Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 1 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2638044-2638045-2638046--0014-2638202- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 10 — Italien in dem vorausgehenden Artikel jüdische Goldschmiede auch nur in Rom und Mantua nachgewiesen wurden, so dürfte es solche doch auch noch in anderen Städten gegeben haben, wenigstens berichtet Lecky *), dass viele von den Venetianischen Goldschmieden, welche die Kniist des Ziselierens übten, Juden waren. Da Venedig, wie Eücklin (Schmuckbuch) meldet, der Hauptfabrikationsort der jüdischen Trauringe war, so dürfen wir vermutlich in den dortigen jüdischen Goldschmieden die Verfertiger dieser Ringe sehen. Dort hatte wohl auch Benetto Luzzatto, der sich um die Mitte des 17. Jahrhunderts in Götz niederliess, die Goldschmiedekunst erlernt, die er ausübte, dabei aber, wie Samuel David Luzzatto berichtet2), ein gelehrter Mann war, der sich mit mathematischen Studien beschäftigte, eine talmudische Blumenlese sammelte und andere wissenschaftliche Arbeiten in Handschrift hinterliess. Von den jüdischen Goldschmieden des Orients war zwar ebenfalls schon in dem ersten Artikel gesprochen, aber auch von diesen ist aus andern Quellen noch manches nachzutragen. So berichtet der französische Militärarzt Dr. V. Widal3) 1854 von den Juden von Laghouat (Sahara), dass unter ihnen sich ein einziger Kaufmann befand, während alle übrigen Handwerker und Industrielle, und zwar, abgesehen von einigen Schlossern und Tischlern, fast sämtlich Geschmeidearbeiter waren, die hauptsächlich Ringe und Ohrspangen fertigten. Ganz ähnlich hatte auch schon Alb. Cohn aus der Zeit der Eroberung Algiers durch die Franzosen (1830) von den Juden Laghouats und Djema-Gazouats berichtet: „Die umherziehenden Familien begaben sich bald in dieses, bald in jenes arabische oder kabylische Zelt, um Wolle zu krämpeln und Gold- und Silberkleinodien anzufertigen, zwei Handwerke, die sie in diesen Gegenden allein ausüben" 4). Auch von einem anderen Oasengebiet, aus Taghzut, meldet K. Ziel von den dortigen Juden der Mitte des vorigen Jahrhunderts, dass sie „fern von dem schnnizigen Schacher. Die Reichen unter ihnen treiben Grosshandel und sind zugleich Eigentümer von Palmengärten, andere sind Gold und Silberarbeiter, Blechschmiede, Kardätschen- und Wollkammacher u. s. w. Diese letzteren ziehen einige Monate im Jahre, ihr Handwerk übend, in den verschiedenen Städten der Sahara herum, und kehren dann mit dem verdienten Geld zu ihren Familien zurück115). Von den in der Provinz Constantine auf dem Lande lebenden Juden liegt uns ein Bericht des dortigen r) üationalisin in Europe. II. S. 237. (Jew. Encycl. II. S. 142). 2) Busch, Jahrb. 1848. 3) Archives isr. Jan. 1854. (Monatsschr. f. d. Gesch. u. Wssnsch. d. Jdnth. 1854. S. 208 f.) 4) Monatsschrift 1866. S. 245. 5) Ebendas. 1855 S. 135.