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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1905-01-01 · 2 (1905) · p. Seite 104

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
Issue
2 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 104 (sequence 12)
Language
German
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— 104 — Das Lied von der Erschaffung der Welt. (gedichtet? und) vorgetragen von dem Marschalik Gabriol Nachodin Prag (ca. 1780-1850). Mitgeteilt von Frau 1) Als Gott die Welt zu erschaffen gedacht, War alles verhüllt in der finsteren Nacht. Kein Sonnenstrahl die Erde beschien, Nur Gottes Geist — Er ist gepreist Und schwebet aufs Wasser her und hin— Er erschuf das Licht zum Scheinen hervor, Schuf sich die Engel in seinem Chor, Vermehrte die Erden, 10) Liess Himmel werden, Und hing die Sonne und den Mond daran, Die Sonne bei Tag zu regiren, Der Mond bei Nacht Soll haben die Macht, Die himmlischen Sterne zu führen. Zum Wasser sprach Gott: An einem Ort Da sollt ihr mir zusammen gehn, Die trockene Erde, die soll man sehn, 20) Auch Kräuter und Bäume die sollen erstehn! Mit einem Wort war alles geschehn, Auch Fische ins Meer Schuf Gott, der Herr, Und Vögel in Lüften nach ihrem Begehr. Als nun das Alles war gethan, Fing Gott zu seinem Engel an: „Jetzt wollen wir einen Menschen aus Erde machen Mit der Gewalt In unserer Gestalt 30) Soll haben zu regiren über alle Sachen." Gott erschuf den Menschen ganz allein, Blies ihm die Seele selber ein. Im grossen Paradies, Wo Gott ihn lies, Dort blieb der Adam ganz allein. Der liebe Gott macht den Adam einschlummern, Er macht ihm ein Weib Aus seinem Leib E. Lissau, Wien. Von der Kippe, die er ihm genommen hat. 40) „Adam sieh her!" das ist deine Frau. Jetzt lebet zusammen in grossen Freuden! Den mittelsten Baum, den sollt ihr mir meiden, Wer dies übertritt von euch beiden, Muss mir von der Welt scheiden. Darum thut euch befleissen, Weil ichs thu heissen, > Vom mittelsten Baum mir nichts abzubeissen". Die Schlange war listig in ihrem Sinn Und schleicht sogleich zu der Eva hin 50) Und spricht zu ihr ein schlaues Wort: „Ich kanns nicht ertragen Und muss es euch sagen: Die Ursach, warum man euch es verboten hat? Der Apfel hat die Eigenschaft, Wer ihn geniesst kriegt göttliche Kraft, Drum kommet daher, Befolgt meine Lehr Und geniesst davon nach eurem Begehr!" Eva riss gleich einen Apfel ab. 60) Die Hälfte davon Ihrem Mann sie gab, den guten Adam sie ihn nannt. Adam tat drauf Die Augen auf Und sprach: „Wir sind nackend, das ist nicht schön. Wir wollen unsBlätter zusammen nähn." Der liebe Gott der hat alles gesehn, Und kam in Zorn daher zu gehn. Sie hörten Gott kaum, Da machten sie Raum 70) Und verschlichen sich selbst unter dem eigenen Baum. Mit Zorn rief Gott dem Adam zu: „Du sündiger Mensch wo bist denn du? Dass ich finde von euch keinen!" Adam sprach: „Herr! Wir fürchten uns sehr,

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