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Jüdische Presse · 1937-12-03 · 42 (3.12.1937) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
23 (1937)
Issue
42 (3.12.1937)
Date
1937-12-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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־» ״סזי־ '» < ׳־£ י■ י• k?"-«!;י. d:,u•! -n'tW«.»? •);1Wv׳ »aftbnyflie jucfisdie Macht«,, dirt daä'Ziel veffalgf,־, dibüWelt 21t beherrschen... Dr. Seipel, der trotz seiner streng klerikalen Einstellung ein vorurteilsloser Mann waK meinte hierbei, Man1 dürfe sich nicht wundern, wenn diese Be* > hauptiing iinmer wieder auftauche. Ein Volk, wie das jüdisehdj das!!unter und überall terfölgt wird, müßte eigent׳- lieh schon langst eine, vor aller ÖeffentHchkeit sich be^ tätigende Einheits-Abwehrfront hfildett. iNifn gibt es wohl in den meisten Ländern Organisationen, die gegen den Antisemitismus kämpfen; aber sie sind isoliert und treten nur gelegentlich einheitlich auf. Das Fehlen einer solchen offenen Einheitsfront läßt nun die Vermutung aufkominert, es gäbe wohl ein derartiges Instrument, das aber anonym sich betätigt — und deswegen der Glaube an eine jüdische Weltmacht, Als sich bald darauf die ersten Anzeichen .einer nahenden ■.Naziherrschaft in Deutschland zeigten, habe ich in einem jüdischen Blatte die Schaffung einer solchen Einheitsabwehrfront angeregt, der alle in den verschiedenen Landern wirkenden Abwehrorganisationen, wie Alliance in , Baris, Centralverein in Deutschland, Joint Foreign Committee in London, American Jewish Committee und Arnerican Jewish Congress in USA., Union österr. Juden, Union rumänischer Juden nsw, mit einem Sekretariat in Genf, angeboren sollten. Ich entwarf hierbei in kurzen Strichen ein Tatigkeitsprogramm, unter Hinweis darauf, daß man leider damit rechnen müßte, in absehbarer Zeit vor die Aufgabe gestellt zu sein, wieder einmal die bürgerlichen Rechte der Juden in verschiedenen Ländern verteidigen Zu müssen. , ־ •Meine Anregung fand teilweise Widerspruch., Die Optimisten bezichtigten mich der Scliwarzseherei und meinten, es werde nicht so arg sein — die Zeiten der Entrech tu ng der Juden wäre endgültig vorüber. In zionistischen Kreisen wollte man in der Anregung einen Vorstoß gegen die jüdischnationale Ideologie erblicken, der die biirgerliehe Gleichberechtigung nicht genüge, die vielmehr für die Juden in den Diasporajändern nationale Rechte.fordere und die übrigens dahin eingestellt sei. eine Losung der Judenfrage sei nur in Palästina möglich. In den Kreisen der in Betracht kommenden Organisationen fand aber meine Anregung lebhaften Anklang und ich wurde wiederholt darüber interpelliert, wie weit die Vorarbeiten fortgeschritten wären. Leider aber blieb cs bei der theoretischen Zustimmung. Jede Organisation wollte der anderen den Vorrang •lassen und so kam die Aktion nicht in .Fluß. Mein Vorschlag, zunächst in Genf ein Sekretariat zu schaffen, das die Organisationsarbeiten zu leiten hätte, erlebte ein gleiches Schicksal: lebhafte Zustimmung — aber keine Mittel :zur Verfügung. So kam die Sache nicht vorwärts und die Aktion geriet völlig ins Stocken. Die seitherige Entwicklung ist bekannt. Meine damalige »Schwarzseherei« ist durch die Ereignisse noch weit übertroffen worden. Heute geht der Kampf nicht mehr um die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden, sondern auch um die primitivsten Menschenrechte. Der. Kampf des •Nazismus gegen Juden und Judentum blieb an den Gren- *zen׳ .'