Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 1 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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9 — des 19. Jahrhunderts Juden der Groldschmiedekunst. Dank der Bemühungen Ahron Chorins (1766—1844) hatten sich in Arad 1831 bereits 78 jüdische junge Männer dem Handwerke als Goldschmiede, Färber, Zuckerbäcker, Kürschner, Böttcher, Gehäusemacher. Flechter, Seifensieder, Hufschmiede, Schmiede, Büchsenmacher, Schlosser, Buchbinder, Maler, Schneider, Pfeifenmacher, Glaser, Schuhmacher, Sattler etc. gewidmet1). In grösserer Anzahl dürfte es aber in Pest jüdische Goldschmiede gegeben haben, da die Gewerbestatistik vom Jahre 1870 die Anzahl der dort in der Edelmetall- und Juwelenindustrie tätigen mit 482, wovon 235 Juden, angibt2). Wusste die früher angeführte Verteidigungsschrift, welche die Juden dem König Sigismund I. überreichten, von jüdischen Goldschmieden zu berichten, die sich im 16. Jahrhundert in Polen vorfanden, so ersehen wir aus den uns erhaltenen Listen, welche das Lemberger Grodgericht über die Verluste aufnahm, welche die dortigen Juden durch Plünderung gelegentlich der Judenverfolgung vom Jahre 1664 erlitten, dass sich auch im 17. Jahrhundert noch zahlreiche jüdische Goldschmiede dort vorfanden. Diese Akten nennen: den Goldarbeit er Oha im, der einen Schaden von 13390 Gulden erlitt, den Goldarbeiter Abraham, der einen Verlust von 2385 Gulden zu beklagen hatte, den Goldarbeiter Icko, dessen Schaden sich auf 2983 Gulden belief, den Goldarbeiter Marko, dessen Verlust nicht ziffermässig angegeben wird, die Witwe des Goldarbeiters Szlomo, die ihren Schaden auf 5240 Gulden beziffert, und endlich auch eine Goldarbeiterin namens Jozefowa, die um den Wert von 2089 Gulden beraubt worden war3). Tüchtig als Goldschmiede scheinen im 18. Jahrhundert auch die Bukarester Juden gewesen zu sein, da solche damals wiederholt Obervorsteher der Silberschmiede („Kuyunju-pasha") waren. 1787 wurde diese Stelle von einem Christen bekleidet, aber schon 6 Jahre später wurde wieder dem Juden Eleazar der Titel: Jevahirj-pasha (Obervorsteher der Juweliere verliehen4). Diese Ehrenstellungen dürften sie wohl auch mit ihrer grossen Anzahl zu verdanken haben; fanden sich doch in Bukarest noch im Jahre 1879 nicht weniger als 174 jüdische Goldschmiede vor, gegen nur 48 christliche5). Auch später noch finden wir in Rumänien jüdische Goldschmiede, und gibt eine offizielle gewerbstatistische Liste, die sich auf 14 meist kleinere Städte erstreckt, deren Anzahl auf 24 gegen 36 christliche an6). Wenn für *) Jew. Encyclopedia. II. S. 61. Reich, Befch-Lehem II. (1874) S. 264. 3) Caro, Gesch. d. Juden in Lemberg. Lemberg 1894. S. 74 ff. u. S. 168 ff. 4) Jew. Encyclopedia. III. S. 411. (S. dort die Quellen). 5) Abrahams, Jew. Statistics. S 26. 6) Verax, La Roumanie et les Iuifs. S. 374 f.