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Jüdische Presse · 1937-11-19 · 40 (19.11.1937) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
23 (1937)
Issue
40 (19.11.1937)
Date
1937-11-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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:י ־י ,״ י״ **־*»-*י./ 2 anssthtießlith dem jüdischen Tolk' -Älfet'dltljÜS —• ftüd dfa üsäühte er die Einschränkung — Weüft hwn «äf sein Ä&tö* risch verbrieftes Recht poche, so muß man eben vollkootitett auf dem Boden dieser Geschichte, auf Basis der Thora stehen. Das Judentum sei eine Nation, die ihre Religion als Ihre Basis anerkennen!miß, ln Frankreich gebe es keine Judenfrage — hörten wir weiter — leider sind aber die meisten auch prominenten Juden — unter denen Msr. Froman zahlreiche Freunde besitzt — »chofschi bedeoth« (freigläubig) — wie er sieh ausdriiekte.— Der!Besuch bei Sr. Ehrw. Oberrabbiner Schreiber sch!, war für den Generalkonsul ein spezielles Erlebnis und er sprach sich auch restlos begeistert hier* über aus. Als wir uns nach einem überaus herzlichen Abschied entfernten, waren wir noch lange nachher mächtig ergriffen. Wir sagten uns: wenn ein Nichtjude auf das jüdische Schrifttum so intensiv reagiere, so haben wir doch eo ipso nicht das Recht, uns auch nur für kurze Zeit seinem Bann* kreise zu entziehen. Wir waren aber auch von freudigem Optimismus erfüllt, daß der helle menschliche Geist endlieh die dunklen Nachtschatten,, die die Welt jetzt erfüllen, verscheuchen wird. S. Frommer. *Bviet aus Ungarn / »Seit der Herr Innenminister in Berlin war und sich die aus .Kürbiskernen erzeugte Schokolade wohl schmecken ließ, hat in Ungarn eine neue Aera begonnen!« Ein ungarischer Abgeordneter hat diese ironischen Worte ins Parlament gerufen und scheint damit Recht behalten zu haben. In Ungarn hat tatsächlich eine neue Aera begonnen. Und da die Juden das Barometer jeder Politik sind, haben sie zu ullererst diese neue Aera zu spüren bekommen.;׳■?׳. Von den Symptomen der letzten Wochen zählen wir vor ■allem jene .Razzia auf, die viele Hunderte von Polizisten ,gegen däS sogenannte Judenviertel der ungarischen Hauptstadt mobilisierte, gegen die Gassen und Güßchen rings um die Trommel*(ungarisch: Dob-)gasse, rund zehntausend friedlich schlafende Bürger aus den Betten trieb und jeden, der Jude war und seine Dokumente nicht linter den Polstern parat hatte, schnurstracks ins Schubhaus schleppte. Das Endergebnis dieser Treibjagd waren insge* samt 29 »Hasen«. Der riesige Polizeiapparat hat in der;Millionenstadt Budapest das Märchen vom zugewanderten Galizianer bloß mit 29 Juden bekräftigen können. Aber auch diese Ziffer ist nicht endgültig. Von diesen 29 werden auch recht viele sein, die nachträglich ihre Dokumente herbeischaffen werden. Nachträglich war es auch dem Innenminister bange 11m das!Geschehene. Er betonte, daß diese Razzia mit Nur Zahnfäule? Mit Unrecht wird munchmal eine geringe Zahnfäule unterschätzt. Man vergißt, daß dieselbe die Quelle heftiger Schmerzen, ja sogar Magen- und ahderer!Krankheiten sein kann'. Kranke Zähne heilt der Arzt, aber was sollen wir tun, damit sie nicht weiter verderben? Die Hauptsache ist, die Speisereste, deren Zer- Setzung so schädlichen Einfluß hat, durch regelmäßiges Zähneputzen zu beseitigen. Und gerade das ist die hervorragende Eigenschaft der Alpa Zahncreme. daß sie Gärungs- Vorgänge verhindert.' Die Wirkung der Alpa Zahncreme wird durch Mundausspülen mit ,Wasser, welchem einige Tropfen Alpa beigemengt wurden, unterstützt. zwei linken Händen, keinesfalls gegen eine Konfession ge* richtet ■.war, Auch *von der11»G0lizianern« war׳nicht entehr die