.des Dritten, Reiches nicht stehen, sondern wird mit! einem Aufwand großer Mittel nach allen Seiten vorgetrieben und findet überall Anklang, selbst in Ländern, die Man gegen die Seuche des Judenhasses immunisiert glaubte. Die Entwicklung der Dinge in Palästina erfuhr gleichzeitig einen Rückschlag und man muß bekennen, daß es nicht an gehe, alles auf diese eine Karte zu setzen. Die ׳anormale Lage erfordert außerordentliche Ab'Wehrmittel und die Abwehr muß einheitlich, konzentriert, nach einem klaren Plan vor aller Oeffentlichkeit geführt werden. Ob angesichts der heutigen;HVerhältnisse noch etwas zu erreichen sein wird — das‘ wird die*" ׳ יErfahrung lehren. Allenfalls: Probieren geht über Studieren;' Der Versuch muß unternommen werden, darf sich aber nicht' ■auf ’USA.!beschränken — das weitere wird die Entwicklung zeigen; , Als Mittel gegen rheumatische Schmerzen ist Alpa- Franzbranntwein von ganz besonderer schraerzberuhigender.,•lind.׳angenehmer Wirkung־!; Der Arzt wird Ihnen sicherlich gern bestätigen, daß regelmäßige und gründliche Massagen mit Alpa-Franzbranntwein den Blutkreislauf be- ,schleunigen und regeln, die Muskeln stärken, die Nerven beruhigen und den Schmerz lindern. Alpa. ,wird!nur ״in Qriginalf laschen mit der blauen Etikette und Plombe verkauft. Eirt« Vofäüss0t2iatt| fiif ־;das Öelmgen sei die Ättsschaüfurtf alte*.. Apelernnde^nfzufifin י übe#■, fttrtetjüdisclie* welMösehittliehe Fragen. Der jüdische Weltkongreß müßte versageä^ weil er eben mit diesen Auseinandersetzungen belastet blieb. Es mttß' eine reine ÄbWehraktion sein, ahne Farteimaske und o|tne|Parteistemti€L Nur dann wäre trotz der Ungunst der Verhältnisse ein positiver Effekt zu er- •hoffen. ־■ ״׳ •!i :■•v.■׳• KOSTENLOS ERH^rLICH VÖN DER׳ NÄHRMITTELFABRIK DSA,OETKER,BRÖNN* Das P,frtäsüM-Üt6Mm Trotz der strengen Maßnahmen der englischen Regie- Tiing, trotz der Vollstreckung des Todesurteils׳ an Scheich Farhan, haben die Terrorakte nicht aufgehört und in clen letzten Tagen sind neuerdings Menschenopfer zu beklagen. Wenn die Naziblätter *so entrüstet darüber tan, daß ein älter Mann dem* Galgen überliefert wurde, so verschweigen sie, daß es sich um einen Bandenführer handelt, der viele Menschenleben auf dem Gewissen, hat. Man darf nur erwarten, daß die strengen Maßnahmen abschreckend wirken und dem Terror ein Ende bereiten werden. Erst dann wird es möglich sein, der Losung des Palästina-Problems näherzutreten. .! Scheich Farhan es Säadi hingerichtet. Scheich Farhan es Saacli, der vom Militärgericht in Hpifa zum Tode verurteilt;worden war, ist am Samstüg, 27. November, vormittags1 *itn?!'Zentralgefängnis von Akko durch den Strang hingerich'tCk Worden. Damit wurde das erste Todesurteil unter der neuen Militärgerichtsbarkeit in Palästina׳ vollzogen; .Nachträglich .,wird, mitgeteilt, daß