Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 1 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2638044-2638045-2638046--0012-2638200- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 8 — schmieden, die Josef Teige1) gelegentlich als Hausbesitzer nennt, kein einziger auf den von Popper gelesenen Grabschriften vorkommt. Diese 3 waren: Salomon de Cerve, der 1663 den Haupttrakt des Hauses C. N° 80 V. auf der „Goldenen Gasse" vom Oberrabiner Isaak kaufte, Isaak Goldschader, der 1622 das Eckhaus der Geistgasse und des kleinen Schamesgässchens kaufte, und Jacob, der um 1600 einen Trakt des Eckhauses der „Goldenen Gasse" C. No. 42 inne hatte. Der zuletzt genannte Jacob könnte leicht der Vater des von Popper als zwischen 1640 und 1660 verstorben angeführten Goldschmieds Berman b. Jacob b. Hirsch gewesen sein. Es verdient auch noch erwähnt zu werden, dass die Prager jüdischen Goldschmiede, ebenso wie auch die dortigen jüdischen Schuster, Schneider und Fleischhauer bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts eine eigene Innung bildeten2). Für die ebengenannte Zeit war das Vorkommen einzelner jüdischer Goldschmiede in Wien bereits früher nachgewiesen, deren Anzahl scheint sich aber schnell vermehrt zu haben, da die Liste der wahlfähigen Mitglieder der dortigen jüdischen Gemeinde vom Jahre 1900 die Namen von 44 Goldarbeitern enthält. Ueber galizische Goldschmiede an der Wende des 18. Jahrhunderts äussert sich der den Juden nicht übermässigwohlgesinnte Joseph Rohrer3): „So wenig übrigens der Jude sich geschaffen dünkt, um die schwere Arbeit in Blech-, Kupfer- und Eisenhämmern mitzumachen, so gern übernimmt er doch den Hammer und verweilt bey der Glut, wenn er den Dienst eines Goldarbeiters auf sich nehmen kann. Hier ist er in seiner Sphäre. Ich kenne zwey Orte in Galizien, wo fast alle Juden sich Goldschmiede heissen. Diese sind der Flecken Glogow und die Kreisstadt Rzezow. In Glogow werden nur Ringe und Ringelchen für die gemeinen Leute verfertigt. In Rzezow aber zeigt sich der Kunstfleiss der Juden samt ihrer Gabe zu betriegen in viel höherem Grade. Man kann hier so feine Ohrgehänge, Goldketten usw., als bey den christlichen Galanterie- Arbeitern in Prag finden. Allein das Rzezower Gold halte man ja für kein Dukaten-Gold. Er ist eine Composition, wobei nur der zehnte Theil echter Goldzusatz ist. Mit dieser flimmernden, sehr niedlich gearbeiteten Ware handelten, vor dem Ausbruche des letzten Krieges die Rzezower Juden bis nach Alessandria und Livorno. Nun aber hausieren sie mehr in Russland, Neupreussen, Ungarn usw." Auch in Ungarn, wo den Juden seit 1805 wenigstens die Freimeisterei gestattet wurde, widmeten sich im ersten Drittel M Das Prager Ghetto. Prag 1903. S. 138, 141 u. 148. -) Jost, Neuere Gesch. d. Israel. I. S. 341. 3) (Rohrer), Versuch über d. jüd. Bewohner d. österr. Monarchie. Wien 1804. S. 70. — Stössel, der Held von Port Arthur, Sohn eines ]üd. Goldschmieds aus Ungarn: „N. Fr. Piv; 3. I. 05 S. 5. [M. Gr.]