Rede. Er sptatih öberTyiRptt diiii sehwüftghäftfen Bieri* senhandel und *söhMtigga״; vön Fremden getrieben wird und Ungarn wirfsehäftlieh stark schädigt. Aber um die 3chmttggler zu erwisehc«, war es ganz überflüssig, in die Wohnung des Festet rteplpgen Öberrabbiners Dr, Jti* lins Fischer und in jene von. Rabbiner Süßmann der orth. -isr. .Kultusgemeinde einzudfingen. In diesen Wohnungen sind bestimmt keine Schmuggler zu finden! Ein zweites trauriges• Symptom: Der Bürgermeister der Hauptstadt, Herr Szendy, dem der Ruhm gebührt, das Wort »Koscher« vom Hebräischen ins Lateinische auf allen Tafeln der rituellen Betriebe transkribiert zu haben, läßt sich — wie verlautet — Gutachten über die »Sehechito« erteilen und ihm nahestehende Blätter faseln bereits von der inhumanen •Schächtiriethode. Und so was soll in Umgarn, wo die jüdische Konfession rezipiert ist, möglich sein! Die offizielle Zeitung der orthodoxen Zentralkanzlei und die der neologen Landeskanzlei haben bereits war* nende Worte an die Oberböhörde des allzurührigen Herrn Bürgermeisters gerichtet. Bestimmt mit Erfolg! Leider kennen die ungarischen Juden auch bei sol* chen Zuständen keinen Burgfrieden. Die revisionistischen Zionisten inszenierten di&se‘ Woche Skandalszenen im Zionistischen Heim. StelltfeWnu Reden und Flugzetteln fest, daß der Zionismus linksfünikal verseucht wäre. Es kam zu Schlägereien, die Polizdf'mußte eingreifen. Die neologe Zentralkanzlei steht in ständiger Fehde, mit der Ofener Kultusgemeinde, die ilirC.'.׳Selbständigkeit zugunsten der Pester isr. Gemeinde aufzü'geben nicht gewillt ist und im zuständigen Ministerium die Genehmigung der neuen Landesstatuten zu verhindern versteht.!Ein neologer Ge* meindeführer hat mit den'iPeiot und Bart der orthodoxen Juden zu schaffen, erwartet von der Schere die Lösung der Judenfrage in Ungarn,.und hält an seiner Ansicht, trotz Ermahnungen, fest, schreibt nach dem ersten läppischen Artikel einen zweiten, der noch läppischer ist. Ein Jude, den die orthodoxe KiiHusgpmeinde in Gyöngyö? aus ihrer Mitte ausschloß, da er mqphallel Schabbos war. schleppt den Oberrabbiner uncl Kultusvorsteher dieser Gemeinde KOSTEN LOS^EßlÄ ITI.IO H VON DER NÄHRM IITELFABRirDB A.OETKER /BRONN♦■ auf"die Anklagebank. Die jüdischen öroffindtlMriellen ge* wahren ihren jüdischen Angestellten^ sogar, am Jomkippur keinen Urlaub.!ffi^BetfiflL — erklgten sie eftRhatisch, während das ,einst supeft* . libeMle Urfiari jet2t ständig nach der Konfession seiner Staatsbürger schnüffelt,! Hoffentlich ist auch diese Periode vergänglich, Hof*!entlieh wird sieh' die ungarische Politik bald zu ihren edlen Traditionen bekehren. Zu jenen Traditionen,,.denen. , sie ihre Größe lind ihren Ruhm zu verdanken, hätte. (P. j.) jj)05 Die Vorgänge in Palästina, Die Krise in Palästina hat in den letzten Tagen einen. Höhepunkt erreicht. Es gab wieder eine Anzahl jüdischer Todesopfer. Aber auch einige Araber mußten daran glauben. Die englischen Behörden verhafteten 33 Mitglieder der Neuen Zionistischen Organisation, ehemalige Revisio* . nisten, darunter den Sohn Jabotynskis und den aus demi Arlosoroff-iProzeß bekannten AchbMeier, Sie wurden strafweise für 6 Monate deportiert. Zwei jüdische Vorstädte ,, Jerusalems mußten zur Strafe größere .Polizeibesatzungen aufnehmen und die Kosten der Verpflegung tragen. Die militärische Besatzung im Lande wurde verstärkt. Es sind auch einige arabische Terroristennester ausgeho* ben worden. Die Araber, die von auswärts mit Waffen und Munition versorgt werden, wollen Jedoch den Widerstand nicht uufgeben. Auch ein Appell des Stadtrates von Jerusalem blieb wirkungslos. Die jüdische Presse kritisiert scharf