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Jüdische Presse · 1937-12-10 · 43 (10.12.1937) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
23 (1937)
Issue
43 (10.12.1937)
Date
1937-12-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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gr;* *4 4 V־ m 45. Prämien der ...JHilisclieit Presse” per 10li Nähere Mitteilungen nji der nächsten Nummer . י//'ן W: iV‘i ׳, r B&eMeme eines Jude nsiuuies Von Dr. Isaac Breiter. Vorbemerkung: Die ohnedies' engbegrenzte menschliche Fähigkeit zur Voraussicht kommender Dinge wird meist ,dadurch noch weiter beeinträchtigt, daß sich dem wägenden Verstand wünschende Gefühle beigesellen und ihn in die Richtung der von ihnen ersehnten Entwickliing ablenken. Die Quelle vieler Irrtiimer ist nicht ein Fehler des Denkens, sondern , ein Fehler des Willens, der die Subjektivität wünschender Gefühle nicht abzuwehren w*dß. ׳■׳־ ■; ״'-.• . Die Thoratreuen sehen die Gefahren eines Judenstaats. Sie scheinen vielfach geneigt, mit ihm überhaupt nicht ernstlich zu rechnen. . Sie, könnten sich leicht verrechnen. Die MandatarmaCht bat ihren Entschluß deutlich genug erklärt. Der Völkerbund hat keinen grundsätzlichen Einspruch erhoben. Was sich inzwischen zugetragen hat, genügt, bei weitem nicht, eine Aenderung der ganzen Konstellation anzunchimcn, Auch das *Gegenteil wäre mit triftigsten Gründen zu;belegen. Zudem zeichnet sich die hohe Politik der Mandatarmacht ohnedies nicht durch Geradlinigkeit aus: eher durch i Zähigkeit im Festhalten eines einmal gefaßten Entschlusses. .. Je größer die Gefahren eines Judenstäates für die Thdrcrtreuen sind, um af> mehr verpflichtet sie die Gewissenhaftigkeit, sich auf ihn einzustellen, die Beziehung dessen, was1 da sein sollte, zu dein, was leider nur sein kann, sorg- ן faltig zu prüfen, hier nach Forderungen zu formulieren und für ihre Verwirklichung eine möglichst starke und umfassende Front ins Treffen zu führen. י Man hat nicht den Eindruck, daß all dies im erforderliehen Maße geschieht. Die folgenden Zeilen wollen warnen, ' aufklären und aufriitteln. Bereitsein ist alles. Das Neue. Der wesentliche Unterschied zwischen den Zeiten der Galut und den Zeiten des Moschiach ist die Freiheit vom Joch fremder Gewalten. Dieser *Satz ist uns allen geläufig. Unter seinem ■Ein- ״ fluß haben sich unsere Väter einen Judenstaat im Heiligen Lande nur im engsten Zusammenhang mit der Erlösung * vorzustellen vermocht. Sie durften sich darauf verlassen, daß der Erlöse!!• die Probleme des Judenstaates zu überwältigen verstehen werde. Wie nun aber, Wenn ein Judenstaat im Heiligen Lande, .. zwerghaft zwar, aber immerhin einer fremden Gewalt grundsätzlich, nicht untertänig, noch vor des Erlösers Erscheinen sich bildet? Wenn die Zwerghaftigkeit dieses , Judenstaates ihn deutlich genug als Galut-Judenstaat clm- ■• rakterisiei't, die Entfernung fremder Gewalten aber ihn , deutlich genug mit einem Hauch, doch wenigstens einem Hauch geweissagter Zukunft umfächelt? Hauch, der ver- '■'.wehen, Hauch doch •auch, der bestehen und wachsen kann? Der Galut-Judenstaat ist (las überraschend