Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 1 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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— 42 — Auge kaum leserliche Inschriften zeige, welche die Ankunft Sir Mos. Montefiores und Gattin in Palästina feiern, von deren Nachtlager auf dem Oelberg u. a. m. erzählen1). Neben Schnitzer fand Frankl in Jerusalem von jüdischen Bauhandwerkern: 1 Maurer, 2 Steinmetzen, 12 Tischler, 1 Schlosser, 2 Schmiede und 6 Klempner vor (a. a. 0. II. S. 109), in Safed: 4 Maurer, 2 Tischler und 6 Klempner (II. S. 339) und in Tiberia: 2 Maurer, 1 Schmied und 1 Tischler. (II. S. 361). Um wieder auf die Schnitzer zurückzukommen, lernen wir einen weiteren in Beer ben Israel kennen, der im Beginn des 18. Jahrhunderts die in leichten, anmutigen und wohlproportionierten Formen ausgeführte heilige Lade in der Synagoge von Uzlan (Gouv. v. Minsk) fertigte, und von dem auch andere Synagogen in der Umgegend dieser Stadt Arbeiten bewahren2). Ein weiterer solcher jüdischer Schnitzer war Samuel Goldbaum, der sich 1830 in Bromberg niederlassen wollte, diese Niederlassung aber nur auf Grund einer königlichen Kabinetsordre erlangen konnte, nachdem der damalige königliche Bauinspektor Kienitz bezeugt, dass Goldbaum wahrhaft künstlerisch ausgeführte Holzschnitzereien für die Synagogen in Kempen und Fordon geliefert. Diese Schnitzereien schmücken noch heute die heiligen Laden der gedachten Gotteshäuser3). Von den Arbeiten eines anderen solchen, leider nicht genannten jüdischen Holzschnitzers hören wir bei der Einweihung der 1838 vollendeten Synagoge der Gemeinde Mattenbuden (Danzig): „Das Tabernakel sucht seines Gleichen, und ist von einem jüdischen Bildhauer, einem Polen, verfertigt. Der kleine Vorhang (rD"jD) von Purpurfarbe, reichhaltig, mit goldenen Kantillien, Quasten und Troddeln, ganz aus Holz, aber so täuschend gearbeitet, dass man ihn, ohne unterrichtet zu sein, gewiss für einen seidnen Stoff ansieht. An beiden Seiten sind Tafeln angebracht, auf welchen die im Tempel zu Jerusalem im Gebrauch gewesenen musikalischen Instrumente in erhabener Arbeit, dargestellt sind"4). War soeben von einem Schnitzer die Rede, der sich in Russisch Polen antreffen Hess, so kann von dort auch, neben dem im ersten Artikel genannten Hillel Benjamin, hier noch ein zweiter jüdischer Baumeister Simcha ben Salomo Weiss aus Luzk genannt werden, der gegen Ende des 17. Jahrhunderts die Synagoge von Nasielsk erbaute. Diese Synagoge, ein leichter, anmutiger Holzbau, dessen Metalldach 3 sich übereinandertürmende Stockwerke hatte, wurde zu den Seiten von 2 Türmen flankiert, deren Dächer auf schön geschnitzten Ge- J) Mntschrft. d. d. Gesch. u Wissnsch. d. Jdnt. 1851—52. S. 23. 2) Samuel in „Ost u. West" 1903. S. 420, nach JBersohns in poln. Sprache ersch. Publikat. über d. poln. Holzsynagogen. III. Heft. y) Herzberg, Gesch. d. Juden in BroDiberg. S. 39 ff. 4) Zeit. d. Jdnt. 1838. S. 534.