Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 1 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 53 — judenfeindlichen Posse „Unser Verkehr", respektive dem dieselbe darstellenden Tableau ein anderes fertigten, welches alle den Juden nicht vorzuwerfende öffentlichen Laster darstellt, mit der Aufschrift: „Unser Verkehr?" Weiter kennen wir von ihnen noch ein dem Edlen v. Lämel in Wien gewidmetes, lithographisches Portrait des Breslauer Oberlandesrabbiners Abraham Tiktin. Bezüglich des im vorausgegangenen Artikel genannten Berliner Malers, der für seine Erfindung Oelgemälde zu vervielfältigen eine königliche Pension erhielt, möge hier berichtigt werden, dass früher sein Name irrtümlich mit Jacobs angegeben wurde, während er in Wirklichkeit Jakob Liepmann hiess2). Weiter sind von Berliner jüdischen Malern hier noch zu nennen: Marcusi, 'der 1817 dort geboren, nach Antwerpen ging, wo er sich einigen Ruf als guter Portraitmaler erwarb. Als er hier 85 Jahr alt verstarb, wurden seiner Bestimmung gemäss seine Ueberreste nach Jerusalem überführt3). Dann auch Leopold Güter bock, der sich, wie Müller4) sagt, „durch seine Darstellungen des historischen und orientalischen Genres einen Namen gemacht hat . . . ." Auf seinen Wanderungen in Umbrien kopierte er in einer stets offenen Dorfkirche ein ihn interessierendes Altarbild. Der dazukommende Pfarrer sprach, als er hörte, dass er es mit einem Deutschen zu tun habe, seine Verwunderung aus, dass ein Protestant sich für ein Heiligenbild interessiere. Als er aber hörte, dass er einen „Ebreo" vor sich sähe, wuchs sein Staunen noch mehr. Als Güterbock seiner Einladung folgend sich am Sonntag bei dem Gottesdienste einstellte, stellte ihn dieser seiner Gemeinde von der Kanzel herab als „un cugino della Madonna" vor5). Güterbock starb 21. März 1881. Zeuge des verhältnismässig frühen Erwachens des Interesses für die Kunst bei den deutschen Juden, ist auch der 1772 in Stuttgart geborene und 1852 daselbst verstorbene Banquier Moses Benedict, der eine nicht geringe Fertigkeit im Miniaturmalen erlangt zu haben scheint, da der bekannte, ihm von Kindheit an engbefreundete Maler Gottlieb Schieck ihn in einem Brief vom 25. Juni 1799 auf« forderte, nach Paris zu kommen, um dort die Miniaturmalerei zu betreiben, da die dortigen Miniaturmaler mit Ausnahme von zweien schlecht arbeiteten, so dass er dort gute Erfolge haben würde. Er befragt ihn auch um die Art und Weise dieser Malerei, weil er sich selbst darin versuchen wolle6). Einige weitere ältere Frankfurter ') Jost, Neuere Gesch. d. Isr. I. S. 48. 2) Ebendas. I. S. 314. 3) Jew. Chron. 18. Juli 1902. 4) Künstlerlex. d. Gegenw. 5) Erinnerungen v. Ludwig Bamberger. 6) Sechs Briefe Chr. GottL Schicks an Mos. Benedict, in d. „Schwab. Kronik". Sonntgsbl. v. 15. Nov. 1885. (Ztg. d. Jdnt. 1885. S. 805 f.)