Neue, das , Aufregend-Unvorhergesehene unserer Tage. Er stellt Uns ivor eine geschichtliche Situation, für die wir eine Analogie v nicht'besitzen. Das Verfassungsrecht eines solchen Staates ,findet sich nirgends in unserer Literatur unmittelbar gebrauchsfähig ausgearbeitet. Nie wieder Grippe! Das sagt jeder, der sie einmal überstanclen hat, der ihre Leiden gefühlt, um Arbeitskraft und Gesundheit gebangt hat! Aber mit dem Sagen allein; ist 's nicht getan: Sie müssen auch etwas tun! Spülen Sie täglich Ihren Mund mit ein paar Tropfen Alpa-FranZ- , Branntwein, in Wasser gelöst, und massieren Sie Ihren Körper mit Alpa!, Dann kaün die Grippe Ihnen nichts an- * haben, clanH,’ sind 'Sie frisch, gestärkt, gesund! Darum empfiehlt auch der Arzt Alpa! Der unvergeßliche Chofez Chajim hatte die Sorge, es könnte der Erlöser keine Priester antreffen, des Opferwesens kundig. An den ־— Galut-Judenstaat dachte auch er .wohl nicht. Sonst hätte die Sorge ihn gequält, ob nicht am Ende der Galut-Judenstaat der Stäatsrechtslehrer der Thora efttbeh* ren möchte. '.■*•• ׳ II. ■ Ein erster Ausweg. Die Trägheit des Geistes und des Herzens ist leicht geneigt, angesichts des Neuen nicht nach einem Weg, sondern nach einem Answeg Umschau zu halten. Ein solcher Ausweg wäre es, wollte man sich jeder*Anstrengung abhold, gegenüber dem Galut-Judenstaat .mit der allgemeinen Forderurtg bCgnügfen, er müsse die Herrschaft der Thora anerkennen. •. Diese Forderung hat hinsichtlich religiöser Gemeinden einen genauen Inhalt: Erziehungs- und Bildungsstätten der Thora, Anstalten zur Betätigung des tagtäglichen Lebensdienstes der Thora und ״ihres sozialen Liebesdienstes, alles der obersten Leitung vön. Männern der Thora, anvertraut. Aber diese Forderung ist gegenüber dem, Galut-Juden- Staat dermaßen unbestimmt, daß cler formalen Weite ihres Umfanges die gähnende Leere ihres Inhalts genau entspricht. Sie ist nichts, als die — .Ueberschrift zu einer thoragemäßen Verfassung des GaluLjudenstaates, aber wahrlich nicht thoragemäße Verfassung selber. Wollen wir uns begnügen, den Kampf um eine — Ueberschrift zu führen? Ein solcher Kampf wäre nicht mit•' aussichtslos, sondern auch lächerlich. Nicht .um die Ueberschrift• der Verfassung des. Galut- Judenstaates müssen wir kämpfen, sondern um die Verfässung׳delber, um '.jeden einzelnen ihrer Paragraphen. Dazu bedarf es freilich, wollen wir nicht vom Anbeginn ins Hintertreffen; geraten, eines ausgearbeiteten Verfassungsentwurfes, vielleicht sogar verschiedener Entwürfe. Diese Entwürfe müssen nicht nur aus dem Gesetz und dem Geist der'Tltpra geboren sein,-sondern auch den modernen Anforderungen entsprechen, die an solche Werke in rechtstechnischer Hinsicht zu stellen sind. Und sie müssen auch — ausführbar sein. Sind unsere Thoragrößen bereits ander Arbeit? Haben sie sich bereits geeigneter und w'ohl auch notwendiger Helfer versichert? Auf zionistischer Seite ist man fieberhaft beschäftigt.. Wollen wir uns am Ende mit der bequemen Kritik zionir stischer Entwürfe begnügen? Und wie, wenn ein boshafter Zionist oder eine ,nichtsahnende Mandatarmacht uns nach unseren Entwürfen fragte? Soll