder besser gesagt ziemlich weit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.