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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1905-01-01 · 1 (1905) · p. Seite 13

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
Issue
1 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 13 (sequence 17)
Language
German
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— 13 — lieh von jüdischen Schmieden bewohnt wird, liegt in der Nähe von Tripolis. Das Dorf heisst Amruz; vom frühen Morgen bis zum späten Abend hört man nichts anderes als Pochen der Hämmer, und wenn die Schmiede, zu denen auch der Rabbi des Dorfes gehört, ihr Tagewerk vollbracht haben, begeben sie sich in die grosse Synagoge, wo sie die Abendgebete verrichten. Die Greise, welche nicht mehr den Hammer schwingen können, machen sich dadurch nützlich, dass sie die Blasebälge treten. Zum grössten Teil sind die Schmiede auch Schwertfeger und liefern den Mauren und Arabern den Yatagan und Dolch, die für die Söhne der Wüste unerlässlich sind. Die Waffen, die von diesen hebräischen Waffenschmieden verfertigt werden, sind weit und breit berühmt und werden bis in die Niger- und Nilländer exportiert. Der Sage nach soll das Dorf Amruz bald nach der Zerstörung des zweiten Tempsls von den Juden begründet worden sein. Der Landstrich wurde ihnen von den Römern überlassen, die damals noch über Nord- Afrika herrschten" l)- Dass Juden tüchtige Waffenschmiede waren, ist ja auch anderweit bezeugt; verfertigten doch die aus Spanien und Portugal nach der Türkei geflüchteten Mammen „für die Kriegslust der Türken neue Rüstungen und Feuerwaffen, gössen Kanonen, fabrizierten Pulver und lehrten den Türken damit umzugehen"2). Machte doch auch der königliche Rat gegen den Befehl Ferdinand des Katholischen zur Vertreibung der Juden aus Sizilien geltend, dass in diesem Reiche fast alle Handwerker Juden seien, und es besonders an Eisenarbeitern etc. fehlen würde3). Von den jüdischen Schmieden und Schlossern (welche namentlich Wollkratzen fertigten) in den Dörfern im Westen von Tripolis berichtete auch schon Benjamin II. (a. a 0. S. 236). Jüdische Gelbgiesser, welche die früher in allen Synagogen gebräuchlichen Messingkronleuchter gössen, fanden sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland vor, so gab es damals einen solchen in Kastel4), und unter den 163 Mitgliedern (darunter 70 Handwerker), welche die Wählerliste der Bromberger jüdischen Gemeinde 1852 aufwies, befanden sich zwei5). In österreichisch Schlesien dagegen werden solche im Jahre 1751 genannt6). Von jüdischen Graveuren, beziehendlich Steinschneidern, waren in dem früheren Artikel, abgesehen vom Altertum, solche nur seit dem 17. Jahrhundert nachgewiesen worden, es hat deren aber schon viel früher gegeben, und es hat sie nicht nur Teixeira, wie ') Zeit d. Jdnth. 1891. No. 46, Umschlag. '-) Graetz, Gesch. d. Juden. IX. S. 32 f., s. dort die Quellen. 3) Zeit. d. Jdnth. 1891. No. 11, Umschlag. 4) Schaab, Dipl. Gesch. d. Juden zu Mainz. S. 454. 5) Herzberg, Gesch. d. Juden in Bromberg. S. 67. 6j G. Wolf in Zeitschrift f. d. Gesch. d. Juden i. Deutsch. IV. S. 197. Anm.

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