die Antwort in einer — Ueberschrift bestehen? Nur allzuleicht könnte sich herausstellen, daß der Ausweg ein Abweg ist. . Bie *Bedeutung des Bat Jaumi TJ ■Nacli drei Richtungen hin kann der Mensch wirken: in die Hölle, in die Weite uncl in die Tiefe. י ■ ׳ Angedeutet ist diese verschiedene Art der Wirkensjnöglichkeit m. E. in jenem bekannten Wort der Gemoro in' Pesochim 88 a, das die, Wirkung unserer Stammväter unter diesen drei Gesichtspunkten andeutet: bei Awroliom steht Berg, bei Jizchok Feld und bei Jaakauw Haus! — Awrohom wirkte in die •Höhe, er führte eine Welt, die von G—tt nichts wissen wollte, zum Höchsten hin, — Jizchok wirkte in die Weite, auf seinen vielen Zügen durch das Land wurde er, wohin immer er kam, ein Künder (1er von seinem Vater ererbten Lehre, — Jaakauw wirkte in die Tiefe, er verankerte den Glauben an G—tt in ■den Herzen der Seinen; indem er die jüdische Familie schuf, die der treueste und festeste Bewahrer des höchsten Gutes, der reinen G—tteseitkenntnis wurde \1ttd allezeit blieb. Ganz großen Menschen, besonderen Lieblingen G—ttes, ist es beschieden, ip dieser dreifachen. Weise zu wir* ken: die Mitwelt zur Höhe zu treiben, einen großen Kreis dieser Höhe entgegeuzuführen und sö zu wirken, daß in den von ihnen Beeinflußten ihre Lehre und ihr Vorbild tiefe Spuren hinterläßt, , Unser großer Rabbi Meir Schapiro ״.לVT, der Lubliner Raw, er war solch ein äiiserwählter Liebling G—ttes. Er trieb uns in mächtiger Kraft vorwärts. t den höchsten Zielen und Idealen zu, er gewann das jüdische Volk im weitesten Maße für seine herrlichen und heiligen Ideen und er wußte seine Ideen in so grandioser Weise über* zeugend darzutun, daß sietiefste Wurzel schlugen in unserem Bewußtsein und in unserer Tat. Vieles dankt das jüdische Volk diesem gewaltigen Mann: der große Talmid Chochom, der Gründer der Lubliner Jeschiwo, führte uns zur •Höhe, der große Organisator schuf der polnischen Judenheit ihr organisatorisches Kleid und wirkte dadurch in die Weite und in die Breite, der herrliche Mensch war ein Vorbild der persönlichen Heiligung und konnte dadurch so ungeheuer tief im Her* zen des Volkes, von groß bis klein, von arm bis reich, Raum gewinnen und, ohne es vielleicht selbst zu wollen, zu einem der größten Mussarprediger unserer Zeit werden. In der Schöpfung des Daf Jaumi spiegelt sich seine Wirkensart nach allen drei Richtungen wider. ־ Zur Höhe: durch diese geniale Einrichtung des Daf Jaumi Schiur hat das Thoralernen, nicht nur quantitativ, einen neuen Höhepunkt. erreicht. Wie schnell auch, hier und dort, der tägliche Schiur gelernt werden mag, wie oberflächlich auch manchesmal ein Tausfaiis gedeutet werden mag — wir wollen in unserem begeisterten Bekenntnis zu dieser Einrichtung die Möglichkeit solcher Mängel gar , nicht bestreiten — aber dennoch, welche ungeheure Welle neuen Lerneifers, welchen ungeheuren Antrieb zu neuem Forschen, welche ungeheure Anregung zu neuer Vertie* fung hat uns. der Daf Jaumi gebracht. Zur Weite: jeder von uns weiß, wieviel neue Zirkel geschaffen, neue Schiiirim eingerichtet, ja, ganz neue Vereinigungen gegründet wurden, um sich einzuschalten in diese große Gründung des Lublinei.