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Jüdische Presse · 1937-11-12 · 39 (12.11.1937) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
23 (1937)
Issue
39 (12.11.1937)
Date
1937-11-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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w■ jpclr ״ Smk fegK*■ ■ft gfc” *is rap? g|f£ |p; |m״s mm. mm datspolitik* Getäde au ihfeM SJ. jahtesiar wird die Batfeaf-Dektaraliött terleitpet kfs »Fetzet* Papier« er* klärt,.. # Trotz aller Proteste pol nischer Ifttellektueller werdet* die »Ghettobättke« an den ■Hochschulen nicht ab* geschafft. Int Gegenteil, die Bewegung zieht immer weitere Kreise. Ein Machtwort der -Regierung könnte dein ganzen Spuk mit einent Schlage ein Ende bereiten ׳— aber dieses Machtwort wird nicht gesprochen. Das Regime, das die demokratischdreiheitliehen Elemente gegen sich hat, möchte nicht auch noch die Reaktionären vor den Kopf stoßen. **“ Die Juden aber, dieser historische Prügelknabe, müssen die Zeche bezahlen. * Freilich. Prügel* und Pogromfreiheit darf es nur in Polen geben —* wenn Danzig das löbliche Vorbild nachahmt, dann wird polnischerseits protestiert. Die Danziger!Nazi lassen sich aber ob dieser Proteste keine grauen Haare wachsen; sie waschen ihre Hände in Ün3chuld: Die Pogromhelden — das wären nur Polen...! Die Nazi haben andSfe ■Methoden, um den Juden heimzuleuchten... — Aber auch Berlin hat sein Herz für die — Pogromopfer in Polen entdeckt. Man tut dort stark entrüstet und verweist mit Emphase darauf, wie die J-udenfrage in Deutschland — »gelöst« wird —־ mit Hilfe »kultureller« Methoden, ohne Pogrom und ohne Judenbänke.'Lebte der selige Scholem Alejchem noch, er könnte eine erquickliche Satire darüber schreiben, wie sich jeder der Juden — annimmt! > * Diese »kulturellen Methoden« der Nazi sind hinlünglieh bekannt. Nun werden sie durch eine besondere Aus- Stellung »Der Ewige Jude« neuerdings ^manifestiert, und zwar unter Patronanz des be-riihmten »Stürmer«- Streicher. Alles, was die Juden diffamieren soll, wird hier »wissenschaftlich« ziisammengetragen, und Herr Streicher tut sehr erstaunt, daß die Juden ob dieser »Darstellung« ihres »Volkslebens« uoch unzufrieden sind... Wenn er aber die Veranstaltung dieser »Schau« al׳s Wanderausstel- Jung in ganz Deutschland empfiehlt, so bleibt er doch auf halbem Wege stehen: Nicht nur in ganz Deutschland — der ganzen Kulturwelt sollte diese »Ausstellung« vorgeführt werden, damit sie erkennt, welch »geistige Kost« heute dem »Volk der Dichter und Denker« vorgesetzt werden darf... * ’■ Die Nazi haben die Moral und die Kultur in Pacht genommen. Wenn ihnen das Malheur passiert, daß einer ihrer Maulhelden »anders als die andern« ist, dann sind sie um Ausreden nicht in Verlegenheit. Die Voraussetzung ist, daß der »Nationalheld« zur Stange ,hält und keine Opposition gegen die »!Führer« wagt. Das »Urteil« gegen Röl im und Genossen war »rechtens«, weil sie eben eigene Wege gehen wollten. Wenn aber Herr Rutha, der Unterfiihre.r der Sudetendeutschen-!Nazi, wegen arger perverssexueller »Eigenarten« ,verhaftet wird und durch Selbst- -inord sich selbst richtet, dann findet man, daß er wohl »als Mensch gefehlt«, aber als »Politiker Großes geleistet hat« und möchte ihn am liebsten als »Nationalheld« heiligsprechen. Vielleicht werden wir bald noch ein — »Rutha-Lied« zu hören bekommen...! * Der Herzog von Windsor muß seine »Studienreise in Deutschland« mit einev zweiten Abdikatiou be- ,.zalR^n. Dpl^er sdje ,Verhältnisse im Nazireich aus eigener Besser Krankheiten vorlieugen, als sie verspätet heilen. Dieses alte Sprichwort bewährt sich auch heute noch, besonders bei der Zahnpflege. Die!Gesundheit der Zähne wird durch fäulniserregende Speisereste ständig gefährdet. Gerade