Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 1 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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handeln* ferner Goldschmie de. Sticke r und Rabbiner, diese zahlen fl. 161). Hatten wir bereits früher gehört, dass sich 1737 jüdische Goldschmiede in Berlin vorgefunden haben, so findet, wenn anders einer Anführung der „Freisinnigen Zeitung4' Glauben geschenkt werden kann, diese Angabe dadurch eine Bestätigung, dass, nach dem genannten Blatte, der Ahnherr derer von Treskow ein aus Berlin stammender jüdischer Goldarbeiter Tereskow gewesen ist2). Uebrigens war auch der spätere Hofantiquar J. A. Lewy in Berlin gelernter Goldschmied, und zwar ein sehr tüchtiger. Seine erste Arbeit war eine kleine goldene Statuette Friedrichs des Grossen in Form einer Busennadel, die der König Friedrich Wilhelm IV. kaufte. Nach dem Tode des Königs gelangte die Nadel in das Hohenzollern-Museum, kam aber auf Bitten Lewys, durch Vermittelung des späteren Kaisers Friedrich, der Lewy wohl gewogen war, wieder in dessen Besitz zurück. Trotzdem Lewy zu grossem Wohlstand gelangte, übte er zu seinem Vergnügen seine Kunst bis in das höchste Alter aus, und fertigte unter anderem auch einen Becher an, den er Kaiser Friedrich zu dessen silberner Hochzeit vei^ehren durfte3). In Deutschland lebte vermutlich auch der Goldschmied Moses, der einen, früher im Besitz der Familie Oppenheim, jetzt aber in der Breslauer Seminar-Synagoge befindlichen Thoraschmuck als das Werk seiner Hände (^pi* HS'E "H1 rwyc Hl) bezeichnete4). Dass sich früher in Deutschland so wenige jüdische Goldschmiede vorfanden (für das Jahr 1898 führt die Wählerliste der Berliner Jüd. Gemeinde 11 Goldarbeiter als Mitglieder an) erklärt sich leicht aus den Schwierigkeiten, die sich hier bis zum Jahre 1848 einem Juden boten, der sich der Goldschmiedekunst (oder einem anderen Handwerk) widmen wollte. Ein Zeugnis hierfür liegt uns in einem Briefe des Hamburger Goldschmiedes L. Heinemann vor, der sich im „Antisemitenspiegel" (III. S. 54'f.) abgedruckt findet. Heinemann berichtet darin, wie er von seinem Lehrherrn, den er unter grossen Hindernissen endlich in einem kleinen Ort gefunden, und bei dem er nach vollendeter Lehrzeit auch noch als Gehilfe gearbeitet, ein empfehlendes Zeugnis erhielt — einen zünftigen Lehrbrief durfte er ihm, als Juden, nicht ausstellen —, welcher ihm in Hamburg zwar schnell eine Stellung verschaffte, er dieselbe aber nicht antreten durfte, da der Aeltersmann, nachdem er aus Heinemanns Wanderbuch ersehen, 1) G. Wolf, in Zeitschrift f. d. Gesch. d. Jaden i. Deutschland IV. S. 190f. 2) Allg. Zeit d. Judent. 1886. S. 223. :!) Ebendas. (nach d. Berl. Tageblatt) 1886. S. 413ff. 4) Gef. Mitt. des Herrn Dr. M. ßrann.