Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 2 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 97 — Wie hoch das Gehalt Eliah Levin's bemessen war, habe ich nirgends angegeben gefunden. Jedoch wird es kaum mehr als 100 Taler jährlich betragen haben, denn laut einem Protokoll vom 26. April 1756 ward „das Salarium" seines Vorgängers, des Schulgelehrten Levin Markus, auf jährlich 85 Taler festgesetzt. Ein viel höheres Gehalt dem Nachfolger zu zahlen, war die hiesige Judenschaft wohl kaum in der Lage. — Wir dürfen nicht vergessen, dass der Wert des Geldes gegen heute ein fünf- bis sechsfach höherer war. Immerhin war das Einkommen des Eabbi, wenn ihm auch neben der Synagoge eine Wohnung im Gemeindehause angewiesen war und er auf einige „Accidenzen" rechnen konnte, kärglich zugemessen. Zum Vergleich sei herangezogen, dass der Superintendent hiesiger Stadt 1750 ein Gehalt von 250 Talern bezog. Die Generaltabelle von 1765, der Zeit des Amtsantritts des Eliah Levin, zählt 30 ordentliche Schutzjuden auf, wozu noch 15 Familien kamen, die auf das Eecht des ersten Kindes angesetzt, des vollen Schutzrechts sich erfreuten. Als „Extraordinarii", „ausserordentliche Schutzjuden" weist die Tabelle 11 Familien, meist Witwen auf, so dass ohne die „publiquen Bedienten" die hiesige Judenschaft 66 Familien mit etwas über 300 Köpfen zählte. Den Familienverhältnissen der Juden waren durch das Generalprivilegium vom 17. April 1750 gar enge Schranken gezogen, und die Lasten waren nicht geringe. Unter den Titeln „Schutzgelder, Servisanlagen, Silbergelder, Kalendergelder, Montis pietatis" musste die hiesige Judenschaft alljährlich dem Staate ihre Beiträge leisten, wofür alle gemeinsam haftbar gemacht wurden. Doch noch drückender waren die ausserordentlichen Leistungen, welche der grosse König, um die Industrie im Lande zu erheben, von seinen Schutzjuden beanspruchte. So hatte nur im Jahre 1766 die Judenschaft zur Anlegung von Fabriken von 300 Stühlen zu wollenen und halbseidenen Zeugen 18000 Tal er und noch im selben Jahre zur Gründung einer Levantischen und Asiatischen Handlungskompagnie und zur Etablierung von 2 neuen Fabriken 76392 Taler aufzubringen, wozu die Landsberger Judenschaft allein etwas mehr als 1100 Taler beisteuerte. — Ein Jahrzehnt früher, ungefähr um das Jahr 1755 hatte die hiesige Judenschaft ihre Synagoge erbaut, und nun ging sie daran, auf einem angrenzenden wüsten Grundstücke, welches sie im Jahre 1763 von einem Senator Leander für 208 Taler erstanden, und das nach langwierigen Verhandlungen erst im Jahre 1766 in ihren Besitz gelangt war, ein Armen- und Krankenhaus zu errichten. Die Synagoge oder „Judenschule" ward in einem Hintergässchen auf der Fläche von zwei Buden aufgebaut. Die Hinterseite schaute auf die düstere halbverfallene Stadtmauer hinaus, hinter welcher, nur von einer niedrigen Böschung getrennt, die Wasser des breiten Wartheflusses dahinflössen. Die Vorderseite war dem Hofraum zugewandt, so dass sie der Oeffent- 7*