• Raw! Jeder von uns weiß, daß nicht nur in den < Ländern des klassischen Thoralernens . der Daf Jaumischiur ,als ein Plus den bisherigen Schiurim hinzugefügt wurde, auch in thoraarmen Ländern raffte sich •der letzte Rest der Treuen auf, um sich einzuschalten in diesen großen Weltschiur, in diese Schasschewroh allergrößten Stiles! Zur Tiefe: der urgesunde Sinn des jüdischen Volkes . hat empfunden, was Rabbi Meir Schapiro uns mit •dieser Gabe gereicht hat: (las innigste Band, das um alle Ki-eise des jüdischen Volkes geschlungen werden konnte, - ein Band, das den Süden Afrikas mit dem Norden Europas A'erbindet, ein Band, das nicht nur die Geister verbindet, sondern auch, und Aror allem, die Hetzen! , Wer viel herumreist in der Welt, der weiß, was es bedeutet, sich mit Chawerim an einen Tisch zu setzen, die von dem gleichen Injan erfüllt, von der gleichen Kaschjo gepackt,, über den gleichen Tiruz entzückt sind, mit Chawerim, von denen man gestern noch über Länder hinaus getrennt war. An unser Gemeinschaftsbewußtsein, da wo es am tiefsten blüht, in seiner Thoragemeinsamkeit, hat Rabbi Meir Schapiro appelliert — und (laß der Appell Widerhall fand, das zeigt die Tatsache, daß der Daf Jaumischiur buchstäblich in der ganzen Welt gelernt wird. Und der 28. Siwan 5698 wird es in noch erhöhtem Maße zeigen! Wenn wir dann in Lublin, beim zweiten Sijum des Daf Jaumi, •das große Fest der Thora feiern, dann wird die Welt sehen, und wir selber werden es dann erst zur Gänze erkennen, daß die einigende und bindende '"•י! j י Bee ״Tschevkesse“ (Nach der Erzählung eineä alten Chassid.) Von J. K r eppel. . , Es war dies eine furchtbare Zeit, die wir damals, im letzten Jahre vor der Petira des alten iRabbi s. Z. 1. er- ,lebten; eine Zeit, deren Erinnerung uns noch heute erschauern mächt, die aber nach wenigen Wochen von einer großen Freude abgelöst worden ,ist. ׳Alljährlich, wenn der Sommer zu Ende ging und das Schofar-Bliisen im Elul-Monat das Herannuhcn des neuen;:•/Jahres'.-'.ankündigte,' pflegte der •Rabbi stets guter Laune Und froher Stimmung zu sein. »Das alte Jahr mit seinen Flijchen geht zu Ende — das neue mit seinen Segnungen - beginnt!« Ein Schlußpunkt wird hinter einem Abschnitt des Lebens sowohl des Einzelnen wie der Gesamtheit ge- Setzt — alles Böse geht vorüber und das neue Jahr wird bessere Tage bringen ... Diesmal aber war es anders als je. Schon beim Morgengebet des Roseli-Chaudescli Elul spürten wir die ersten Anzeichen der Veränderung, die beim heiligen Zaddik Platz greift. Die ersten Abschnitte des Halle!, die der Rabbi immer mit lebhafter Freude vorzutragen pflegte, klangen diesmal etwas. gedämpft; beim »Min Ilamezer« aber war . 'deutlich•'.ein schwerer, seufzender Ton zu vernehmen... Auch die Rosch-Chaudesch-Seüda, die immer eine Festmahlzeit wTar, verlief diesmal ganz anders. Der Rabbi saß . nachdenklich lind eine Trauer überschattete seihe sonst bei solchen Gelegenheiten vor Freude louchtenden Augen. Er sagte wohl, wie immer, »Thora«, aber in abgehackten Sätzen, ohne richtigen Zusammenhang, wesentlich kürzer als sonst, und immer wieder entrang sich ein; schwerer Seufzer seiner Brust. . Und so ging es den ganzen Monat Elul hindurch. Je näher Rosch-Haschanah heranrückte, desto trauriger war der Zaddik; immer nervöser und unruhiger. Stundenlang' schloß er sich in seiner Lernstube ein. Empfing er seine Anhänger, die gerade ,im Elul von .