deshalb ist eine regelmäßige Reinigung 'mit Alpa*Zahncreme äußerst wirksam, weil sie Speisereste entfernt und deren Gärung verhindert. Einzig und allein der Arzt heilt kranke Zähne und entfernt ׳Zahnstein, aber die Alpa-Zahncreme unterstützt die Erhaltung gesunder Zähne. — Und zum Gurgeln, zu Massagen und für Um- Schläge bewährt sich schon lange und gut der Alpa- Franzbranntwein. SSigft ®ft; Der Qvat und. «fie Todifer des Habbi Eine ostjüdische Volkssage. Bearbeitet von J. Krepp e 1. Es geschah in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, in einem Städtchen weit im Norden Polens. Das Städtchen• gehörte zu dem Besitz des Grafen Karol Lükaszewski, der unweit desselben auf seinem Schloß residierte; Im alten Polen erfreuten sich die Schlachzizen weitgehender Privilegien und fast uneingeschränkter Macht- Vollkommenheit; sie waren buchstäblich Herren über Leben und ׳Vermögen aller Bewohner ihrer Güter, übten eine Art Gerichtsbarkeit aus, durften die schwersten Strafen, selbst die Todesstrafe verhängen. Beschwerden beim König hätten in den seltensten Fällen Erfolg, oft sogar zogen sie neue schwere Strafen nach sich. ׳Im'Gegensatz zu Arielen anderen Standesgenossen, die nur allzuoft die Juden verfolgten, war Graf Lükaszewski den Juden seines Besitzes überaus gewogen. Er überhäufte sie buchstäblich mit Wohltaten, Als die alte Synagoge einer Feuersbrunst zum Opfer fiel, schenkte er der jüdischen Gemeinde Holz und Ziegel zur Erbauung einer neuen Schul. Alljährlich pflegte er dem Vorsteher der Gemeinde zu Pessqch einen namhaften Betrag zur Verteilung an Arme und Bedürftige zu übermitteln, desgleichen am Vortage des Neujahrsfestes. Jom-Kipur zu »Kol-Nidre« kam er in die Synagoge, um den G—tiesdienst anzuhören; zu Sukkoth ließ er durch seine Knechte einige Wagen Tanneuzweige als »Szchach« für die Sukkoth ins Städtchen bringen, und mit dem Einsetzen der Herbstkälte brachten Fuhren aus der Hofverwaltung Holz und Kartoffeln zur Verteilung an die unbemittelten Juden, Mit einem Worte: die Juden konnten sich keinen besseren Herrn wünschen und schlossen den gnädigen Grafen in ihr tägliches Gebet ein, Ganz besondere Verehrung brachte der Graf dem alten Rabbi des Städtchens entgegen. Er schätzte seine Weisheit sehr hoch und pflegte sich bei ihm oft Rat in geschäftlichen und politischen Angelegenheiten holen. Viele Jahre hindurch blieb dieses Verhältnis zwischen Graf und Juden ungetrübt — aber eines Tages trat eine radikale Veränderung ein. Der Graf war wie umgewandelt, So oft er ins Städtchen kam, zitterten die Juden vor Angst ~ und diese war nicht unbegründet, denn der bisherige wohlwollende Herr hatte sich zum launenhaften Bedrücker gewandelt, dem nichts paßte ,und der jede Uebertretung seiner Anordnungen mit harten Strafen belegte, Nach vie* len Jahren passierte es zum ersten Male, daß der Graf den Vorsteher, der Gemeinde von seinen Knechten öffentlich mit auspeitschen ließ, daß er einen jüdischen Pächter wegen rückständigen Pachtzinses, ans seinem Hause hinausjagte, daß er seine Hunde auf die Juden hetzte und ver- ־;י י ,•»■4 •־. ־!,•׳ft _ *׳• ■׳-■ft-י,«; v Anschauung kenneniertfen wollte, das kan« ihm kein Mensch übelnehmen. Däß, er es aber , duldete* seitens der Nati vor ihren Propagattdawage» gespannt zu werdet*, das habe« die Amerikaner nicht verstehet* wollen und so hat er eioeu wiufe; bekommen, seiaeö Besuch lieber anderswo 2u machen .,y Wer mit den Nazi ißt, stirbt daran . >. ‘ * ■ In B u d a p e s t ist ■ angeblich eine geplante kommu* nistische Verschwörung aufgedeckt worden. Das wäre nichts Nettes. Neu aber ist, was der »Völkische Beobachter« darüber zu melden weiß: Es wurde hiebei ein voll* ständig ausgearbeiteter Plan gefunden, dem der Gedanke zugrunde liegt, an Stelle von