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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1905-01-01 · 1 (1905) · p. Seite 63

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
Issue
1 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 63 (sequence 67)
Language
German
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- 63 Musik, zu überreichen, wobei er nicht selten ein improvisiertes oder eingeübtes Lied vortrug. Hier eine Probe: A Hemd der Babe (Grossinutter) uptrugen. Kimmt nur aher alle Waber | IndieWabersanenihrmekane(neidisch). Zi dem Badchen, dem Katuwestraber; Ai Ribonescheloilem (Herr der Welt} (Spassmaeher)! helf mir san a Babe! Was bot acb asoi geklemmt, Glejb mir, di west buben Oilem babe Wus me bot noch nit gebracht der (die künftige Welt). Babe dus Hemd? Gott wejss, zi ich wel derieben, Kickt nur vin dus Hemd die Brejt, Kickt nur, wie dus Hemd is genejt. Me soll mir a Hemd upgeben. As dus Kind is nit ^esint. is die Babe Kickt nur Waber alle. dem Kind getrei; Dus Hemd bot genejt die Kalle (Braut). „Loift nach'dem Doktor, dus Kind is Die Krushewe (Spitze) mit die Ljente varboi!" ^Band) wie zi ihr toig,; Ihr Waber dus Hemd thit der Babe un Prost feinfach) s' varnehmt an Oig! i In stellt sie in mitten kun (Reigen) Gur mit a neier Methode, S Bazuhlt Babe die Klesmer (Musikanten) - Gur a neie Mode. j a Dreierl in Ganzen Die Babe is sech mit dem Hemd nej In gejht mit alle Waber tanzen! hane (zufrieden) Was die Badchenlieder anbelangt, so waren sie nicht immer freie Improvisationen. Es scheint, dass die Badchonim nicht nur einer von dem anderen entlehnten, sondern dass es auch solche gab, die kein persönliches geistiges Eigentum aufzuweisen hatten. Wenigstens übergab mir der hiesige Badchen einige vergilbte Blätter mit Liedern, nach denen er die seinigen verfasste. Auch bekam ich von ihm im Laufe einiger Jahre auf mein Verlangen nach Hochzeitsliedern immer dieselben, nur wenig abgeänderten Lieder aufgeschrieben. Dies ist eigentlich begreiflich, wenn man berücksichtigt, dass das Thema des Hochzeitsliedes ein engbegrenztes ist und dass dasjenige, was der Badchen vortragen muss, allen Anwesenden vorschwebt, nur sind wenige berufen, es über die Lippen zu bringen. Auch die Bibelstellen, die in irgend einer Beziehung zur Hochzeit stehen, sind nicht sehr zahlreich und waren früher jedermann bekannt. Endlich wurden die Badchenwitze im Laufe der Zeit so volkstümlich, dass man längst ihren Urheber vergessen hat. Aus allen diesen Gründen glaube ich die Badchenlieder als echt volkstümlich betrachten zu dürfen und führe sie deshalb hier an1). *) Von der Veröffentlichung einer Badchen-(,.Graui") Melodie haben wir auf Grund des folgenden fachmännischen Urteües Abstand genommen. Herr Prof. E. Kirschner, München, schreibt an uns: . . . Ueber die Qualität des Liedes lässt sich beim besten Willen nicht viel sagen. Es entbehrt jeden ausgeprägten Charakter, es sei denn, dass damit ein endloses Winseln zum Ausdruck gebracht werden soll. Ueberhaupt scheint mir das Ganze einer Introduktion entnommen oder nachgebildet zu sein, wie sie das Singerl anzustimmen pflegte, bevor der Chasen die eigentliche Melodie brachte ..." Anm. d. Herausg.

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