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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1905-01-01 · 2 (1905) · p. Seite 121

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
Issue
2 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 121 (sequence 29)
Language
German
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in die Festmahl-Section deputirt. Der Erfolg der Bemühungen dieses Vorstandes war nicht gleich siegreich, denn da der allgemeine Busstag auf den 10. Noveinher fiel, so hielt der Senat es für nicht passend, an diesem Tage eine festliche Begehung des Geburtstages zu veranstalten und die Eingabe der Petenten den Busstag zu verlegen, wurde abgewiesen. Die zweite Eingabe an den Senat wurde von Dr. Biesser verfasst — aber ebenfalls abgewiesen. Diese Eingabe ist in dem Endrulat'sehen Buche in extenso abgedruckt und sonst nirgend veröffentlicht. Nunmehr ward die Hauptfeier auf den 11. November anberaumt, die Fest Vorstellung im Theater auf den folgenden Tag. Biesser übernahm die Festrede, die er am 11. November Abends im Stadttheater gehalten hat, nachdem der erste Satz der Sinfonia eroica von L. v. Beethoven verklungen war. E. schreibt darüber: Von ihren (der Anwesenden) Beifalls-Bezeugungen begrüsst betrat . . . Dr. Biesser die Bednerbühne. Leider war der verehrte Mann in Folge einer hartnäckigen Erkältung nicht im vollen Besitze seiner sprachlichen Mittel; und erheischte die grosse Ausdehnung seiner Bede eine grössere Anstrengung von ihm, als sich mit diesem seinem Gesundheitszustande vertrug. Diesen Umständen messen wir es hauptsächlich bei, dass seine Bede nicht den Eindruck auf die Versammlung machte, den man erwartet und gewünscht hatte; andere Gründe, wie sie bereits von anderer Seite dafür geltend gemacht worden sind, erscheinen uns dagegen nur als nebensächliche. Wer die Festrede Biesser's nachträglich gelesen hat, wird gefunden haben, dass sie durch gedankentiefen Gehalt und schön gerundete, poetischanklingende Form gleich ausgezeichnet ist und dass sie das Wesen und die Hauptrichtungen des gefeierten Dichteis in treffender, geistreicher und umfassender Weise schildert, so dass selbst ein „gemischtes Publikum" ein „Theaterpublikum" und dieses selbst „drei Viertel Stunden lang" von ihr hätte angezogen und gefesselt werden müssen, wenn sie nur mit freierer Stimme, mit kräftigerer Brust zum Vortrag gelangt wäre, wenn diejenigen Stellen namentlich, die der hohen nationalen Bedeutung des Dichters gedenken, die von dem Freiheitsinhalte seiner Dichtungen reden, für Ohr und Herz der Zuhörer zu rechtem Klang hätten gebracht werden können. Vielleicht aber fehlte es auch einigermassen an solchen Stellen in der Bede und fehlte es in Folge eines gewissen keuschen Sinnes des Bedners, der alles vermied, was wie ein Anruf der augenblicklichen Sympathien, wie ein Tagesstichwort geklungen hätte. Das aber freilich erwartete das Publikum, oder vielmehr: Das war ihm an jenem Abende vollstes Herzensbedürfniss. Die voraufgegangenen Wochen voll toten Hinweises auf das Fest, die stattgehabten Kämpfe um dasselbe, dann der Tag selbst, das Festgeläut, die überraschende Gunst der Witterung, der Anblick der über alle Vorstellung schön geschmückten Stadt, die Wahrnehmung aller der Tausende von Be-

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