Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 1 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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— 49 — Später machte sich noch ein anderer spanischer Jude als Kartenzeichner verdient: Don Nicolas de Oliver y Fullana (Daniel Jehuda), der erst Hauptmann im spanischen Heer und (um 1680) Kosmograph der katholischen Majestät war, später als Oberst der Infanterie (circuncidado coronel) in holländischen Diensten gegen das französische Heer kämpfte, und von dem Koenen (Geschiedenis der Joden in Nederland S. 450) sagt: „Eindelijk verdient nog opmerking dat een Israeliet, zekere Daniel Juda, anders genaamd Don Nicolas de Oliver y Fullana, vroeger kapitein in Spaansche dienst, zieh veel Verdienste heeft verworven met opzicht tot het vervardigen van den bekenden en weleer zeer geachten Atlas van Bleau *). Auch aus der neueren Zeit ist hier noch ein sehr tüchtiger jüdischer Kartograph und Stecher zu nennen: der 1828 in Olmütz geborene Ignaz Hatsek, der. nachdem er 1848 und 49 als Leutnant in der Honvedartillerie gedient hatte, 1851 als Kartograph in dem ungarischen Staats-Vermessungsamt angestellt wurde. Er lieferte u. a. einen Spezialatlas von Ungarn für den Kronprinzen Rudolf und ein ähnliches Werk für den Kaiser Franz Josef2). Von anderen Künstlern portugiesischer Herkunft sei hier zuerst eine Malerin genannt: Eachel, alias Catharine Mendes (1698 mit Moseh, alias Antonio da Costa vermählt), von der wir ein (jetzt in dem Sitzungsraum der Londoner portugiesischen Gemeinde befindliches) 1721 vortrefflich in Aquarell ausgeführtes Portrait ihres im Staatskleid in ganzer Figur dargestellten Vaters, des Dr. Fernandez Mosseh Mendes kennen, der als Marrane erst Leibarzt des Königs Johann IV. von Portugal war und dann, als des Königs Tochter Catharine den König Charles IL von England ehelichte, mit dieser als ihr Leibarzt nach London kam, wo er sich offen zum Judentum bekannte. Den Namen Catharine erhielt Rachel von der Königin, die bei ihr Pate gestanden3). Künstlerisch begabt scheint auch der Chacham der Londoner portugiesischen Gemeinde David Nieto (1654—1728) gewesen zu sein, da seiner eignen Kunstfertigkeit das prächtige Frontspiz zugeschrieben wird, welches sein 1714 vollendetes Werk „Matten Dan" (p HEO) schmückt4). Auch einer seiner (Nietos) Schüler Isaac Mendes Bellisario scheint künstlerisch veranlagt gewesen zu sein, wenn anders wir in ihm den Bellisario sehen dürfen, dem wir ein (gegenwärtig im Besitz der Misses d'Aguilar befindliches) Gemälde verdanken, welches das Innere der 1701 erbauten portugiesischen Synagoge in London darstellt und in der 2. Hälfte des 18. Jahr- *) S. auch: Kayserling, Sephardim. S. 245, nach Barrios, Belac. de los Poetas, 58; Coro de las Musas, 226. 2) Jew. Encycl. VI. 3) Gaster a. a. 0. S. 97. (das. auch eine Reproduktion des ged. Portraits.) 4) Ebendas. S. 112. Beiträge zur jüd. Volkskunde. Heft XV. 4