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Jüdische Presse · 1937-11-19 · 40 (19.11.1937) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
23 (1937)
Issue
40 (19.11.1937)
Date
1937-11-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Das Ende des Weltkrieges brachte die Gründung. Wieder aufrichtung neuer, bez. die Vergrößerung bereits existierender Staaten mit sich, die auf den Tr Ummern der im Kriege ziisammengebrochenen Staa- und diese Gedenktage werden Wenn man die Vergefeiert. teil entstanden begrei fl i che!־weise hältnisse überblickt, die diese »Neuordnung« clei Welt zur Folge hatte, so muß man sich die bekannte Frage vorlegen: »We-laszimcho ma su ausso?« Warum diese Freude? Allerdings, die Nationen. die bislang der Selbständigkeit entbehrten, konnten diese wieder erlangen. Aber die Völker sind in den meisten Fällen ob der Neuordnung nicht glücklicher geworden. Diese hat zugleich einem Hy per national Ismus Tür und Tor geöffnet, den »heiligen Egoismus« zum Schutzpatron proklamiert. Die Staaten schließen sich gegeneinander ab: sie jagen der Fata morgana der Autarkie nach: ’Grenzbarrieren, und Zollschranken fanden kein Gehör. Es mußten erst schwere, bintige Krisen kommen, bevor man sich zur Erkenntnis aufraffte, daß kein •Grund vorliege, diesen Gedenktag als Staatsfeiertag zu begehen. Aber noch immer sind wir nicht; über den Berg. Noch immer wirken die Nachwehen dieser Umwälzung sich aus, noch immer glauben Wahnwitzige, Oesterreich auf das Eis locken zu können, wo es ihrer Demagogie und ihren Sch lag Worten ausgcliefert, sein •wird. Daß dabei!der »Judenpunkt« eine - wichtige Rolle spielt, ist leicht verständlich. Aber gerade deshalb haben die Juden Oesterreichs allen Grund, sich voll und ganz hinter den Kurs zu werden aufgerichtet, die Freizügigkeit ist unterbunden. der freie Handel und Verkehr gehemmt. Jeder Staat glaubt, auf Kosten der Nachbarländer sein Glück auf richten zu können — 11 ״ ncl cl ast. Faz i t ist allgemeine Verelendung, Entfremdung, frrungen und Wirrungen. Die Welt ist krank: Demagogie und Baß feiern Orgien. Fürwahr — für eine wirkliche Feststimmung sind diese Verhältnisse kaum geeignet. Das gilt auch für die Verhältnisse innerhalb der einzelnen Staaten. Auch da macht sich der nationale Chau vinismus in allen. Formen und Farben breit und behindert die freie Entwicklung. Die Staaten kommen aus den innerpolitischen Krisen nicht heraus, eine löst die andere ab. Noch nie hat. sich die nationalistische Engherzigkeit so austoben können. Daß. alle diese Erscheinungen auch das Treiben derjenigen begünstigen, die den Judenhaß auf ihre Fahne geschrieben haben, ist nur zu leicht begreiflich. Gerade auf dem Gebiete .all dieser neuen, wiederaufgerichteten und verfrößerten Staaten lebt das Gros der Juden in luropa. Und gerade diese haben, mit nur geringen Ausnahmen, am meisten zu leiden. Der ludenhaß. brandelt überall und immer wieder lodert er bald hie, bald dort zur hellen Flamme auf. Mittel- und Osteuropa sind seine Betätigungsgebiete. Der böse Wind, der vom Zentrum seinen Ausgang nimmt, durchbricht alle Grenzbarrieren, alle Schranken und das kalte Tief erstreckt sich über alle Länder. Die Seuche stößt, auf keinen Kordon und kann immer weitere Kreise ziehen. Und all das ist die Frucht einer »Neuordnung«, deren Gedenktage gerade jetzt gefeiert werden. Es fällt wahrlich schwer, keine Satire zu schreiben. stellen, der die Grundlage des heutigen Regimes bildet, da nur dieses sie vör jenen Verhältnissen bewahrt, die jenseits der Grenzen