Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1905-01-01 · 1 (1905) · p. Seite 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
Issue
1 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 20 (sequence 24)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2638044-2638045-2638046--0024-2638212
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 20 — jener Zeit als Professor der Medaillen- und Geimiienschneidekunst an der k. k. Akademie der bildenden Künste angestellt war und des jungen Israeliten ungewöhnliches Talent bald erkannt hatte, war es gelungen, dass ihm ein zweijähriger Aufenthalt — eine sogenannte Toleranz — gewährt wurde. S. arbeitete nun an der Akademie, und schon in der Jahresausstellung 1824 fanden ein „Minervakopf", dann eine „Gemme mit dem Bildnis Kaiser Franz I." wegen der Schönheit in der Ausführung allgemeine Anerkennung. Der junge Künstler gewann überdies in der Person des Grafen A. Mitrowsky von Nemisckl (Bd. XVIII. S. 384), damaligen obersten Kanzler einen Mäeen, der ihn in seinen Kreisen auf das Wärmste empfahl, so dass S. bald von der hohen Aristokratie sehr gesucht und selbst mit Aufträgen des ah. Kaiserhauses beehrt wurde. Seine damals auf heraldischem Gebiete ausgeführten verschiedenartigen Arbeiten, als Gemmen, Cameen, Siegel, Wappen, zeichneten sich durch ihre Vollendung in der Behandlung aus und erfreuten sich allseitiger Anerkennung. Aber Steinschneider, ein einfacher, schlichter Jude, wohl von dem Künstler dränge beseelt und schaffend, war im übrigen ein unpraktischer Mensch, der weder seine Zeit, noch sein Talent, und am wenigstens das Produkt dieser beiden Faktoren, welche heutzutage wieder im Gegensatz zur Vergangenheit in ungeheuerlicher Weise zur Geltung gebracht werden, nicht zu schätzen verstand, und seine herrlichen Arbeiten um wahre Spottpreise lieferte. So blieb er trotz seines künstlerischen Genius und trotz ununterbrochener Arbeit immer nur in dürftigen Verhältnissen, und sein Erwerb langte kaum, um eine Familie anständig zu erhalten. Als er vermögenslos starb, hinterliess er ausser einer Tochter Katharina zwei Söhne Samuel und Johann, von denen Johann die Steingravierkunst erlernte. Jacob besass aber noch einen Stiefbruder Heinrich Joachim Steinschneider*, über diesen und Jacob's Sohn Johann vergleiche die Quellen." — Als solche sind nur genannt die Kataloge der Jahres-Ausstellungen in der k. k. Akademie der bildenden Künste bei St. Anna in Wien (8°) 1824, S. 30 No. 26. — Bei Wurzbach selbst (a. a. 0. S. 160) heisst es aber über die Vorgenannten weiter: „Heinrich Joachim Steinschneider (geb. in Tarnow 1814), ein Stiefbruder des obigen Jacob, kam in jungen Jahren nach Wien, besuchte gleich diesem die Akademie der bildenden Künste und stellte in der Jahres- Ausstellung 1832 zwei in Stahl geschnittene Werke, einen „Christuskopf'4 und ein „Bildnis der damaligen Königin von Bayern" aus, welchen beiden die Preismedaille zuerkannt worden war. Heinrich Joachim wendete sich nun dem Graveurfache zu, worin er vortreffliches leistete und in Behandlung und Zeichnung noch seinen Stiefbruder Jacob, der doch selbst Vorzügliches leistete, übertraf. Nur in der Ausführung kam er ihm nicht gleich. In Wien arbeitete

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.