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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1905-01-01 · 1 (1905) · p. Seite 43

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
Issue
1 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 43 (sequence 47)
Language
German
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- 43 — simsen ruhten, und die durch eine lange Gallerie mit geschnitzter Bailustrade verbunden waren. Alle Pfeiler, Stützen, Gesimse und Türpfosten waren mit bescheidenen aber geschmackvollen Schnitzereien bedeckt. Diese Synagoge wurde vor nicht langer Zeit wegen Baufälligkeit auseinandergenommen1). Es erscheint nach alledem höchst wahrscheinlich, dass weitere Forschungen wohl ergeben dürften, dass diese alten polnischen Synagogen meist, wenn nicht alle, von jüdischen Baumeistern erbaut worden sind. Sind ja auch aus späterer Zeit hierfür sprechende Tatsachen bekannt, indem wir aus dem russisch-jüdischen Dorf Jefe Nahar von Louis de TOr2) hören: „Sie (die Juden) haben alle Arten geschickter Handwerker unter sich, und erbauten 1823 eine Synagoge, bei welcher sie nur ihre eigenen Bau- und Zimmermeister beschäftigten", und es bezeichnen die bereits genannten amerikanischen Delegierten die Leistungen der dortigen jüdischen Holzschnitzer als „erstklassig", sie rühmen die dortigen jüdischen Maurer als sehr geschickt und allein befähigt, gewisse schwierige und gefährliche Arbeiten an Kirchtürmen und anderen hohen Bauwerken auszuführen3). Aehnlich sagt Major Evans-Gordon4): „In Wilna, Kowno, Grodno, Pinsk und anderen Orten, die ich besuchte, gibt es wirklich keine christlichen Arbeiter. Selbst solche Arbeiten, für die nach westlichen Ideen der Jude ganz ungeeignet ist, wie die der Bauleute, Grobschmiede, Schlosser und Pflastersetzer etc. werden durchaus (one and all) von Juden ausgeführt", es sind überhaupt im Westen Russlands, wie Leroy-Beaulieu sagt, die meisten Steinhäuser von jüdischen Händen erbaut. Von Rumänien hören wir aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts, dass es zu dieser Zeit in den damaligen Donaufürstentümern unter den dortigen Juden zwar keine Maurer und Zimmerleute gab, wohl aber andere Bauhan dvverker: Tischler und Zimmermaler, und dass sie auch fast die einzigen Klempner und Glaser im Lande waren. „Alle Dächer der Häuser und die Kuppeln der Kirchen in den Fürstentümern sind von jüdischen Klempnern gedeckt, die dabei mit Beschwerlichkeiten und einer Waghalsigkeit ihr Werk verrichten, die oft in Erstaunen setzt"5). Aehnlich ist es dort noch gegenwärtig, so sagt Evans- Gordon (a. a. O. S. 185): „Wenn Jemand noch bezweifeln wollte, dass Juden für harte Arbeit geeignet seien, so würden seine Zweifel durch eine Reise nach Rumänien widerlegt werden. In den Städten wenigstens, ist fast alle solche Arbeit durch jüdische Hände ausgeführt. Die Häuser sind meist mit Blech gedeckt. -1) Samuel nach Bersohn a. a. 0. 2) Auch ein Wort über die Emanzipation d. Juden. Dresden 1837. S. 51. y) Errera, Die russ. Juden. S. 116 f. 4) Evans-Gordon, The alien Immigrant. London, 1903. S. 77 f. 5) Barasch im Wertheimerschen Kalender. 1854—55. S. 253 f. u. S. 275.

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