Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 1 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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— 28 — des Hofpredigers Lukas Oslander, der um dieser Angelegenheit willen seine Stelle verlor1). Aber auch in Württemberg duldete es ihn nicht lange, denn schon an der Wende des 16. Jahrhunderts sehen wir ihn sich nach TYier wenden. Um diese Zeit kam nämlich eine „orientalische jüdische Handelsgesellschaft aus Alexandrien, Syrien, Barbarien, die auf dem mittelländischen Meer und am Ozean den Handel dergestalt in Schwung gebracht, dass dadurch die Kommerziell in eine grosse Wohlfeilheit gesetzt wurden, auch nach Trier. Ihr General-Konsul hiess Magino Gabrieli. Sie hatten vom Papste, den Königen von Spanien und Frankreich, dem Grossherzoge von Florenz, dem Herzoge von Lothringen besondere Privilegien, Geleit und Sicherheit erlangt und suchten nun auch in Trier wegen der Vorteile des Mosel- und Rheinstromes sich Geleit und Schutz zu erwirken ..." Diesem Ansuchen wurde auch vom Kurfürsten stattgegeben2). Magino, oder Mangino de Gabrielo, wie ihn Bartolocci (Bibl. rabb. IV.) nennt, scheint übrigens, wie dies ja auch die „Lettres" sagen, französischer Herkunft gewesen zu sein, da nach Bartolocci sein eigentlicher Name R Meir- Manginus b. R. Gabriel Tzarphati war. Der Titel des Schriftchens, das er Sixtus V. widmete, lautete Dialoghi di M. Mangino sopra r utile für inventione circa la seta; nequale an che, si desmostrana, in vage figuri historiate tutti gl'essercitu e Instrumente che nelParte de la seta sericercant. Aus Dankbarkeit für das ihm vom Papste erteilte Privilegium, widmete er diesem auch Verse, die Sebastian Telarinus in das Italienische übersetzte. (Ebendas.). Magino hatte auch noch ein zweites päpstliches Privilegium vom 15. Juli 1588, welches ihm das ausschliessliche Recht zusicherte, Spiegel und koloriertes Kristallglas mit einem Oel, das er aus einer gewissen Pflanze gewann, zu polieren3). Seidenbau betrieben übrigens die Juden auch in Calabrien, Reggio, Catanzaro, Gosenza und anderen italienischen Städten4). In Rom fanden sich auch schon vor Maginos Zeit Juden mit Weberei beschäftigt, und finden sich in dem von Gnoli im Arch. rom. della soc. di storia patria mitgeteilten Register zwei Weber mit dem Beisatz Hebreo aufgeführt: David Tessitor und Leo Te ssitor5). Während * später im 18. Jahrhundert die Römischen Juden die Seidenwirkerei anscheinend nur fabrikmässig trieben, war doch ein Jude Ambrou um 1784 als Oberinspektor der staatlichen Fabrik von Calancastoff J) Sattler, Gesch. d. Hrzgt. Württemberg X. S. 208. (nach Monatsschrift f. Gesch. u. Wss. d. Jdnth. 1861. S. 277. -) Hontheim, Historia Trevirensis. III. S. 180. nach Mntsschrft. f. d Gesch. u. Wssnsch. d. Jdnth. 1858. S. 186 f. 3) Berliner, Gesch. d. Juden in Rom. II. S. 23. (s. dort die Quellen.) 4) Güdemann a. a. 0. S. 60. (S. dort die Quelle). 5) Vogelstein u. Rieger, Gesch. d. Juden in Rom II. S. 437 f.