Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 1 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 3 — Lehrling* in sein Geschäft auf; er traf, wie die Zeitschrift „Welthandel", Heft 71) meldet, „hier bereits seinen älteren Bruder Eduard und beide hämmerten und löteten Gold- und Silbersachen, sie lernten mit dem edlen Metall umgehen und hatten Freude daran". Aber sauer mussten sie arbeiten, wollten sie sich redlich durchs Leben schlagen. Das eigene Geschäft des alten Mires warf nicht viel ab und so übernahm er dann meist Aufträge anderer Goldschmiede und Juweliere. Jules hatte viel zu gravieren und zu ziselieren, und, wie man sagt, soll er es darin zu einer grossen Fertigkeit gebracht haben. Aber was zu verwundern, er war bereits 25 Jahre alt geworden und .konnte weder lesen noch schreiben*'. Zu der gleichen Zeit fanden die Arbeiten eines anderen Pariser jüdischen Goldschmiedes portugiesischer Abkunft namens Oliveira in der dortigen Industrieausstellung vom Jahre 1806 Beachtung4). Auch in anderen Teilen des damaligen Frankreichs finden wir zu dieser Zeit jüdische Goldschmiede tätig, und nennt als solche die Mitgliedsliste der „Societe d'encouragement des arts et metiers parmi les Israelites de Metz" (Metz 1825): Leon Gouguenheim, Lion Levy und Jacques Bing in Metz und Louis Lazard in Sarrelouis. Von den jüdischen Goldschmieden die sich im 11. Jahrhundert im Languedoc und im 14. Jahrhundert in Navarra vorfanden, war bereits im ersten Artikel die Rede. Es gab deren während des Mittelalters aber auch in anderen Teilen Frankreichs, und es berichtet aus dieser Zeit L. Bardinet3) von den Juden des damals päpstlichen Avignon und der Grafschaft Venaissin, dass dieselben durchaus nicht alle dem Handel ergeben waren, sondern sich unter ihnen auch Goldschmiede, Weber, Färber, Spinner, Buchbinder, Tuchwäscher, Schneider und Aerzte fanden, während andere mit grossem Erfolge Ackerbau und besonders Weinkultur betrieben, bis beschränkende Edikte am Ende des 15. Jahrhunderts dieser Tätigkeit ein Ende machte. Von den 1394 aus Lyon nach Trevoux geflüchteten Juden aber sagt Depping4): „Die Juden, die sich zu Trevoux niedei-liessen, verpflanzten dahin einen Industriezweig, der sich seit dieser Zeit daselbst erhalten hat, nämlich die Läuterung des Goldes und die Verarbeitung desselben zu Draht. Ich weiss nicht, ob die Flüchtlinge diese Kunst schon in ihrer ganzen Vollkommenheit dahin brachten, allein es ist gewiss, dass die Gold - Drahtzieherei in der Folge zu Trevoux mit einer Geschicklichkeit betrieben wurde, welche es . *) Ailg. Zeit des Judent. 1871. S. 770. 2) Kahn, Les Jaifs de Paris pendant la revolution. II. Aufl. S. 324. 3) Revue historique 1880. Sept.—Oct. (nach Allg. Zeit d. Judent. 1880. S. 725ff.) 4) Die Juden im Mittelalter. Stuttgart 1834. S. 250 f. 1*