Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 2 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- Agen 1× ep/1043981
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— 107 — Prager Redensarten and geflügelte Worte- Prag is ä Lusterspiegel; was halb Prag sagt, is halb wahr; was ganz Prag sagt, is ganz wahr. Popper mit der Wand. (Auf einen alleinstehenden, zurückgezogen lebenden Mensehen.) Nothl mit der doppelten Sohl. (Liess sich die Schuhe doppelt besohlen. Auf einen Pedanten, Umstandsmeier.) Ich leb' von lauter rewochim. (Was einem weniger zukommt, is rewach; ich geh' nix aus, kommt mir nix zu.) Wenn ich will kenne den Mann, seh' ich mir den Chawer (Umgang) an. Das Maul is ä kla' Lachl, hat scho' aufgegessen ä golden Dachl. Geh gleich, wirst du reich! Zwa Pehm (Böhm) Geld machen vier Pehm Krasche (Courage). Penize ne mam alc chuzpe mam. Wenn du hast ä Maul und redst nix, hab' ich ä Nos und schmeck nix. Wer redt' über die Mischpoche, an dem is ka Broche. Ka-ascher bo kejn jelech, jak sem prisel tak sem telech. (Wenn einer unverrichteter Sache zurückkommt.) Nehm ich der gnädigen Frau die Agen heraus, is es ihr nix rächt; lass ich ihr die Agen drinn, is es ihr auch nix rächt. (Eine Köchin, die bei den Fischen die Augen heraus nahm und bei den Gänsen sie liess.) Franz-Karoline Gott hüt' vor noch ärger. (Als anlässlich der Vermählung Kaiser Franz' allgemeine Illumination stattfand, gab ein armer Jude, der keine Wachslichter erschwingen konnte, ein Nachtlicht und ein Transparent mit obiger Inschrift in soin Fenster.) Hasch mit der neuen Zeitung. (Wenn einer eine längstbekannte Neuigkeit bringt.) Sehime hab's Pferd. (Wenn einer alles Mögliche zusammen isst.) A Pferd soll Lempcl essen. (Wenn einer für etwas Besseres kein Verständnis hat.) Fradl' leidts nicht. (Wenn einer gewohnheitsmässig opponirt.) ß. Lissau, Wien. Der jüdische Sommer. 7 Wochen zählt mer weg, 3 „ wünscht mer weg, 4. „ blost mer weg. Altona. In Holland heisst es: der Sommer geht weg mit „helen" und „zählen". J. H. Wagner, Berlin. Hochzeitslied. Vor etwa 60-80 Jahren in Mähren (Battelau-Triesch) gesungen. Mitgeteilt von Prof. Moritz Antscherl in Wien. 1) Achas w'aehas: Eines ist das Chasene-Haus (Hochzeitshaus), wo man isst und trinkt und tanzt und springt. 2 Achas uschtajim: Zwei sind Choson und Kalle, Haschemjisborach soll sein ihre Jahre memale (sie voll machen). 3) Achas w'scholausch: Drei sind Narr, Sarver (Diener beim Mahle) und Kachen (Köchin), die da tun gut kochen und „bachen."