das Gnadengesuch Scheich Saadis von• dem Oberkommandiei,enden der britischen Truppen in Palästina, Generalmajor Wavell, abgeXelji|t•.. wurde, nachdem sich lierausgestellt hat, daß der Scheich .sein Alter unrichtig־ zuerst mit 80, dann , mit 75 Jahren , angegeben hatte, in Wirklichkeit mb^erstihO^JaJil^-abh^^i! Ein Lastauto der »Nesl1er<<-Zementfabrik bei Haifa beschossen. — Drei jüdische Arbeiter erheblich verwundet. Ein Lastauto der Zementfabrik »Nesher«, auf welchem sich drei jüdische Arbeiter befanden, ist an der Peripherie von Haifa von arabischen Terroristen aus Maschinenpi.sto.len beschossen worden. Die drei Arbeiter Walter Mendelsolin, Jonali Micliailowitsch und der 28 jährige Noah Käufer wurden erheblich verletzt. Den Tätern gelang es, unerkannt zu entkommen. Arabische Schüler demonstrieren in Hebron. ׳ . Die Schüler der arabischen Regierungsschule in Hebron veranstalteten ׳einen'. Demonstrationszug• "durch die Stadt. Die Demonstranten nalimeü eine drohende Haltung gegen die Polizei ein und bewarfen sie mit Steinen, worauf der Ewg aufgelöst wurde. Einer der Schüler wurde verhaftet, später aber wieder freigfelassen. tm Zusammenhang mit der Demonstration haben die Behörden angeöfdnef» daß der DirjektöF der Schüfe nntl mehrere •andere Araber * sieh täglich dreimäf bei der Polizei zü ffieftfen haben. Die Hafenpölizei Vö« Jäffa ha't״&) Araber verhaftet, die ohne Erlaubnis im Hafen arbeiteten. Es handelt sich in der.Mehrzahl um illegale Einwanderer ans Transjordanien. Sie iverden deportiert Werden. Lage der Juden im Vemen bedroht. Laut Meldungen aus dem Vemen wird dort eine gefäh fliehe Hetzkampagne gegen. die ־ jüdische Bevölkerung geführt. Die Agitatoren verbreitert «v al das Gerücht, daß der Distriktskommissar von; Galiläa, Löuis Andrews* von Juden ermordet worden sei; die dadurch die Unruhe im Lande erhöhen und die Gegensätze zwischen Engländern und Arabern verschärfen wollten. Der jüdischen Bevölkerung des Vemen hat sich Panik bemächtigt. Weiter wird gemeldet, daß der tmatti des Yemett Yahiya den Mufti von Jerusalem nach dem Vemen eingeläden habe.'Der Thronfolger des Yemert, Achttled Seib Al Islam, hat einett Aufruf zugunsten der palästinensischen Araber veröffentlicht und eine Geldsammlung für-sie proklamiert. »El Jaifteä al Islamia* berichtet, daß Emir Abdullah von Trartsjordanien an die Palästinaregierung den Appell gerichtet hat, die int Akkoer Konzentrationslager interliierten Araber in Anbetracht dessen, daß sich das Verluilten der arabischen Bevölkerung־ gebessert habe, auf freien Fuß zu setzen. Weitere arabische Terrorakte. ä \ -■ ■׳ Au f י den Feldern des Kibuz »Hasörea« im Emek kam es zu einem Zusammenstoß zwischen den Mitgliedern des Kibuz und einer Gruppe von Arabern aus dem Dorfe Saacli bei Haifa, die versuchten, die Chaluzint von dem Boclcn zu vertreiben. Zwei Mitglieder des Kibuz und zwei Araber wurden durch Steinwürfe und Stockschläge verletzt. Als Hilfspolizisten eine Salve in die Luft äbgabeii, flüchteten die Araber. Im Mea Shearim-Viertel von Jerusalem würde ein Araber ■mit einer Flinte in der Hand verhaftet. Er wurde dem Militärgericht übergeben. in