Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1905-01-01 · 1 (1905) · p. Seite 44

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
Issue
1 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 44 (sequence 48)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2638044-2638045-2638046--0048-2638236
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 44 - Dieses auszuführen erfordert harte Arbeit. Meiss und ist gefährlich. Es war seltsam zu sehen, wie das Dach einer christlichen Kirche durch jüdische Arbeiter gedeckt wurde, die bei ihrer Arbeit eine jüdische Hymne sangen". Sehen wir uns gleich nach weiteren jüdischen Bauleuten um, so hatten wir oben bei Besprechung der Goldschmiede bereits von Zimmerleuten und Maurern gehört, die Graul um Mitte des vorigen Jahrhunderts unter den Beni Israel in Bombay antraf. Aus der gleichen Zeit wird aber auch aus Sana (Jemen) von den dortigen Juden berichtet: „Sie sind grösstenteils Handwerker, als: Zimmerleute, Maurer, Grobschmiede u. s. w , und nur wenige von ihnen sind auch Geldwechsler im Kleinen"1). Dass aber Juden auch da, wo sich unter ihnen keine Bauhandwerker vorfanden, vermutlich, aus frommem Eifer bei Erbauung ihrer Gotteshäuser sich wenigstens als Handlanger beteiligt haben dürften, ist schon früher gesagt worden, und dies erscheint um so wahrscheinlicher, als ihnen solche Arbeiten durchaus nicht ungewohnt sein konnten, da ihnen oft genug Zwangsarbeit auferlegt wurde, die nicht immer durch Geld abgelöst werden konnte. So mussten sie, um nur einigt Beispiele anzuführen, in Arles solche Arbeiten bei einem Brückenbau an den Freitagen verrichten, wobei sie überdies von den christlichen Arbeitern oft misshandelt wurden, bis sie 1178 dieser Frohnde durch Zahlung einer jährlichen Abgabe enthoben wurden2). Ebenso mussten die Juden in Rom unter Paul IV. an der Befestigung der Mauern arbeiten3), während sie in Belorado (Spanien) um 1400 die Stadtwälle reparieren mussten4) und in Padua 1509 und 1514 gezwungen wurden, unablässig an den Festungswerken zu arbeiten, Erde und Steiue herbeizuschaffen, Gräben aufzuwerfen, Gebäude niederzureissen und die Wälle zu befestigen5). Konnte als Erweis dieser Vermutung" im früheren Artikel auf den Bericht Schudts über den Wiederaufbau der Frankfurter Synagoge (1711) hingewiesen werden, so kann hier auch aus neuerer Zeit eine ähnliche Tatsache berichtet werden, indem Ende der 50. Jahre des vorigen Jahrhunderts die Juden in Düdelsheim (Hessen) bei dem ßeparaturbau der dortigen Kirche mit Hand anlegten, durch Verrichtung von allerlei Handarbeiten, wogegen bei dem 1860 dort erfolgten Synagogenbau die christlichen Ortsbewohner sämtliche dazu nötigen Baumaterialien unentgeltlich herbeifuhren, woran sich auch der dortige ') Jew. Intelligence v. Nov. 1853. (Mntsc'hrft. f. d. Gesch. u. Wiss. cl. Jdnt. 1854. S. 42.) -) Menken, Scriptores reruin Germanicaruni I. S. 262. (Mntsschrft f. d. G. u. W. d. J. 1878. S. 150.) 3) Emek habacha. Edit. Wiener. Leipzig 1858, S. 96. 4) Los Eios. II. 539. III. 591. (Jew. Encycl. IL 665.) h) Ciscato a. a. 0. S. 183.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.