Palästina — Ungarn zu einem großen zionistischen Staat zu machen, der itt engster Zusammenarbeit mit1 Sowjetrufiiand aufgebaut werden soll, —* Diese Iet2te Stelle versieht das nazistische Haupt* organ selbst mit einem Fragezeichen, wohl aus der Emp* Findung, daß dies auch• für die präpariertesten Leser ein etwas zu starker Tabäk lein müßte, Alles übrige aber zu glauben, das darf ihnen •schon zugemutet werden. Ja, der Herr Schriftleiter kennt die Seele seines — Lesepubli* kums! 1 S p e c t a 1 o 1*. Dr Oetker’5 Backpulver b a c k 1 N UtUeäufsSmokei Die Arbeit für das Preßbiirger Jeschiwo-Internat. Die Vorarbeiten ■ zwj־ ־ Realisierung des erhabenen Planes nach Errichtung *eines Internats für die Preßburger Jeschiwo, über die hier״schpn einigemale berichtet wurde, beginnen schon konkrete^'Formen anzunehmen. Der Vollzugsausschiiß, der bereits einige Wochen in Aktion ist, berief auf vergangenen .Sonntag eine Sitzung des erweiterten Komitees zusammen, dem die prominentesten Personlichkeiten aus den verschiedensten Kreisen der Preßburger Gemeinde angehören, d*e auch vollzählig erschienen waren. Auf Wunsch di§3 Vollzugsausschusses war zu diesem im Sitzungssaale-der orth. isr. Kultusgemeinde stattfindenden Vollsitzung!’aueb vSe., Ehrwürdemi Hera; Oberrabbiner Schreiber erschienen. Die einleitende, Ansprache1 hielt Öberräbbiner Schreiber,' in der er von der Bedeutung des zu schaffenden Werkes und über seine diesbezliglichen Wünsche spi'äöh. An der darauf eröffneten Debatte beteiligten sich fast sämtliche Anwesenden, die alle einmütig־ warmes Intöresle und richtiges Verständnis für die Sache bekundeten dhd bezüglich der Art der Durchfiihrung der Aktion für1 diesen Zweck ihre Anregungen und Vorschläge vorlegtäh. Die nunmehrige Zusammen- Setzung des Komitees läßt es erhoffen, daß die Vorarbeiien bald so weit gediehen sein werden, daß die Grundsteinlegiing zum Internütsbau schon in kürzester Zeit wird stattfinden können.! '0hatont. funinut‘ mo*b schiedene Willkürakte seiner Verwalter und Knechte gegen die Juden schmunzelnd *duldete. Die Juden konnten sich die Gründe dieser Wandlung־ nicht erklären. Wohl wären ihre Glaubensbrüder derartige Launen seitens der Schlachzizen gewohnt. Aber Graf Lukaszewski war ja bisher' anders als seine Standesgenossen. Dahinter mußte irgend ein Geheimnis stecken. Der einzige, der darüber Gewißheit haben konnte, war der alte Rabbi, den der Graf nach wie vor oft besuchte. Aber immer wieder verließ er das Haus des Rabbi in übelster Stimmung und nacli jedem dieser Besuche konnte der Rabbi seine während Vier Unterredung ausgestandenen Qualen nicht verbergen; *Trotz allem Drängen weigerte sich jedoch der Rabbi, Aufklärungen zu geben und pflegte nur immer zu antworten: der 1. G—tt wird schon helfen! So rückte das Ende des Sommers heran. Die übliche Spende des Grafen zu Neujahr blieb aus, ebenso sein Besuch in der Synagoge zu »Kol-Nidre« und die »Szchach«- Spende Als die Herbstkälte einsetzte und wiederum die Holz- und Kartoffelspende ausblieb, da ahnten die schwerbedrückten Juden, daß es sich beim Grafen nicht um eine vorübergehende Laune handelte, sondern um eine ernste Verstimmung־, die noch viel Böses zur Folge haben könnte. Und so versammelten sie sich bei ihrem Rabbi und bedrängten ihn, doch den Schleier von dem Geheimnis zu lüften. Lange wehrte sich der Rabbi dagegen, aber schließlich mußte er einsehen, daß er doch eines Tages mit der Wahrheit werde herausriieken müssen uncl so erzählte er den Sachverhalt: Bei einem seiner Besuche im Hause des Rabbi erblickte der Graf die einzige Tochter desselben. Chana, obwohl erst fünfzehnjährig, war körperlich über ihre Jahre hinaus entwickelt und noch dazu eine Schönheit ersten Ranges, eine zweite Sulamit, wie sie iq »Schir-Haschirim« geschildert