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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1905-01-01 · 2 (1905) · p. Seite 105

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
Issue
2 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 105 (sequence 13)
Language
German
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— 105 — Vor Dir so nackt zu erscheinen," „Warum," sprach der liehe Gott, „Habt ihr zerstört mein Gebot?" Adam sprach: „Nein" Mit grossem Gewein, 80) „Meine Frau, die ist nur schuld daran." Eva bat: „Nein, du lieber Mann, Die giftige Schlange Mit ihrer Flamme, Die reizte mich zu allem an." Gott sprach: „Nun hört! Ihr seid nicht wert, Dass ihr mir sollt ewig währen. Der Tod, der soll euch beide verzehren Und Eva mit Schmerzen Kinder gebären, 90) Und Adam sich im Schweiss ernähren." Gott sagt das Wort Und jaget sie fort Aus dem Paradies, Dem heiligen Ort. Zur Schlange sprach Gott: „Du wildes Tier, Weil du hast gesprochen wider mir, So nimm deinen Fluch für dich allein! Du sollst nicht stehn, Auf deinem Bauch gehn. 100) DieErde,die sollDeineSpeise sein". Die Schlange, die ging verflucht davon. Eva gebar nun einen Sohn. Sie gebar bald wieder, Das waren die Brüder Kain und Abel alle zwei. Kain, der war ein Ackersmann, Und Abel, der blieb Bei seiner Schaftrieb. Sie fingen nun beide zu opfern an, 110) Der Kain seine Frucht Und Abel seine Zucht. Und Gott der Herr war dem Kain nicht gut, Er nahm das Opfer yon Abel mit Mut. Darüber gerieth der Kain in Wut, Er erschlug seinen Bruder, vergiesset sein Blut. Da sagt Gott zu Kain: „Du sag mir allein, Wo doch dein Bruder Abel mag sein!" Kain erschreckt und leugnet es schon; 120) „Was geht denn mich mein Bruder an? Ich habe ihn doch nicht eingeschlossen." Da sprach Gott mit Wut: „Du Mörder! sein Blut, Das dn jetzt eben hast vergossen, Drum soll die Erde verscholten sein, Dein Bruders Blut schliesse sie ein! Da nimm Deinen Lohn, Du Erdensohn, Und werd' ein Wandrer in der Welt!" 130)Kain der bat: „0,Gnade.meinHerr! Man wird mich erschlagen, Ich müsste verzagen. Eine Bitte Du mir gewähr!* Gott sagte zu Kain : „Lasse es nur sein! Ich schreibe dir ein Zeichen an, Das wohl ein jeder sehen kann, Dass dir nirgend wird Leides getan Und du überall kommst gut davon." 140) Kain, der Held, Verlässt das Feld Und wird ein Wandrer in der Welt. Da fing sich an die Welt zu vermehren Und Gottes Gebote zu verstören, Dies thät den lieben Gott sehr verdriessen. Er schickt aus Wut Eine grosse Sündflut, Und der Noa musst sich in eine Arche schliessen. Von einer jeden Kreatur nahm er ein Paar, 150) Die blieben bei ihm ein ganzes Jahr. Als das Jahr herum kam, Das Lamm er nahm, Dem lieben Gott, dem brachte er's dar, Dies brachte den lieben Gott in Entzücken. Er schwur sogleich, In seinem Reich Nie mehr eine Sündflut zu schicken. Er macht auch seinen Bund Dem Noa kund 160)Und war ihm dabei rekommandiren, Sich immer gut aufzuführen Und seinen Schöpfer zu respektiren, Wird ihn kein Unglück ruiniren. Gott zeigte mit Fleiss Noa, dem Greis, Den Regenbogen zum ewigen Beweis. — Nach diesem begab sich eine andere Sach. Alle Menschen sprachen eine Sprach, Dass einer den andern recht gut verstand. 170) Sie hatten ein Tal, Und fanden damal

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