Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 2 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Vorstellung nicht langweilt." Schiff sitzt auf einem Sopha, die Hände auf seinen Stock stützend, von dem er sich nie trennte. Neben ihm sitzt ein Herr. Beide trinken Champagner, dem Schiff, der bekanntlich einen guten Tropfen liebte, nicht abhold war. Der Herr, — anscheinend der Wirth Chr. Meyer hat Austern und andere Delikatessen vor sich stehen. Gegen diese Caricatur, durch die er sich beleidigt fühlte, erliess Schiff im „Freischütz" ein „Eingesandt44: Beweis, dass Herr J. F. Bichter (Besitzer der Beform) kein sauberer Verleger ist. S. hebt noch besonders hervor, dass er nicht an Ort und Stelle gezeichnet sei, sondern aus der Erinnerung und dass deshalb der Kinnbart, den er seit einigen Monaten trage, fehle. Bei dieser Gelegenheit mögen hier in Anbetracht seiner Bedeutung für die Geschichte der Ghettonovelle, einige neue Beiträge zur Biographie Schiß's folgen. Es dürften nur wenige noch leben, die Dr. Hermann Schiff persönlich, wenn auch nur dem Aeusseren nach, gekannt haben und gross wird die Zahl derer auch nicht sein, die seine Schriften gelesen haben oder noch lesen. Sie sind heute selten geworden. Doch Schiff hat auch seine Zeit gehabt, in der man ihn gern las und ihn zu schätzen wusste. Seine Novellen gehören mit zu dem Besten was in dieser Art geschrieben worden ist. Es ist auch wohl keine zu kühne Behauptung, dass er mit seinem komischen Koman „Schief-Levinche mit seiner Kalle oder Polnische Wirtschaft,44 Hamburg, Hoffmann u. Campe 1848, einer der Lehrmeister der späteren Ghetto-Schriftsteller gewesen ist. Für Hamburg hat er noch ausserdem die Bedeutung eines Localschriftstellers. Jedenfalls hat er es nicht verdient der Vergessenheit anheim zu fallen. Deshalb möchte ich von diesem genialen und seltsamen Manne hier einiges mitteilen, zugleich auch zur Richtigstellung und Widerlegung von mehrfach über ihn verbreiteten falschen Angaben. In seiner Schrift „Heinrich Heine und der Neuisraelitismus44 Hamburg u. Leipzig. Jean Paul Friedrich Eugen Richter 1866 teilt Dr. H. Schiff seinen etwas compliciiten, etwa 100 Jahre zurückreichenden Stammbaum mit, aus dem ich dasjenige entnehme, was bezüglich seiner Verwandtschaft mit Heinrich Heine von Interesse ist. Danach hiess sein Vater Hertz Bendix Schiff — „(dessen ungerathener Sohn ich zu sein die Ehre habe)44 und war der Sohn von Bendix Itzig Schiff in Altona, der mit Jette, Tochter von Meier Schamschen Popert in Altona verheiratet war. Des letzteren zweite Tochter Mathe war mit Löb Heine, Händler in Altona verehelicht. Als Jette Schiff geb. Popert starb, heiratete Bendix Itzig Schiff seine inzwischen ebenfalls verwittwete Schwägerin Mathe Heine geb. Popert, welche ihm 6 Kinder in die Ehe brachte, darunter den bekannten Philantropen Salomon Heine, der sich später mit Beele geb. Goldschmidt verheiratete, mit der er zwei Söhne und vier Töchter er-