*;weit her zu kommen pflegten, um vor dem neuen Jahr sich vorn *Rabbi segnen zu*lassen, so hörte er ihre Darlegungen wie mit halbem Ohre an, seine Antworten waren kurz und unsicher. Wir alle, die alten Jauschwinv und Mekuruwim, die wir ja das Tun und Lassen des Rabbi seit Jahren zu he* obachtcn Gelegenheit hatten, - standen vor einem Rätsel und. konnten sich all das gar nicht erklären. Aber keiner wagte es, den Rabbi ob der Gründe dieser Veränderung in seinem Wesen zu betragen, Wir warteten eine passende Gelegenheit ab — aber sie ergab sich nicht. '(•> 'Unser Staunen artete aber in Fassungslosigkeit aus, 41s־ der erste Slichoth-Tag kam, Die ersten Slichoth pflegte inan im Beth-Uamidrasch des Rabbi schon um 3 Uhr nachts zu sagen. Als wir nach einer in etwas gedrückte!־ Stimmung, abgehaltenen Melawe-Malka ins Beth- Hamid rasch uns begeben wollten, stand beim Eingang• ein bis an die Zähne bewaffneter,‘ baumhoher. Tscherkesse mit feurigem. Blick und hartem, Gesichtsausdruck da. In der Hand hielt ei eine Petroleumlater.ne, mit der er jedem Eintretenden ins Gesicht leuchtete, ihn scharf musternd mit einem Blick, der bis ins Innerste des Menschen drang und ihn gewissermaßen auf Herz und Niere .prüfte. Der Rabbi sagie die Slichoth in einem außergewöhnlichem Jammertone, begleitet von herzzerreißenden Seufzern und Aechzern... Die Stimmung war kaum zu ertragen... ־ Und so ging׳ es alle Tage, bis •Roscli-Haschanah. Am ersten Rosch-Haschanah-Täge übte der Tscherkesse seine Kontrolle mit noch böserem!Blick und größerer Härte aus. Jeder, der die Schwelle des Beth-IIamidrasch übertreten wollte, erlebte tausend Qualen, bis er die priifenden Blicke des Tscherkessen hinter sich hatte. Gar manche Ueberängstliche wagten sich nicht mehr aus dem Beth-Hamidrasch heraus, um diese peinliche Prozedur nicht nochmals erleben zu müssen. Vor Tekias-Schaufor ging der Rabbi zur Mikwah nicht nur iu Begleitung seiner Hauptgaboim, sondern nahm auch ein volles Minjan aus dem •Kreise der alten Jauschwim und Mekuruwim mit. Die Tefiloth vor Tekias- Sehaufor sagte er unter Weinen und Aechzen. •Die Verse »Min Hamezer« wurden in /einem Tone vorgetragen, der selbst Steine rühren konnte. Wir alle standen unter dem Eindruck einer Angst, die uns mit kaltem Schweiß bedeckte und unsere Füße schlotternd machte. Endlich sagte der Rabbi die Berochoth vor den Tekios und setzt den Sehaufor an den Mund... Da begann plötzlich auf der Straße eine vorübermarschierende Musikbande einen Heidenlärm mit Pauken und Trompeten aufzuführen, der alle Tekioth übertönen mußte. Der Rabbi stand still und wartete das Ende des Lärmes ab. Als dieser verstummte und der »Makri« mit dem »Tekioh« begann, ertönte ein neuer furchtbarer Lärm. Diesmal war es eiu Rudel großer Hunde, die mit ihrem *Gebell die Tekioth unmöglich machte. Kaum