Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 1 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
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— 74 — Bräutigam ab, ihnen folgt die Braut im Kreise der Frauen. Nach dem Gottesdienst stellte sich die Grossmutter der Braut, wieder in dem ihr von der letzteren präsentierten Hemd über den Kleidern, auf einen Stuhl und lud das Publikum, auf das Hemd hinweisend, mit folgenden Worten zu sich ein: A schejne Babe (Grossnmtter) a gite Babe Ich bejt dem Oilem (Publikum) af Kigel a Kigel wie a Spiegel. Von der Synagoge ging man „af Leikech in Brunfen" zu den Grossmüttern, Eltern des Bräutigams und sonstigen Verwandten. Damit waren die Hochzeitswoche und die Hochzeitsfestlichkeiten zu Ende. Die moderne Hochzeit unterscheidet sich, wie schon oben gesagt, von der hier geschilderten erstens dadurch, dass der Badchen und alles, was mit ihm in Zusammenhang stand, fehlt. Damit fällt der eigentümliche Reiz, den er ihr verlieh, weg. Zweitens Hess man das „Verschlejern" der Braut und die von ihm abhängenden Zeremonien fallen. Endlich verläuft die Hochzeit nicht in so voller Oeffentlichkeit wie früher. Selbstverständlich lässt sich kein festes Schema für solche Dinge aufstellen, und die Summe der Hochzeitsgebräuche bei einer modernen Hochzeit hängt vom Vermögens- und Bildungsgrad der Heiratenden, sowie von den am gegebenen Orte herrschenden Anschauungen ab.