Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 1 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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— 58 - christlichen Jahrhundert in Rom gelebt hat und dessen uns erhaltene Grabschrift uns seinen Namen: Eudoxius nennt. Was aber schliesslich ältere jüdische Bildhauer anlangt, so ist von solchen nur noch weniges zu melden; doch können die zwei im früheren Artikel angeführten Bildhauer des Mittelalters vielleicht doch nicht so ganz vereinzelte Erscheinungen gewesen sein, als es den Anschein hat, da berichtet wird? dass die Juden von Trier, als ihnen im April 1066 der dortige Erzbischof Eberhard die Wahl zwischen Austreibung und Taufe stellte, eine dem Bischof ähnliche Wachsfigur verfertigten, die sie durch einen von ihnen bestochenen Mönch als Täufling aufstellen Hessen, und dann als der Bischof die vermeintlich lebende Figur taufen wollte, anzündeten, so dass dieser vor Schreck vom Schlage getroffen wurde Dass die Juden des Mittelalters das Wachs gut zu bearbeiten verstanden, geht ja auch aus dem hervor, was Depping2) von den Juden der Provence sagt: Sie richteten das Wachs, welches in der Provence erzeugt wurde, zum Verkauf her, Hessen solches aus Italien kommen und versahen nicht selten die Kirchen mit den zu den grossen Zeremonien erforderlichen Wachskerzen. Auch war Wachs die Ware, in welcher sie ihre Abgaben zahlten." Wenn einer anonymen Mitteilung im Jew. Chron. vom 26. Apr. 1889 Glauben zu schenken ist, so war der an der Wende des 18. Jahrhunderts in England lebende Bildhauer Samuel Joseph ein Jude. Die von ihm gefertigte Statue Wilberforce's charakterisiert Brock als die schönste Statue in England, welche „for its beauty would be difficult to surpass in any age." Samuels Sohn aber, der Bildhauer Edward Joseph, gehörte sicher dem Judentum nicht mehr an. Der 1764 in Dublin geborene Maler George Francis Joseph soll ein Vetter Samuels gewesen sein3). Als jüdische Bildhauer von Ruf führt Jacobs „Jew. Statistics" (S. XI) an: H J. Daniel (1804) und E. Wolff (1814) in Frankreich, und einen anderen E. Wolff (1802) in Italien. Eines um die Mitte des vorigen Jahrhunderts in Gothenburg arbeitenden tüchtigen jüdischen Bildhauers geschieht mehrfach Erwähnung, doch wird dabei sein Name leider nicht genannt4). Sollten, wie dies bisher dankenswerterweise mehrfach der Fall war, auch fernerhin meine diesbezüglichen Nachforschungen Unterstützung finden, so ist es mir vielleicht bald vergönnt, auch diesen Nachtrag noch durch einen weiteren zu ergänzen. 3) Nübeling, Die Judengerneinden des Mittelalters. S. 120. (Aronius. lieg. z. Gesch. d. Jdn. S. 63, 70.) 2) Die Juden im Mittelalter. S. 253 (s. dort die Quelle). 3) Jew. Chron. v. 8. Jan. 5904. S. 9, u. v. 15. Jan. 1904. S. 7. 4) M. Henriquez Pimentel, Isr. Bedehuizen in Verbandmet plastische Kunst. S. 7.