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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1905-01-01 · 1 (1905) · p. Seite 48

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
Issue
1 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 48 (sequence 52)
Language
German
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— 48 — Stern aus Alt-Ofen, Neustift gefertigt, so dass vermutlich nur eine Namensverweehselung zu Grunde liegt. Weiter verdienen aber auch die spanischen Landkartenzeichner, dass ihrer hier Erwähnung geschieht, da ja der Vizepräsident der Luliana in Palma D. Gabriel Llabres y Quintana versichert, dass die auf Mallorca emsig betriebene Kartographie fast ganz in den Händen der dortigen Juden lag. Unter diesen zeichnete sich vor allen der unter dem Namen Mestre Jaime bekannte Jahne (Jakob) oder Jafuda (Jehuda) Cresques, Sohn des Abraham Cresques aus Palma aus. Mestre Jaime, der von Heinrich dem Seefahrer zum Präsidenten und Leiter der von ihm in Sagres oder Villa do Iffante ins Leben gerufenen nautischen Akademie ernannt wurde, stand schon früh im Rufe eines guten Mathematikers, war mit der Schifffahrtskunde vertraut, und in der Kunst nautische Instrumente und geographische Karten zu verfertigen sehr bewandert. Namentlich in der letzteren Kunst war Jaime so ausgezeichnet, dass das Volk ihn nicht anders als „lo jueu buscoler:c oder „el Judio de las brujelas", den „Karten-Juden" oder den Kompass-Juden" nannte. Seine Karten waren nicht nur von Seefahrern, sondern auch von Fürsten sehr geschätzt. Juan I. von Aragonien erhielt von ihm eine Karte, die er später dem Regenten von Frankreich zum Geschenk machte, und die noch jetzt in der Pariser National-Bibliothek aufbewahrt wird. (Reproduktionen dieser, vielfachen figürlichen Schmuck tragenden Karte finden sich in Nordenskiold „Periplus" und in der Jew. Encycl. III.). Eine andere seiner Karten (mapa mundi) erwarb 1387 König Juan um den für damals beträchtlichen Preis von 68 Livres. Nach dem 1391 in Palma ausgebrochenen Tumult, bei welchem dreihundert Juden erschlagen wurden, und viele, um sich zu retten, die Taufe nahmen, verliess Jafuda Cresques, der nun den Namen Jaime Ribes annahm, Mallorca, und wandte sich, geschützt durch königliche Privilegien, nach Barcelona, wo viele seiner Verwandten lebten. Hier lebte er fortan seiner Kunst, geehrt vom Könige Martin und anderen Fürsten, für die er Karten anfertigte, bis er im Jahre 1438, uahezu 60 Jahre alt, von Heinrich dem Seefahrer zum Leiter der neuerrichteten Akademie in Sagres ernannt wurde, derselben Akademie, in der gewissermassen auch Columbus den Grund zu seinen Entdeckungsreisen legte. Mestre Jaime wurde der Lehrer der Portugiesen sowohl in der Schiffahrtskunde, wie in der Kunst der Verfertigung von nautischen Instrumenten und Karten, in der keiner seiner Zeitgenossen ihm gleichkam. Auch um die Verbesserung des Kompasses und um die Anwendung des astronomischen Astrolabs in der Schifffahrt hat er sich unbestrittene Verdienste erworben1). JJ Kayserling. Christoph Columbus u. d. Anteil der Juden an d. span. u. portug. Entdeckungen. Berlin, 1894. S. 5£P. S. das. auch die Quellen.

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