das Vorgehen der Revisionisten und ist der Ansicht, daß dieses die Araber nur zu neuen Terrorakten veranlaßt und ihnen die Ausrede bietet, seitens der Juden provoziert zu werden. Angeblich soll Ihn Saud die Absicht haben, für ganz Arabien den »Heiligen Krieg« zu proklamieren. Man befürchtet auch Einfälle von Arabern aus Syrien nach Pa- Uistina. Inzvvischen hat die Regierung die bereits angekündigten Einwanderungsbeschrünkungen erlassen. Von den bis März .1.938 bestimmten Zertifikaten soll ein Teil für illegale Einwanderer zurückbelialten werden. Die politir sehe Unruhe wirkt sich wirtschaftlich aus. *Die ״dudenbärike“ in Dolen Die Bewegung׳, an den höheren Schulen in Polen »Judenbänke« einzuführen, zieht trotz aller Proteste immer weitere Kreise. Selbst in Lemberg, wo der Rektor der Universitüt sich zunächst der Bewegung־ entgegenstellte, werden nun auf Grund einer Abstimmung der Studentenschaft »Judenbänke« eingeführt•.—־י allerdings wird es dort dreierlei Bänke geben: für Nationalpolen, für Juden• lind für Ukrainer und Sozialisten, welche gegen die Nationalpolen Stellung nehmen. Den Protesten gegen die »judenbänke« hat sich auch die Tochter Pilsudskis ungeschlossen — der Effekt ist jedoch ausgeblieben. .Der Staatspräsident hat . wohl einer Deputation der; jüdischen Abgeordneten gegenüber... erklärt, daß an. der Gleichbereclitigung der Juden nicht gerüttelt werden wird,:; j׳ > Die Regierung ist jedoch bisher gegen den nationalisti*: sehen Terror nicht eingeschritten. ■ Dez? Staczf und. die Tecbtev des *Rabbi ’'־Eine ostjüdische Volkssage. Bearbeitet von J. Kreppei. (Schluß.) י י Vom Turm des Stadthauses ertönten zwölf dumpfe Schläge und machten die Herzen der in der Synagoge versammelten Juden erbeben. Nun sei die entscheidende Stunde da. Bald werden die Henkersknechte des Graleu : ג erscheinen, um ihr blutiges Werk zu vollbringen. Die Juden waren alle, vom Rabbi bis zum einfachsten Mann, auf ulles gefaßt: mag was immer kommen, kein Nachgebeu! -Die einzige Sorge, die ihr Herz bedrückte, war die um das Schicksal der jungen Braut.—. Wird der Graf vielleicht versuchen, sie mit Gewalt in sein Haus bringen zu lassen? Sie selbst, Ghana, erklärte, daß ihm das nicht glücken;: werde. Lieber werde sie vom Dach der Synagoge. herunterspringen ,und sich das Leben nehmen.... Ein Plun, das K neugetrautc Ehepaar noch in der Nacht außerhalb des , Städtchens zu bringen, uni es der Gewalt des Grafen zu entziehen, wurde verworfen, da iiiun befürchtete, der Graf könnte alle Wege überwachen lassen und so würde das Paar erst recht in. die Hände seiner Häscher füllen —• also lieber hier bleiben und das Schicksal der übrigen Juden teilen. Nachdem die Glockeutöne verklungen waren, ordnete der Rabbi un, »Chazzos« zu sagen, jeue wehmütigen Klagegebete zur .Erinnerung; an die Zerstörung des Heiligen Tempels, der Verwüstung Zions und Jerusalems. Das »Cluizzos«- Abrichten in einer Hochzeitsnacht — das durfte wohl noch :׳:•*£?v; ws/y nie erfolgt sein. Aber für die Stimmung, in der sich die Juden befanden, war gerade dies angepaßt. Und so ertönten denn in dieser Hochzeit.snncht die schwer-bitteren Klugen an Stelle der lustigen AVeisen, jammern und Weinen anstatt der fröhlichen Tänze... So verrann Stunde um Stunde. Jedes kleinste Gerausch löste ilerzKlopfeu und Zittern aus: »Sie kommen! Sie kommen!« Aber niemand zeigte sich... Alles blieb still draußen... Nun ordnete der Rabbi wiederum das Thiilim-Sagen au. Vers iur Vers wurden die 150 Kapitel der Psalmen hergesagt. Aber noch immer rührte sich nichts. Das Rezitiereu wurde wiederholt. Schon zeigte sich der Morgenstern, schon beginnen die Schatten der Nacht der Morgendäinmerung zu weichen —־ und noch immer ist von den Häscliern des Grafen nichts zu hören und nichts zu sehen. jetzt begann es ernstlich zu tagen. Die furchtbare Nacht wur zu Ende und ei« neuer Tag zog heran.... Es ward immer heller und heller. , »Rabaussaj, liebe Brüder!