Nablus (dem biblischen Sichern) verhaftete die Polizei vier Araber aus Syrien, die illegal nach Palästina gekommen waren. Im Zusammenhang mit dev Verhaftung der Araber, in deren Besitz Waffen gefunden wurden, verbreitete sich das Gerücht, daß es sich um Angehörige cler syrischen Bande handle, die vor kurzem bewaffnet nach Palästina eingedrungen ist. Zur Verhinderung־ des Waffen- Schmuggels von Syrien nach Palästina sowie von Libanon nach Palästina hat .der High Commissioner Wauchope die syrischen und die libanesischen Behörden gebeten, die Grenzposten durch Hinzuziehung größerer Truppenaufgebote zu Arerstärke11. Die Polizei von Nablus hat in der Gegend von Jenin in einer Höhle die Leiche eines arabischen Notabein gefunden und unweit davon die Leiche des Scheich Kamili, Muklitars des Dorfes Kabascha. Die Polizei verhaftete einen Beduinen, der den Grabstein auf dem Grabe des Chaluz Bruck, cler von einer Terroristenbande zwischen Tel Amal und Betli Alpha am 22. September ermordet wurde, zerstört hatte; Der Gouverneur von Galiläa hat. den Bewohnern des arabischen Dorfes Takneh, in das die Spuren ,der Mörder des' Chaluz Schpanow führten, mitgeteilt״ daß. einerder Dorfbewohner des Mordes verdächtig sei. Er gebe dem Dorf eine Frist von drei Tagen, clen Mörder auszuliefern. Falls.;dies nicht -geschehe;,/ wsfcde. er,, dein Pqrfe:.einej Kplleiktivstrafo au;ferle'g־en. <;u ,v < ■!, יי-,•■•״ V.’’.•;. . Nachdem gegen die Bahnstation, in Gaza eine Bombe abgeworfen worden war, wurden, jetzt von neuem an der 'Eise'nbahnstrecke drei Landminen gelegt, durch deren Ex- Illusion das Geleise beschädigt wurde. Die Anschläge erfolgten kurz 'nach dem Vorbeifahren des. fahrplanmäßigen Zuges nach Aegypten. Der Distriktskommissar lucl clie Muklitars der Nachbardörfer; zu sich und drohte ihnen, Früher ein Millionär— heute jeder! Wer ließ sich denn vor 10. Jahren die F(iße .pediküren? Adelige und Millionäre. Pediküre würde als Luxus angesehen. Man Zwängte die Füße einfach in clie Schuhe und kümmerte sich nicht weiter um sie. — Heute sind wir bereits so weit, daß sich jeder clie Fußpflege leisten kann. — Deshalb hat Bafa alle csl. Briefträger zu einer kostenlosen Fußpflege eingelaclen. ‘ Judith und ffclcfcrncs (Eine ostjüdische Chanukka-Fegende.) Von J׳.; K r e p p e 1. (Schluß.) '* Während die .Juden in "cler Synagoge clas Chanukkafest feierten, ging־ es .im ■Hause •des■ Parnes Isak Lcvy hoch zu. Dort, im großen Salon des reichen Juden und in den Nebenräumen des Hauses' hatte Taras seine Kosakenschar; um sich gesammelt. Der Weinkeller wurde erbrochen ‘TuVcl däfe' reiche Vö'i.־rat׳'SUlgei׳ ־ergöß Sich in Strömen in die Kehlen der Kosaken. Immer wieder 'würden' neue Fässer eingeschlagen, neue Krüge hinaufgehölt 1und 11er- .]artigereicht. 