Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 23 (1937)
- Issue
- 43 (10.12.1937)
- Date
- 1937-12-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2629891-2630682-2630723--5624-2637998- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ntrtiftötg vyplaütö jravüleiiS fiadit froSt * telegrafov v Üratislave $fs, r ־\vkv*־ v. b.h. PR6S9G 1® ■■■■■■. ■ ■ ‘V.-4 ■:■׳. J5.<ä*| Zeiinnitea *an Vafc*» mäüte f Jotsfaal (.*p&ttep« NffMt WIEN-BRATISLAVA ־< . 10. DEZ. IQ37W: טבת תרחץ v: ״ 23. Jahrgang / Nummer 43 Redaktion ttitd Administration: Wien, II.» Malzgasse i2a> Telephon-Nr. A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava, - Reptiblikplatz Nr. 37, Postfach 381 / Erscheint jeden , Freitag / Redaktionsschlufi: Mittwoch Mittag Abonnement preise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kc 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ansland Schw, Fr. 14. Einzelnnmmer öst. Gr. 40. ' Zahlungen für »jüdische Presse«, Wien, auf folgende Post■״ Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr; 195.316, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, Berlin Nr. 122.619; für »Jüdische ■ Presse«, Bratislava: Prag Nr. 53.386, 0RGnn für Die imeRessen Des 0RTH0D0Hen juDervrums Die politische, soziale lind•■ wirtschaftliche Lage‘der Juden in den meisten Ländern, in denen sie in größeren Massen leben, ist in den letzten Jahren derart traurig, wie seit langem nicht mehr. Die Gründe für diesen Stand der Dinge sind bekannt und es ist überflüssig, diese nochmals aufzuzählen. Diese Entwicklung ist übrigens für das , jüdische Volk nicht neu; seit seiner Entstellung als Volk ist׳es immer wieder Verfolgungen, Drang- Saliernfigen ausgesetzt. Aber G—tt verläßt sein "Volk nie und immer wieder, in jeder Periode der Gefahr, entstanden ihm Helfer in der Not, Hilfe in der Stunde der Gefahr. Warum bleibt jetzt diese Hilfe aus? Wir haben der neuen Hanums mehr als genug — aber wo ist der zeitgenössische Morclechai? Wir, werden an unserer Existenz, au unserem Leben bedroht — aber wo sind die heiltigen Makkabäer? Hier stimmt etwas nicht... Und doch ist die Antwort auf diese Frage nicht unschwer zu finden; Ja, wir haben neuzeitige Hamans— aber eben keine Mordechais? Immer, wenn das jüdische Volk bedroht war, kehrte es zu seinem G—־tte zurück; wenn es von Finsternis umgeben war, fand es im Lichte der Thora Trost und Stütze. Heute ist dies ausgeblieben. Die Auswirkungen der Nazihetze haben eine ״ Stärkung des sogenannten nationalen Empfindens bei breiten jüdischen Schichten ausgelöst; selbst Kreise, die bislang dem Zionismus kühl oder gar ablehnend gegeniiJberstanden, neigen jetzt immer mehr dieser Richtung zu, die ihnen die Rückkehr ins Land der Väter als einzigen Ausweg verspricht. Aber eine Stärkung des religiösen Lebens ist kaum im nötigen Ausmaße wahrzunehmen. Die breiten jüdischen Massen finden den Weg zu G—tt und seiner Lehre nicht zurück, und deswegen bleibt auch die Wiederkehr der g—ttlichen Gnade zu ihnen aus. »Schuwu elaj weuschiwn alejchem!« Kehret zu mir zurück und ich werde zu euch zurticlckehren! Diese Voraussetzung der g—ttlichen Hilfe für das jüdische Volk ist bisher nicht im nötigen Ausmaße, geschaffen worden und deswegen läßt diese äüf 'sich warten. Warum aber diese traurige Erscheinung? Lau aimon jisroel! Das Volle jisroel ist auch heute nicht verwaist. Es gibt auch heute Gedaule Hathora und Zaddike Hador, die berufen wären, hier .Wandel zu schaffen — aber sie sind nicht aktiv genug; Und wenn sie sich einmal zur großen lat aufraffen, finden sie keine entsprechende Mithilfe und bleiben inmitten des Weges stecken. Vielfach mögen hierzu clie tristen politischen 11. Wirtschaft־ liehen Zustände beitragen, die alle in Betracht kommenden Kräfte allzusehr mit Kleinarbeit belasten und ihre Energie absorbieren. Aber gerade, weil die Gründe dieser Erscheinung so