Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 1 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2638044-2638045-2638046--0034-2638222- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
- 30 - Juden in Beuthen. Genehmigt Breslau, d. 28, März 1811 einen Weber Johem Dantziger kennen1), und hören auch aus Berlin, dass dort gegen Ende des 18. Jahrhunderts in der Benjamin Veitel Ephraimschen Spitzenfabrik sowohl jüdische wie christliche Kinder arbeiteten, für die Ephraim auch eine gemeinschaftliche Freischule eingerichtet hatte2). Vielleicht hatte in dieser Fabrik der Berliner Spitzenweber Ephraim Kossmann diese Kunst erlernt, die er wiederum auf seinen Verwandten Joel Berkowitz (Enkel des Rabbi Heilmann in Metz) übertrug, der gegen Ende des 18. Jahrhunderts als Spitzenweber nach Budapest kam3). Von einem Spitzenweber Abraham in Lemberg hören wir, dass er bei der obenerwähnten Plünderung im Jahre 1664 alle seine Spitzen aus Koliner Leinwand, Randspitzen, einen Kasten voll Waaren im Werte von 4530 Gulden, venetianische Seide und Gold- und Silberfäden einbüsste4). Von jüdischen Webern, die sich an der Wende des 18. Jahrhunderts in Galizien vorfanden, berichtet Rohrer (a. a. O. S. 69): „Dass aber der Jude, wenn er nur wollte, vortrefflich für das Webergeschäft taugt, beweisen zwey Orte in Galizien, Bötz und Jariczaw. Hier webt der Jude die Gürtel oder pohlnisch sogenannten Pass für die pohlnischen Edelleute. Diese Gürtel sind gewöhnlich mit Gold- und Silberfäden durchwebt, kommen oft auf 12 und mehr Dukaten zu stehen, geben dem Juden mehr Gelegenheit zum Gewinne und Betrüge, und werden daher auch lieber von ihm gewebt. Kein Gewerbe nach dem Schneider-Handwerke ergreift der Jude lieber als das der Posamentierer. Man heisst die Juden, die sich mit Borten wirken und andern leichten Arbeiten von gesponnenen Golde, Silber, Seide und Kameelhaaren für Kleider abgeben, Schmuckler, welches vielleicht so viel sagen soll als Schmuckmacher". (Solche jüdische „Schmucker" finden sich auch anderweit — auch in Deutschland — mehrfach erwähnt, sind aber, als über den Rahmen dieser Arbeit hinausgehend, hier nicht angeführt worden). Auch in Dänemark beschäftigten sich Juden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit Weberei und gibt Cohen5) in seiner Gewerbestatistik der dänischen Juden die Anzahl der jüdischen Weber für das Jahr 1837 in Kopenhagen mit 3 nebst 1 Gesellen und 3 Lehrlingen, daneben noch einen Tapetenweber an, und fand in den anderen dänischen Ortschaften 2 solche Weber mit 2 Gesellen und 1 Lehrling. Auch die Teppichweberei scheint von den Juden nicht nur, wie im früheren Artikel l) Kopfstein, Gesch. d. Syn.-Gem. in Beuthen. Beuthen 1891. S. 26 f. -) Ritter, Gesch. d. jüd. Reformation. II. S. 41. Anmrkng. $) ßüchler in Jew. Encyl. III. S. 418. 4) Caro a. a. 0. S. 171. 5) De mosaiske Troesbekjenderes Stilling i Danmark. Odensee 1837. <Zeit. d. Jdnth. 1838. S. 219). '