Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 1 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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— 47 — 1694 errichteten Synagoge sehen1). Einen europäischen Ruf aber erwarb sich — durch Erfindungen, die allerdings einem anderen Gebiete angehören — der am 21. Sept. 1801 als Sohn des Potsdamer Bankiers Simon Jacobi geborene, später zum Christentum übergetretene Moses Jacobi, später Hermann von Jacobi genannt. Er war erst bei der kgl. Regierung als Baukondukteur beschäftigt und erteilte zugleich an der ehemaligen Bau-Gewerbeschule Unterricht, ging dann als Baumeister nach Königsberg, von wo er 1835 als Professor der Zivilbaukunst nach Dorpat berufen wurde. Zwei Jahre darauf erhielt er die Berufung nach Petersburg, wo er den Adel erhielt und zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften ernannt wurde. Er starb als russischer Wirklicher Staatsrat am 10. März 1874. Jacobi verdankt die Welt die Erfindung der Galvanoplastik und der Anwendung des Elektromagnetismus als bewegende Kraft2). Ehe wir nun zu den Malern und Kupferstechern kommen, seien auch hier zur weiteren Ergänzung der Kaufmännischen Arbeit noch einige der späteren jüdischen Kunstschreiber genannt, und zwar der Schwede Leib söhn, der u. a. 1877 ein Porträt des Kaisers Wilhelm der Grosse ausführte, bei dem das rechte Auge aus ausgewählten Psalmversen. das linke aus Versen aus den Sprüchen Salomonis, dem Buche des Predigers und des Hohenliedes besteht, der Kopf aber aus dem ganzen Buch des Prediger Salomonis, dem Hohenliede und 2 Psalmen Davids. Die Uniform ist aus Sprüchen Salomonis und dem Propheten Daniel zusammengesetzt. Der Name des Kaisers aber besteht aus einem hebräischen Gebet für das kaiserliche Haus und 2 Psalmen3). Weiter ist zu nennen: Marcus Singer, Vorbeter in Tyrnau. Er war, wie Wurzbach (a. a. O. XXXV. S. 11) sagt: „Autodidakt in Kalligraphie und Zeichenkunst, und leistete als solcher ganz Ausgezeichnetes. So hatte er im Jahre 1843 eine kalligraphische Zeichnung vollendet, welche auf den ersten Anblick sich als ein mit Arabesken geschmücktes Architekturstück darstellte. Bei näherer Betrachtung konnte man aber aus den Zeichnungsstrichen, wenn man von der Mitte begann, im fortgesetzten Zuge das ganze fünfte Buch Moses herauslesen. Es war eine kunstvolle Arbeit, welche damals allgemeine Bewunderung erregte" ... Ein durchaus diesem Kunstwerk gleichendes Blatt beschrieb übrigens Saphir („Ein kalligraphisches Kunstwerk" im „Humorist" 1858. No. 20) und nach ihm Wurzbach (XXXVIII. S. 247) als von Marcus *) Ebendas. 1872. S. 53. Näheres dürfte wohl aus den 1863 nach Kopenhagen überfühiten alten Akten d. Prov. Schleswig-Holst. zu ersehen sein. *) Kaelter, Gesch. d. jüd. (jeui. zu Potsdam. Potsdam, 1903. S. 78 f. *) Zeit. d. Jdnt. 1877. S. 785. ■