in Nord und Ost wahrzunehmen sind. Die Juden Oesterreichs haben ihren Anschluß an die V. F. ohne weitanschauliche Vorbehalte und Mentalreservationen gefunden. Aber gerade deshalb dürfen sie seitens der maßgebenden.Stellen jenen Schutz erwarten, auf den sie Anspruch erheben können..Das Treiben des »Antisemitenbundes« bedeutet mir eine Armverlängerung für den Nazismus, der der oflene Feind des Oesterreichertums ist, Das sollten die Hintermänner *dieser Strömung nicht״ übersehen. Die Kulturmission Oesterreichs schreibt andere Wege vor. Auch das neue O e s ( e r r eich hatte 15 Jahre hindurch seinen »Staatsfeiertag«, den 12. Nbvenibei־. »Gefeiert« wurde der Tag, an dein ein großes Reich zertrümmert wurde, das jahrhunder־telang in der Weltgeschichte eine große Rolle gespielt hat, iu dem verschiedene Völker und Nationälitäten sichfreier und besser ausleben konnten, als in den neuen, sogenannten. »Nationalstaaten«. Der 12. November hätte für die Oesterreicher eigentlich ein Trauertag sein sollen — aber das inhaltslose Sch lag wort von der »Neuordnung« hatte die Gemüter betört, und die Wenigen, die noch eine Dosis Vernunft und Einsicht bewahrten. Die Regierung und die Leitung der V. F. sind bisher fest geblieben. Indem sie im allgemeinen jeden Versuch des Nazismüs, ins vaterländische Lager einzudringen, abwehten, >־׳e.rsteilen sie es wohl, daß ein Entgegenkoiümen hinsichtlich de »J11denpunkt.es« nur Wasser auf die Mühlen derjenigen sein müßte, die — nach bewährtem M11-;i ster —׳ die. Judenfrage als Steigbügel benützen wollen, um sich in den Sattel zu schwingen. Wir 't wollen hoffen und erwarten, daß diese Festigkeit des Kurses trotz aller offenen und verhüllten Be- Strebungen aufrecht bleibt. Die maßgebenden Faktoren wissen es nur allzugut, daß sie sich auf das jüdische Element jederzeit und unter allen Umständen verlassen können. Ein solches Bewußtsein ist von großer Tragweite für ein Regime,; das alle Kräfte anspannen muß, 1?1n sich rückr sichtsloser Gegner zu erwehren. Diöser Kampf um die Erhaltung der Unabhängigkeit Und Selbständigkeit Oesterreichs erfordert den Zusammen- Schluß aller vaterländisch gesinnten Kräfte. Keiner, der mittun will, darf ausgeschlossen werden. Dieses Axiom darf auch für diejenigen gelten, die angeblich den Juden nicht unfreundlich 3׳ f gegenüberstehen, aber sie, als logische Konsequenz * des Begriffes »christlicher Staat« von jeder Anteilnahme am öffentlichen Leben ausschalten ׳ möchten. . $ Wir Juden verstehen unter dem Begriff »christlicher Staat« eine auf relig. Grundlage bavi: sierende Staatsordnung — und dies hat mit kon- \ fessionellen Unterschieden nichts zu tun. So haben auch die, Autoren der, neuen Verfassung diesen Begriff verstanden, wenn sie in dieser die Gleich- , berechtigeng■׳aller Bürger ohne jeden konfessio- > Hellen Unterschied verankerten. In seiner jüng—y sten Erklärung zur Judenfrage hat der Bundes:- J kanzler diesem .Gedanken eindeutig Ausdruck 7 verliehen und gerade diejenigen, die sich um die .. Fahne der Vaterländischen Front scharen, sollten.;*-׳' jeden Versuch ־aufgeben,'׳',.die .Verfassung falsch' zir^ . interpretieren, da sie damit nur die Arbeit der- . jenigen begünstigen, die alles . andere als dih Oesterreichs ans trübe h. * Stärkung französische Senevulhensul in 2>z>ctgr iihev Juden, Judentum, *Reliyien und!