Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 1 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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_ 4 - dahin brachte, diesem kostbaren Metalle die Feinheit eines Haares zu geben. Die beiden grossen Manufakturstädte Paris und Lyon blieben in dieser Beziehung hinter den Goldarbeitern von Trevoux nicht zurück, aber ausser dein Golde verstanden jene auch das Silber mit derselben Geschicklichkeit zu strecken, und hierin haben sie keine Nebenbuhler gefunden." In England war den Juden vor ihrer Vertreibung das Gebiet ihrer Tätigkeit sehr eingeschränkt, wir erfahren aber doch, dass sie „mit einigem Erfolg als Aerzte praktizierten und das Goldschmie dehandwerk betrieben1)." War von Deutschland früher gesagt, dass sich dort in älterer Zeit, abgesehen von Berlin, keine jüdischen Goldschmiede nachweisen lassen, so trifft dies doch bezüglich der ehemals polnischen Landesteile nicht zu, denn in Posen beschäftigten sich die Juden im 17. Jahrhundert zwar auch hauptsächlich mit dem Gross- und Kleinhandel, es hatten aber auch diejenigen Handwerke, die ihnen gesetzlich nicht verschlossen waren, zahlreiche Vertreter unter ihnen, und gab es dort eigene jüdische Schneider-, Fleischer-, Kürschner- und Posamentier- Innungen; aber auch einzelne Schuhmacher, Buchbinder (denen aber das Einbinden katholischer Bücher verboten war) und Goldarbeiter erwähnt das dortige Gemeindebuch. So findet sich in der Liste der dort im Jahre 1641 in jüdischen Händen befindlichen Grundstücke der ,,aurifaber Sapsai^als Hauseigentümer aufgeführt2). Durch Urkunde vom 23. Juli 1766 gestattet der König Stanislaus August dem Goldschmied und Scheider Litmann Levin, auf dem Bromberger Gebiet Nachforschungen nach Kupferabfällen anzustellen3). In Tilsit aber wird 1820 in dem Vereinsbuch der Chebra Kadischa ein Goldarbeit er Löwenson als Mitglied genannt4). Es muss aber sicher auch in Breslau resp. Schlesien bereits im Beginn des 18. Jahrhunderts jüdische Goldschmiede gegeben haben, da das Steuer-Patent vom 18- Juni 1721, welches die dortigen „unpossessionierten" Juden „je nach dem Handel und Gewerbe, das sie trieben, in 4 Klassen teilt, besagt: „In die 2. Klasse gehören Branntwein- und andere Pächter, die jährlich über £L 200 Pacht zahlen, ferner jene, die mit Büchern, Leder, Getreide, Kattun, Leinwand, Ross und Vieh r) S. Levy in Jew. Chron. v. 4. Apr. 1902, nach Select Pleas, Starrs and otlier ßecords of the Exchequer of the Jews, 1220—1284. Edited by J. M. Rigg. London 1902. 2) Perles. Gesch. d. Juden in Posen, in d. Mntschrift. f. Gesch. und Wissensch, d. Judent. 1864. S. 420 und 1865. S. 84. 3) Zeitschrift d. hist. Gesellsch. f. Prov. Posen. VIII. S. 356 (Herzherg, Gesch. d. Juden in Broniberg. Frankfurt 1903. S. 6). 4) Friedeberg, Bilder v. d. Ostgrenze. Tilsit u. Leipzig 1886. S. 52. Anmerk.