« lief der Rabbi, »wir wollen nun das Morgengebet verrichten. Wir wissen wohl noch nicht, ob nur der Gefahr völlig entronnen sind. Aber wen» einmal die Nacht vorbei ist, dürfte ein großes Wun* »ergeschehen sein! Groß ist unser ■G—tt und groß seine viWhnaef-bf. \ ־ Das Morgengebet. wurde vernähtet, Es wur bereits heller Tgg. Vom Grafenschlosse her war nichts zu ver* m Unschlüssig standen die Juden in der Synagoge. Was •׳ sollten sie nun'beginnen? ׳..־ ' »Jeder gehe nach^Hause,;öffne,seinen_La1leu und be־* sorge seine täglichen Geschäfte der i, G-rtt, der bisher; .. '*■•סר Sfi t- :• ׳ .׳ ■ geholfen hat, wird uns» weiter zur Seite .stehen« — ordnete der Rabbi an. r VH u ׳’•••»• Nun kam Leben-in das •Städtchen. Die Lädeu wurden geöffnet, die ,-Handwerker1 ’setzten sich zur Arbeit, die Makler und »Luftmenschen« drehten sich in dc;n Gassen herum, die Kutscher ließen ihre Wfo־gen aus fahren, die Träger standen bereit, Aufträge zu ül^ei'iielimeii... Das normale tügliehe Leben setzte ein. V• ” Aber siehe da: Gegt^'Mittag vernahm man plötzlich das Geräusch nahender . ’ schwerer Wage 11. Alles horchte zitternd auf und stand., .unschlüssig clü. Was soll jetzt geschehen? Die Knechte 'de^*.Grafen, kommen.... Soll man sich wieder in der Synagoge;versammeln oder jeder in seinem Hause der kominenden ,Dinge harren?... Bald war die Spannung einer freudigen Ueberrasehung־ gewichen. ‘Eine 1Karawane .schwerhcladener Wagen, fuhr ins Städtchen ein, und machte .vor dem Hause des Gemeindevorstehers Halt. Die Wagen brachten Holz und Kartoffeln, wie alljährlich, mir noch in größerer Menge. Im ersten Wagen snß der Majordomus des ,Grafen, sein erster Verwalter. Vor dem!־lause des Vorstehers angelangt, sprang er ab und überreichte dem überraschten Vorsteher im Namen des Graf611 einen Beutel Geld zur Verteilung an die Armen und Bedürftigen. Mit einem zweiten Beutel eilte er ins Haus d^s Rabbi und übergab diesen als Hochzeitsgesehenk des Grafen für das junge Ehepaar. Vor dem Schlosse des■’;'Grafen standen seine Knechte die ganze Nacht über, bereit, auf einen Wink desselben ins Städtchen zu eilen und im Sinne der bereits vorher erteilten Befehle ihr blutiges Werk zu vollziehen. Aber der Wink des Grafen blieb aus. Stunde um Stunde verrann. Der Graf zeigte sich nicht.‘ Die Fenster seines Salons wareu hell beleuchtet. Aber ion' innen her war kein Lebens- Zeichen zu vernehmen, Mitternacht war längst vorüber — noch immer aber rührte sich im Salon nichts. Der Verwalter versuchte, durchs! Schlüsselloch hineinziigucken, aber auch dies war nicht möglich, denn der Graf hatte den Schlüssel von innen stecken lassen. So blieb den Knechten nichts übrig, als zu warten; ln seinem hell erleuchteten und warm geheizten Sa- 1011 saß der Graf und wartete gespannt und ungeduldig. Werden die Juden nachgeben oder hartnäckig bleiben? Wird die schöne Jüdin die ׳heutige Nacht mit ihm verbringen? Auch für ihn verrann Stunde um Stunde, auch sein Herz erbebte bei . dem kleinsten Geräusch, aber nichts zeigte sich. Die Jüdin erschien nicht. Mitternacht. Die Spieluhr im Salon schlug zwölf und dann ertönte ein rührendes Lied. Der Graf empfand eine sonderbare Stimmung, ein ,weiches Gefühl umspann sein Denken. Da öffneten sich breit die Flügeltüren zum Salon und die schöne Ghana, im weißen Brautkleid und mit den Myrten des Brautschleiers f geschmückt, schwebte wie ein Engel herein. Der Graf blibb ob dieser bezaubernden Er* scheinung wie versteinert;,,1sieben und konute kaum die Worte hervorbringe«: »Alsp, doch!