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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1905-01-01 · 1 (1905) · p. Seite 35

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
Issue
1 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 35 (sequence 39)
Language
German
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- 35 — hiesigen Kürschner gut gefärbt, der längere Aufenthalt zu gestatten, nicht aber dem Moses, der diese Kunst nur wenig verstünde1). Anscheinend hatte diese Beschwerde keinen Erfolg, denn die Spezifikation in den Königsberger Judenakten (Vol. I. No. 1 der alten Magistratsregister vom Jahre 1714) nennt immer noch den Zobelfärber Marcus Moses und die Zobelfärberin Wolff Moses Witwe2). Es heisst auch in dem Bericht des Grafen von Dohna an die Regierung vom gleichen Jahre: „wiewohl sonst vor vielen Jahren schon dergleichen Juden, welche als Zobelfärber, Polnische Kürschner, Jouveliere und sonst dem Publico nützlich" . . . Ebenso besagt auch ein von dem Advocatus Fisci 1805 abgegebenes Gutachten über die dortigen Juden, dass unter ihnen viele Handwerk betrieben als Juwelierer, Zobelfärber, Schmückler und Litzenmacher3). Diese Färber dürften wohl aus Polen oder Russland nach Königsberg gekommen sein, da dort die Juden vielfach als solche tätig waren und sie, nach dem Bericht der amerikanischen Bevollmächtigten Weber und Kempster überhaupt die Begründer der Färbereiindustrie in Russland gewesen sind4). Einige jüdische Färber fanden sich auch in Prag vor, es nennen die erhaltenen -Grabsteine des alten dortigen Friedhofs: den 1637 verstorbenen Schwarzfärber Lob Schalum, den 1680 verstorbenen Färb er Meir Träger b. Jehuda Löb aus Nikolsburg und den 1701 verstorbenen Färber Sanwil Altschul5), während bei Teige und Winter (a. a. O. S. 83) ein jüdischer Pferdefärber Abraham (1617) angeführt wird, der von sich selbst berichtet: „Der Graf von Sumberk Hess mich durch einen Boten holen, ich färbte ihm 7 Kutschpferde, und als ich zurückfuhr, habe ich dem jungen Prinzen von Braunschweig Pferde färben sollen, konnte jedoch keine Farbe bekommen". (Prager Archiv N. 1096. 414). In Arles kauften im 12. Jahrhundert die Juden von dem dortigen Bischof allen Kermes, welcher zu St. Chamans und an anderen Orten seines Gebietes gesammelt wurde, welchen Umstand Depping (a. a. O. S. 141) dahin deutet, dass die Juden „wahrscheinlich" nur Handel damit trieben, während es aber eben so gut darauf schliessen lassen kann, dass die Juden auch dort die Färberei betrieben, da ja, wie oben nach Bardinet angeführt, die Juden solche in (dem damals päpstlichen) Avignon und der Grafschaft Venaissin betrieben, das Gleiches auch im benachbarten Aragonien im Mittelalter der Fall war6). In keinem Lande jedoch dürften sich die ]) Jolowicz, Gesch. d. Juden in Königsberg S. 34. -) Saalschütz in Monatsschrift f. Gesch. u. Wissch. d. Jdnt. VII. S. 402. 3) Jolowicz a. a. .0. S. 34f. u. S. 48. 4) Errera, Die russ. Juden. Leipzig, 1903. S. 135. 5) Zeitschrift f. d. Juden in Deutschland. V. S. 354. 6) Jacobs, Sources. S. 19.

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