'Der״ schwere Wein berauschte die Trinker immer mehr, sie waren kaum noch ihrer Sinne mächtig — uncl so bemerkten sie nicht, daß plötzlich ein neuer Karneracl unter •ihnen auftauclvte: ein blutjunger Kosak, cler nun, nachdem der bisherige Munclscheuk total betrunken war uncl ״sich kaum noch uuf clen Beinen halten konnte, digse,: Misgiojv' übernahm; . . Der junge Mundselie'nk batte aber nicht nur die Krüge mit Wein gefüllt, sondern in diesen auch starkeu Wodka, Metli und Rum. .gemischt. Er kannte sich im Keller gut aus und wußte, wo alle' diese Herrlichkeiten aufberührt varen, .. ,;! ז Immer größere Mengen des feurigen Getränkes 1־anmen hinter die Binden der Kosaken, bis sie alle total bis ־zur Bewiißtlosigkeit betrunken auf den Böden lagen uncl schlaftrunken schwer schnurchten.. Nun konnte der junge Kosak sich der zweiten Hälfte ׳seiner Aufgabe entledigen: im Garten, der hinter dem *Hause. des Parnes lag־; standen die Kosakenpferde an Bäume gebunden. Sie wurden freigelassen und mit einigen Peitschenhieben fortgejagt; iiistiuktmäßig galoppierten sie .reiterlos in־-ihre weitentfeynten Ställe zurück. Hinter dem Garten befand sich ein tiefer Teich. Der Kosak hackte im Eise ein.großes Loch 'aus und dann begann er, aus der fWQHrt.Hrtji,dii&J§ä'b"^i."Speere und Feuerwaffen der Kosaken, :die in, Pyramiden äufgestellt waren, hinauszutragen uncl ,ins Wässer zu werfen. Stunde auf Stunde yerrann, bevor;diese ׳.;mühselige Arbeit vollbracht werden konnte. Aber (noch iinmer war״! es tiefe, schwarze Nacht und noch' im-!mier.-schnarcUteü;;Taras 11nd seine Schar auf den Böden [des Levy-Hauses; Schließlich ״war diese Arbeit vollhraelit, Die Kosaken;Kören nun völlig waffenlos, Nur ihre Messer waren ihnen deilweise geblieben;• ׳da der junge Kosak die Fortnahme derselben doch nicht mehl׳ riskierte, aus Angst, es könnte einer oder der andere doch wach werden und clas ganze Werk zerstören. ויי• Nun raffte der junge Kosak noch die in clen Kosakentasehen sich befindlichen Patronen zusammen und verließ das Haus, noch bevor der Morgen zu dämmern begann. Nachdem die Chanukkafeiev zu Ende war, verzehrten die in der Synagoge versammelten Juden ihr mageres Abendbrot und legten sich zur Ruhe. Sie mußten ja für clie Kämpfe des nächsten Tages neue Kräfte sammeln. Auf den Banken und auf dem Boden der Synagoge hatten die Männer, ihre Ruhelager axifgescblagen, während die Frauen und die Kinder in der Weibersehul ihre Schlafstätten einrichieten. Müde und abgehetzt verfielen alle iu einen tiefen Schlaf, aus dem sie erst gegen Morgengrauen erwachten. /■־■••, Als cler Morgen zu ׳cUimme'rn begann, verrichteten clie Juden zuerst das Morgengebet, um für den mit Beginn des Tages erwarteten neuen Ansturm der Kosaken gerüstet zu sein. Die Kämpfe der letzten Tage hatten ihre Munitionsvorräte stark gelichtet. Schon am Vortage mußten sie mit dieser sehr sparsam umgehen und wiederholt gelang es auch den Kosaken, bis nabe an den »Schulhof« vorzudringen, von wo sie erst mit einigen Schüssen verjagt werden konnten. Der Munitionsvorvat ging bald zu Ende. Dann werden es ,clie Kosaken leichter haben, die Synagoge zu stürmen, uni von ihren Säbeln und Speeren, ihren eigentlichen Hauptwaffen, Gebrauch machen zü können. Allenfalls waren die Juden entschlossen, bis zum letzten zu kämpfen. Wenn es keine Patronen mehr geben wird, werden sie mit einem Steinhagel sich ihrer Feinde zu erwehren versuchen. Sie werden sozusagen, bis zum letzten Atemzuge kämpfen.... Stunde auf Stunde verrann. Schon nahte die Mittagsstunde, Aber noch immer blieb es um die Synagoge still. Die auf dem Dach postierten Wächter wußten nichts Verdäehtiges zu melden. Das ,Städtchen blieb wie ausgestorben. Plötzlich kletterte Sarah, die Tochter des Parnes, auf das Dach der Synagoge, ergriff ein Feuergewehr und knallte einige Schüsse gegen das Haus ihres Vaters^ ab, deren Widerhall in der Totenstille mit verstärktem Echo ziivUckkläng. 