waren die Hunde verschwunden, als eine Karawane sclnverbeladener Lastwagen vor überfuhr und mit ihrem Lärm geradezu die Wände des Beth-Hamidrasch erbeben ließ, Immer wieder setzte der Rabbi den Sehaufor an eleu Mund und immer wieder mußte er haltmachen,., Da ertönte plötzlich ein scharfer Schuß, der von* einem furchtbaren Hundegebell erwidert .wurde. Der Rabbi erbleichte und erzitterte — wir aber konnten uns nicht mehr halten und eilten hinaus, Vor dem Eingang ins Beth-Hamidrasch lag der Kadaver eines erschossenen großen •schwarzen Hundes -L der Tscherkesse aber war verschwunden. Noch bevor wir uns von der Ueberrascliung erholen konnten, ertönten bereits von drinnen her die hellen Töne der Tekioth; sie klangen diesmal noch reiner und klarer wie immer, es war gewissermaßen ein Triumph, ein Siegesjubel aus ihnen herauszuhören. Das Mussaf-Gebet verrichtete der iRabbi mit lebhaftefen, fröhlicheren Nigunim, als gewöhnlich. Den letzten Kaddisch trug er in einem Marsch-Nigun vor, derart leb- Haft und begeisternd, daß wir vor ■Hislahawuth nicht umhin konnten, einen Reigentanz wie am Simchath-Thora aufzuführen. •Mit einem fröhlichen Nigun begleiteten wir den Rabbi ן nach Hause. In gleicher Stimmung־ gingen wir nachher unter seiner Führung־ zu Taschlich... Die Augen des heiligen Zaddik ,leuchteten vor Freude, sein Gang war tänzelnd. Sein ganzes •Wesen strahlte Jubel und Triumph aus. ' Wir konnten uns diese plötzliche Wandlung־ kaum erklären und warteten mit höchster Spannung den »Tisch« nach dem Maariw-Gebet ab, in der Hoffnung, nun aus den! Munde des •Rabbi Aufklärung־ über all diese merkwürdigen Vorgänge zu erhalten. Und unsere Erwartung Wurde nicht getäuscht. Der »Tisch« verlief wie am Purim. Fröhlich saß der Rabbi an der Spitze seiner Chassidim und alle Semirodi mußten fröhliche Nigunim zur Unterlage haben. Die »Thora« des Rabbi klang ebenfalls in .frohen Worten aus, •und erst nach dieser erhielten wir die erwartete Aufklürung: Sainael, der böse Satau, hatte es sich diesmal in den Kopf gesetzt, den heiligen Zaddik bei Tekiath-Schaufor zu stören. Alljährlich, wenn er gerade am wirksamsten dabei war, vor dem Beth-Din schel-Maala seine Anklagen gegen das jüdische Volk vorzubringen, ertönten die Tekioth des Rabbi und verwirrten ihn so sehr, daß er nichts ausrichten konnte. Diesmal* soll es anders sein: die Tekioth des heiligen Zaddik durften nicht zum Himmel steigen und dann wird es Samael glückpn, über das jüdisehe Volk Unheil zu bringen... All das war dem Rabbi •bekannt gegeben worden und er stand vor einem Ringen, das vielleicht seine Kraft übersteigen würde. Werde er unterliegen, dann könnte etwas Furchtbares geschehen. Aber der G-—tt unserer Väte1* verließ sein Volk nicht. Der Kampf wurde siegreich überstanden. Samael wurde von Michael überwunden... —י Und wei• war der Tscherkesse? — entschlüpfte es dem Munde eines alten Jauschew, der selbst ob seiner Kühnheit erschrak und erbleichte, ׳ Der alte Rabbi blickte ihn aber mit einem mitleidigen Lächeln an und sngje: ein N&rr fragt mehr, als zehn Kluge beantworten dürfen, ־

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