klar zutage liegen; müßte Abhilfe gesucht und gefunden werden. Man kann heute nicht mehr mit so pri־ mitiven Mitteln arbeiten, wie in früheren Generationen. Moderne Organisations- und Propagandaformen sind notwendig, um das Ziel erreieben zu können— und gerade nach dieser Riehtung hapert es— allerdings nicht zura geringsten Teile infolge der Nichtaktivität der führenden Kreise oder ihres engen Horizonts, die nur das sehen und nur dafür Interesse haben, was ihren Wirkungskreis unmittelbar angeht. ■ , Und doch ist diese Anschauung falsch, ho wichtig es für jede orthodoxe Gemeinde, für jede orthodoxe Landesorganisation, für jede religiöse Körperschaft ist, ihre eigenen direkten Agenden zu betreuen und in Ordnung zu führen, so wichtig müßten für sie auch die Interessen und Postulate der Klall-Orthodoxie überall und in allen Laudern erscheinen. Was für *Keren Hathora, Beth- Jakob-Scliulen, Jeschiwath|Chachme Lublin usw. 'geschieht, stärkt das allgemeine religiöse Leben, den religiösen Geist, die Jiidischkeit als solches! Es genügt daher nicht die Arbeit im eigenen Wirkungskreis, sondern man muß auch den großen Zielen und Aktionen die entsprechende Würdigung zuteil werden lassen. Hierzu sind aber Initiative,׳ Arbeit und — Geldmittel nötig. Daran mangelt es aber in der Hauptsache. Die Dritte Kenessio Gedaulo hat der Idee der Agudas Jisroel einen gewaltigen Antrieb verschafft — aber kaum sind einige Wochen vorüber, da ist alles still geworden. Man hat die giinstige Stimmung nicht ausgeniitzt, die sich bietende Chance nicht auf gegriffen. Leider nicht nur aus Mangel an finanziellen Mitteln, sondern auch viel- ,Fach aus Mangel an Energie, Einsicht und Interesse. Die Leitungen der ••:orthodoxen .Gemei nden, Körperschaften, Organisationen, Landeskanzleien, Verbände usw. in den verschiedenen Ländern sind »Kanzleien« geworden, die mit bürokratischer Korrektheit die laufenden Agenden recht und schlecht erledigen, aber für«, die großzügigen Ges ich ts punkte kein richtiges Verständnis aufbrin- Sen. Sie sind auf dem Gebiete der Thora und lemilath-Chassadim in rühmenswerter Weise tätig, übersehen .aber, daß auch die »Awaudö«, die allgemeine Arbeit für die Gesamtinteressen des religiösen Judentums, nicht minder wichtig und bedeutungsvoll ist. Das zeigt sich besonders hinsichtlich der Läge der orthodoxen Presse. In unserer Zeit bedeutet eine Presse das wichtigste Instrument zur Stärkung einer Idee, zur Verfechtung eines Programmes und zur Verfolgung eines bestimmten Zieles, Alle Gruppen, Strömungen und Richtungen haben dies längst erkannt — nur im orthodoxen Lager fehlt das richtige Verständnis hiefiir; da stößt man zuweilen auf anachronistische, museal-archivarisclie Anschauungen, über die man nur sehr schwer ohne Bitterkeit sprechen könne. Breite orthodoxe Massen geraten immer mehr unter den Einfluß ^iner a-religiösen Presse, die ihre Ausehauungen immer stärker beeindruckt. Hier könnte nur eine Ausgestaltung der orthodoxen Presse in Qualität und Quantität Abhilfe schaffen — aber wenn man an die maßgebenden Faktoren mit derartigen Vorschlägen herantritt, findet man Wenig Verständnis und zuweilen sogar Begründüngen für Ablehnungen, die geradezu kindischlächerlich sind. Gewisse Faktoren erklären, sie hätten hinsichtlich der ihnen unterstehenden Körperschaften gar kein Interfesse für eine publizistische Bearbeitung, da sie alles ain besten am grünen Tisch erledigen.