1;׳ ־— Unglückselige! •— rief der Parnes erbittert, als er das Tun seiner Tochter bemerkte, — Unglückselige, wozu den Feind reizen?, , —- Pst, Pst! replizierte;ßarah — laß mich nur״ gewähren, Teh werde später alles aufklären, Das ■Knallen. der Schüsse Kepkte zuerst Taras und daun einige seiner Unterführer aus ihrem harten Schlaf. Wie geistesabwesend rieben sie sich den Schlaf aus den Augen und blickten mit verstörten Gesichtern um sich. Taras stampfte, mit den Füßen und begann die noch schlafenden Kosaken mit Fußtritten aufzurüttelu. Als dies wenig fruchtete, ließ er sie mit eiskaltem Wasser überschütten und endlich auf die Beine bringen. Alle spähten umher. Sie hielten Umschau nach ihren Waffen — aber kein Säbel, kein Speer, kein Schießprügel war zu finden. Sie eilten in den Garten — kein Pferd steht zur Verfügung. — Wie verhext war alles verschwunden. Wahrlich, ein Werk des Teufels... Einen Moment lang stand Taras unschlüssig. Was soll jeizt geschehen? Feige abziehen? Nein, das dürfen Kosaken nicht. Sie würden ewigen Spott auf sich laden. Mit ilireu Messern wollen sie die Synagoge stürmen und dann den Widerstand der Juden im Blut ersticken... Und so stürmten sie vorwärts, allen voran Taras mit seinem Kosakenmessei־ zwischen den Zähnen. Da traf ihn ein wolilgezielter Schuß aus der Feuerwaffe Sarahs... Sein Tod löste' bei den Kosaken einen panischen Schrecken aus. Ohne auf die Befehle ihrer Führer zu achten, ergriffen sie die Flucht. — Nein — schrien sie den Führern zu — wir haben es hier nicht mit den Juden, sondern mix dem Teufel zu ‘tun . Da machen wir nicht’mit....! Und so sind sie abgezogen, den toten Körper ihres Hetman mitschleppend. Sie wagten es nie mehr, sich im Weichbilde des Städtchens zu zeigen, wo alle Mächte der Hölle zu Hause sind... Erst jetzt konnten sich die Juden von ihrer Ueber- ־ raschüng erholen und ihr . geistiges Gleichgewicht wieder finden, Und erst jetzt erzählte ihnen Sarah alles, was sich in der vergangenen Nacht zugetragen hatte. Während der Kämpfe des Vortages gelang es einem jungen Kosaken, sich bis an die Wand der Synagoge vorzuschieben, wo er aber, von einem Schuß getroffen, tot liegen •blieb, ohne -daß dies von den Kosaken bemerkt worden war. So ließen sie ihn über Nacht dort liegen. Seine Uniform diente Sarah als Verkleidung, als sie sich aus der. Synagoge schlich und den Gang 'n die Höhle des Löwen unternahm. Ihr Werk war es, daß die Kosaken so arg betrunken wurden und in den schweren Schlaf ver׳־ fielen, so daß sie ihre Waffen ins Wasser werfen und ihre PferdP fortjagen konnte,,,. Mft großer Begeisterung wurde Sarah der Ehrenname »Judith« verliehen, als Auszeichnung dafür, daß sie Täras-Hoiofernes besiegte.

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