« Leidenschaftlich und extaserasend umfaßte er die’ junge Frau und zog sie an sich. Sie wehrte sich nicht im.'/geringsten und erwiderte seine Liebkosungen mit der gleichen Extase. , Sie verzehrten die ^he^liehen Leckerbissen, ־ die ihrer harrten, berauschten sich-äF 49h■ schweren Weinen* .ver* gaßen alles um sich und 5 yct'brachten die Nacht in einein betäubenden Liebesrauseh, *j?! l Es war bereits gegen 10 Uhr vormittags. Vor dem Schlosse des Grafen standen noch immer sein Verwalter, die Dienerschaff und die Knechte —י aber drinnen blieb alles mäuschenstill. Kein Laut drang aus dem Salon. Dem Verwalter kam die Sache nicht ganz geheuer vor. Sollte, seinem Herrn etwas zugestoßen sein?... Lange stand er an der Tiir/ des Salons und horchte gespannt, ob nicht ein Lebenszcichen hörbar wäre. Als sich weiter nichts rührte, faßte er Mut und klopfte au. Zuerst ganz leise, dann stärker und stärker — aber vergeblich. Von drüben kam keine Antwort. , . Von einer großen Angst erfüllt, wagte er den letzten Schritt und klinkte die Türe auf. Da fand er den Grafen iu einem Lehnstuhl sitzend, iii tiefem Schlaf versunken.,. Er machte sich mit einigem Geräusch am gedeckten Speisetisch zu schaffen, klirrte mit Tellern und . Gläsern — aber der Graf rührte sich noch immer nicht. Nun mußte der allerletzte Schritt getan werden: er rüttelte den Grafen kräftig auf, bis dieser endlich die Augen auf schlug und, noch immer schlaftrunken, um sich blickte, mit den Händen Umarmungsbewegungen machend und vor sich hinflüsternd: »Meine schöne Jüdin!«;... Endlich war er ganz wach geworden, rieb sich den Schlaf aus den Augeu, spähte mit den Blicken nach allen Seiten und fragte schließlich verwundert: »Schöne Jüdin, wo bist du?« »Was meinen Herr Graf?« fragte der Verwalter. »Nun, die Tochter des Rabbi!«, erwiderte der Graf, »sie verbrachte doch ihre Hoclizeitsnacht bei mir!«... Der Verwalter zuckte die Achseln und schüttelte den Kopf. »Herr Graf, es war niemand hier; wir standen die ganze Zeit draußen und harrten der Befehle unseres allergnädigsten Herrn!«... Nun erkannte der Graf die Situation. Ja, der gedeckte Tisch stand unberührt — nur eine Flasche schweren Weines war halbleer... »Also so geschah es« — murmelte er still. — »Ich habe in meiner nervösen Ungeduld einige Gläser Wein getrunken und bin eingeschlafen... Mein ganzes Erlebnis war somit nur ein Traumgebilde!«... Er empfand Scham und Reue ob seines Verhaltens. , »Ja, der G—tt der Juden ist stärker als ich! Es hat keinen , Sinn, sich seinem Willen cntgegenzustellen!« Noch immer stand der Verwalter kopfschüttelnd seinem Herrn gegenüber. Die forschenden Blicke des Majordomus waren dem Grafen höchst peinlich, Nervös und abgespannt machte er einige Runden um den Tisch, trommelte mit den Fingern an den Fensterscheiben uiid sagte schließlich; »Also, ihr harrt meiner Befehle? Laßt alle zur Ver-, fügting stehenden Wagen mit Holz und Kartoffeln belgden und begebt euch, wie alljährlich, in die Stadt zum /, Vorsteher der jüdischen Gemeinde, deiii auch der Geldbeutel übergeben werden soll; der zweite Geldbeutel ist für den Rabbi bestimmt, qls * Hochzeitsgeschenk für seine! Tochter,« Bis zum späten Nachmittag umstanden dis Juden, den Rabbi und besprachen das vor ihren Augen geschehebe Wunder. Schließlich sagte der Rabbi; »Gestern haben 1yir eine Hochzeit mit »Chazzo^« be*! gleitet; heute aber wollen wir Hellel ünetiihmen uiid das V, , eigentliche Hoehzeitsfest ,feiern»׳ ״י יי■ יזה היוסעשה ד/■גנילה ונשכחה / ־/

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