־ Andere wieder meinen, sie könnten ein orthodoxes Blatt nur dann braueben, wenn es i 11 rem spezifischen Wirkungskreis den breitesten Räum widmet. Alle diese Kreise übersehen, daß auf diese Weise das religiöse Leheil iin allgemeinen erstarrt, auch dann, wenn es in gewissen engen Kreisen aufrcc'hterhälten wird. Klall geht vor PTat— ist ein alter jüdischer Grundsatz. Wer zur Leitung einer orthodoxen , Körperschaft berufen 13t, darf die Sache der Or- . thodoxie im allgemeinen von einem , breiteren Gesichtspunkte aus betrachten und bewerten•, jede Feuerwehr muß über entsprechende Lösch* apparate verfügen, auch dann, wenn es eine bingere Zeit nicht brennt; jeder Staat muß eine Armee besitzen und für entsprechende Ausrüstung sorgen, auch dann, wenn er keinen Krieg führt; Bereit sein ist oberster Grundsatz aller Aktionen —• ohne zeitgeüiäß ausgestattete Presse von einigern Niveau wird die Orthodoxie in Stunden, da sie zuv Verteidigung und Verfechtung ihrer Grundsätze gezwungen sein würde, ihrer Aufgabe nicht gewachsen sein. Eine Organisation oder, Körpersöhaft, die heutzutage kein zcitgemäßaus- gestaltetes und geleitetes Organ besitzt, ist zur, Bedeutungslosigkeit nach innen und außen verurteilt, und ihre Führer, die hiefiir kein Verstände ms auf bringen, zeigen,• daß sie die Zeichen der Zeit nicht verstellen. Dieses Problem kann und darf nicht von lokalen, sondern von breiteren Gesiclitspunkten betrachtet werden. .. . > Gerade in unserer traurigen Periode ist eine Offensive der Orthodoxie notwendig und dringend geboten. Nicht gerade im Wegp eines Kamp- ׳ fe.s gegen andere Richtungen — die schwere Zeit < bedingt ja eine Art AVaffenstillstand im jüdischen Lager — sondern hinsichtlich der Ralliierung der eigenen Reihen, der Stärkung des religiösen Gei- ׳ stes, den Ausbau der religiösen Körperschaften und Institutionen. AVas nach dieser Richtung in Wien geschieht, hat Bedeutung auch fiir Braiislava und Budapest; was in Polen vor Sich geht, v muß von New York aus gefördert werden. AVas im Heiligen Lande geschieht und geschehen soll, ist Sache der Gesamtorthödoxie, Alle diese Dinge müssen von einem breiteren Gesichtspunkte aus betrachtet und behandelt werden. Eine Offensive der Orthodoxie tut not — dann wird auch dem Klall-Jisroel geholfen werden. *L 1f: Professor Dr. Max Eisler ״ה)? Unmittelbar vor Redaktionsschluß kommt uns die erschlitternde Hiobsbotschaft vom plötzlichen Ableben des Universitätsprofessors Dr. Max Eisler zu, der in der Nacht vom 7, zum 8. Dezember um 3 Uhr einem Herzschlag erlag, nachdem er noch wenige Stunden vorher an einer Sitzung der »Bne-Brith« teiluahm und dort eine Forderung der Lubliner Jeshiwo erwirkte. Mit Dr. Max Eisler verlieren wir wieder eine Persönlichkeit, die kaum ersetzbar ist. Die Erschütterung ob dieses Todesfalles ist um so größer, als dieser Mahn in /;len besten Jahren, kaum 56 Jahre alt, seinem breiten Wirkungskreise entrissen wurde. Der Verstorbene, aus Boskowitz stammend, war eine Persönlichkeit großen Formats, Als Professor der Kunstgeschichte an der Wiener Universität erfreute־ er sich in Fachkreisen großer Autorität und in den Kreisen seiner Hörer großer Beliebtheit, der auch die Zeiströjnungen keinen Abbruch taten, Seine wissenschaftlichen Arbeite« über Reinbrandt, die Kunstgeschichte Wiens usw. fandeü viel Beachtung und Würdigung. Er spielte eine. führende; Rolle im Wiener Kunstlebcn und arbeitete überall dort mit» wo etwas zu leisten war.; / ׳ Ein besonderes Kapitel gebührt dem Wirken des Veri storbenen im jüdischen Leben. Von streng religiöser Welt- ׳ anschauuug* und Lebensführung, fehlte D1*. Eisler hei keiner Aktion. Es gibt wohl kaum eine jüdische Körperschaft und Institution in Wien, der er nicht führend angehörte. Adas Jisroel, Talmud Thora, Jüdisches Museum, Waisenhaus Buden usw, Er leitete jahrelang die wirtschaftliche Hilf*- Aktion des Agudas Jisroel, stand der Aktion »Rußlandhilfe« vor, wirkte überall mit Rat und Tat mit, zeigte für alles‘ Gute Interesse, Verständnis, Zeit und Muße, folgte jedem Ruf und trat .oft selbst als Rufer und Initiator auf, Sein Ableben bedeutet einen unersetzlichen Verlust für das Gesamt Judentum. ,הנצב״ד;11 / '1 Die Othmar-Schiff-PerUcke - preiswerte Quallltilsarbeit Perücken- GroBerzeusunä Othmar Wien I. Kärntnerring 6 Tel. U-43-0-16