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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1905-01-01 · 1 (1905) · p. Seite 39

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
Issue
1 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 39 (sequence 43)
Language
German
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mit der Nadel umgehen, und Schemen sich nit einiges Werck zu* thun? was durch die Kunst von einer Frauensperson geschehen mag, und mit des Landes Gebrauch übereinkommet" l). Aus neuerer Zeit aber hören wir aus dem Orient durch Frankl (a. a. O. I. S. 194f.), dass er (1856) in Konstantinopel unter den dortigen Juden 50 Grold- und Silbersticker, 500 Gold- und Silberschuürdreher und 100 Seidenschnürdreher vorfand. Schliesslich sei hier noch angeführt, dass der im früheren Artikel besprochenen Directrice der k. k. Hauptstickereischule in Wien: Emilie Bach, im Jahre 1891 eine Büste in diesem Institut errichtet wurde2) Kommen wir nun zu den bildenden Künsten, so sei es gestattet, zunächst nochmals auf den augeblichen „Hass der Synagoge gegen alle Künste" zurückzukommen, und noch einige weitere Tatsachen anzuführen, die geeignet sind, darzutun, dass die Juden im Gegenteil — wenigstens da? wo ihre Lage eine freiere war — sich gern der Kuust zur Schmückung ihrer Gotteshäuser, ihrer Schulen, ihrer Häuser und ihrer Gräber bedienten. Mutet es uns doch ganz wie der Ausspruch eines Modernen an, wenn wir den um 1350 geborenen Profiat Duran in seinem grammatischen Werke Maase Efod (S. 19) sagen hören: „Das Schulhaus muss von schöner und gefälliger Bauart sein. Denn diese regt den Lerneifer an und stärkt ausserdem das Gedächtnis, weil das Anschauen schöner Formen und gefälliger Skulpturen und Bilder das Herz erweitert und belebt und die Geisteskräfte stärkt"3). Von Italien hingegen wissen wir, dass in Siena im Judenviertel gegenüber der Synagoge ein Springbrunnen mit einer Mosesstatue stand, und dass, als die Abgesandten der Posener Gemeinde Salomon Salman und Moses b. J. 1740 die dortige Gemeinde auf die Unzulässigkeit derartiger Statuen hinwiesen, ihnen entgegnet wurde, dass die Statue schon lange stände, ohne Beanstandung durch die Rabbiner4). Und welches Interesse brachten die römischen Juden der Mosesstatue Michelangelos entgegen! Berichtet hierüber doch Vasari5): wie sie „allsabbathlich in hellen Schaaren, wie die Staare, Männer und Frauen wallfahrten, sie aufzusuchen und anzubeten; nicht wie ein irdisch Ding, sondern wie etwas Göttliches beten sie es an." Einen herrlichen Brunnen (mnm HXj mfcQ) fand übrigens schon Obadjah aus Bartenuro (1488—89) in dem Vorhof der Synagoge zu Palermo6). Auch kennen wir aus *) Sandys eines Engellanders Eeise durch Europam, Asiam u. Afrieam. gethan. Frankfurt 1669. -) Brülls, Pop. wiss. Monatsschrift. XI. No. 5. 3) Güdemann, Das jüd. Unterrichtsvvesen währ. d. span.-arab. Periode. S. 192. 4) Mntschrft. f. d. Gesch. u. Wissensch, d. Jdnt. 1865. S. 171. b) Delle vite de' piu excellenti pittori . . . III. 2, S. 146 (Vogelstein u. Eieger. Gesch. d. J. in Rom. II. S. 122.) 6) Jahrb. f. d. Gesch. d. Juden. III S. 196.

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