*uliialinu Der französische Generalkonsul aus Prag, Msr. Leon Froman, der vorübergehend ia Bratislava weilte, machte kürzlich dem Elmw Oberrabb. Schreiber sclil. seine Auf- Wartung und unterhielt sich hiebei längere Zeit eingehend über judaica, wobei er auf allen Gebieten eine überrascliende Versiertheit verriet. Der verantwortliche Redakteur unseres Blattes nahm die Gelegenheit wahr und besuchte in Begleitung eines Kollegen, nachdem er eine hebräisch geschriebene Einladung erhielt, den mehr als interessanten Diplomaten, von dem sie mit echt französischem Charme empfangen wurden. Msr. Froman, ein Mann in den besten Jahren, frappierte gleich beim Empfang־ mit seiner schlichten und dabei würdevollen Art und sagte, als läse er uns die Frage vom Gesichte ab: »׳Ich muß Ihnen gleich vorweg erklären, daß ich — wiewohl ich die Einladung in hebräischen Schriftzeichen schrieb — kein Jude, vielmehr Christ bin. Ich betreibe mit Vorliebe Sprachstudien, beherrsche 22 Sprachen, von denen zumindest die Hälfte perfekt in Wort und Schrift und ist es besonders die hebräische Sprache, die ich in mein Herz geschlossen habe. Ich hatte schon im Jahre 1900, als ich in diplomatischer Mission mich in Tunis befand, Gelegenheit, mich mit dem dortigen Oberrabbiner zu befreunden, der mich in die hebräische׳ Literatur einführte und habe ich sogar den Talmud mit seinen Kommentaren studiert«. Iin Empfangssalou lagen da und dort verschiedene hebräische Broschüren und Zeitschriften verstreut, so daß man das Empfinden hatte, in einem echt jüdischen Milieu zu weilen. Der Generalkonsul, unser Erstaunen bemerkeiid, betont!auch sogleich; d«h er jüdische׳ Zeitungen ständig lese, die subtilsten Dinge in betreff der Juden kenne und sich stets am laufenden halte. Er kennt auch1 ■5 genau den Unterschied zwischen Rabbinismus und Chassi- 'k tlismus. . V; Auf meine Bemerkung — aus der vielleicht ein skepj tischer Unterton mitklang — daß ich es wohl begreifen könue, daß man bei einiger Kenntnis der hebräischen : Sprache, Zeitschriften zu lesen vermag, aber daß es urigeheuer schwer fallen müsse, ia den Geist des Talmud, dem י doch eine spezielle Dialektik und Methodik anhafte, einzu« 1 dringen, antwortet Msr, Froman, daß ihm dies keine Schwierigkeiten bereite; ab und zu nur benötige er eih; Wörterbuch zur Hilfe. Ganz unvermittelt setzt der Geriet ralkonsul fort: »Ich liebe die hebräische Sprache und Literatur und bin dessen fest überzeugt, daß das jüdische Volk;“ eben kraft seiner Literatur und herrlichen Sprache, d«& intelligenteste, intellektuellste und ein gerechtes Volk sei«. Diese Enünziation war für uns übe.rwültigencL JEinl ‘f Diplomat von Format, ein Manu, der die Literaturen der ־ - meisten zivilisierten Völker kennt, eine Menge europäische . י orientalische etc. Sprachen und ihre Mundarten spricht,׳ bekennt sich in einer Zeit, wo wir Juden diesbezüglich’ ’ wahrlich nicht »verwöhnt« werden, wo SopÜistik hd abt; surdum betrieben wird, ohne jedweden Anlaß für die■ Juden. Nun bekam das Gespräch einen politischen Charuk־' ter: Auf unsere Frage, was er von den gegenwärtig^! Verhältnissen in Palästina halte, antwortete der General-, N konsul: »Die gerechte Sache der Juden muß siegen,י wie" denn nicht, gibt es denn eine berechtigtere Forderung! alk das historisch verbriefte Recht' der Juden?« Die Ajgb^.rj . verurteilt er vollends, denn Palästina gehört;und■ geoührt j; n ktßiswette lllllllllllllllttllllltlllll ÜU& dßt wotoäoltAiMu.tou Muujehtto*bjitiÜh>: וווו 1 ווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווו וווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווןווווןווווווןןןןןווןווווו 11 Karntnerring 6 •Tcsl« tia SÄ J ־ wsm י r-:

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