wird. Der Graf entbrannte in eine tiefe Leidenschaft für das junge Mädchen und trotz aller Bitten des Rabbi wollte er von seinem Vorhaben« nicht ablassen, sie als seine Gattin heimführen zu können. Da der Rabbi trotz aller Drohungen seinen Widerstand nicht aufgeben wollte, änderte der Graf sein Verhalten gegenüber den Juden, in der Annahme, er werde auf diesem Wege den Rabbi mürbe machen, Er, der Rabbi, hoffte und hoffte noch immer, daß der 1. G—tt den Sinn des Grafen ändern werde; er wollte die Gemeinde nicht beunruhigen. Aber da der Graf hartnäckig bei seinem Verlangen blieb, muß er ihr doch reinen Wein einschenken; er bitte sie aber, die Hoffnung nicht aufzugebeu -- es werde sich noch alles zum Guten weuden. Allenfalls habe sich der Rabbi veranlaßt gefunden, seine Toehitee so bald als möglieh zu verheiraten. Er habe sie bereits, mit dein Saline eines reichen Juden aus; einem Naehbarstädtcben verlobt, und die Hochzeit soll bald stattfinden. Da das Städtchen einem anderen Graten gehört, der noch dazu mit Lubaszeivski ira Unfrieden lebt, werde Nr. ,ff.:;! Generalversammlung des jüdischen Waisenhausvereines h Bratislava. * ' Vorigen Stmntig hielt der jüdische Waisenhausterein der einer der ältesten philanthropischen Vereine Preßbttrgs ist, eine Jahresversammlung unter Vörsit2 seines Präses* des Herrn Generaldirektor A. Gestetner, ab. Vor■ sitzender, der einen genauen Tätigkeitsbericht über das tergangeüe iGeschäftsjahr 1936 erteilt, hebt das iÖOjährige Bestehen dös Vereines hervor, aus welchem Anlaß eine inhaltsreiche;Broschüre über Geschichte und Leistung des Vereines herausgegeben wurde. Er berichtet ferner, däf der ,Plan nach Einleitung einer Aktion zum Anlasse des Jubiiäumsjahres bisher infolge der Belastung der Allge meinheit durch die Bautätigkeit jüdischer Institutionen nicht ausgeführt werden konnte, was jedoch schon mii Rücksicht auf das hohe Defizit, mit dem der Kassaausweis schloß (über Kc 6000.—) und der erhöhten Anforderungen die an das Vereinsinstitut, das nunmehr 25 Zöglinge be■ treut, gestellt wird, in der nächsten Zeit doch geschehen muß. Herr Komm.*!Rat A. Karpfen wird mit der Ztisammensetzung eines Komitees betraut, das die Aufgabe habei soll, die Sammlung von Jubiläumsspenden durchzuführen Nicht Unerwähnt darf die Tatsache bleiben, daß der Tatigkeitsbericht erfreulicherweise von einem Öfteren Bdsuc|i der Thoralehranstalten durch die im Waisenhause erzo ״enen Kinder zu berichten weiß. Und dies vornehmlich dank der Umsichtigen verständnisvollen Leitung des Waisenvaters, des Herrn S. Lustig, dem die Generalver- Sammlung Dank und Vertrauen aussprach. Dajon-Wahl in Mukacevo und Kosice, Am vergangenen Sonntag fand in Mukacevo die Wahl eines Dajons statt, bei der nebst dem bereits 5 Jahre provisorisch wirkenden Dajon Rabbi 1N. S. Schlüssel noch zwei Dajonim kandidierten. Die Kandidation war eine rein formelle, zumal Genannter seinen hohen Posten schon mehrere Jahre makellos versieht und eine Dajonim-Wahl nur im Rahmen einer Generalversammlung abgehalten werden kann, wo er nun definitiv gewählt wurde. Auch in Kolice werden zufolge der Erkrankung eines Dajons die Vorbereitungen zur Wahl eines neuen Dajons getroffen. Die Kadidierungskommission ist schon eingesetzt, die nun die Kandidationen zu prüfen und die Wahl zu bestimmen hat. P.K.R.s orth. Landeskanzlei für die Regelung der dortigen sozialen Frage. Die orthodoxe Landeskanzlei in Podkarpatskä Rus geht nun erfreulicherweise an das in dieser ■Gegend gan2 besonders schwierige soziale Problem heran und es will unter Mitarbeit der in ■Betracht kommenden Kreise und Wohltätigkeitsinstitutionen einer Lösung näherbringen. Zu diesem Zwecke hat sie für den vergangenen Sonntag nach Uzliorod eine Sitzung einberufen, an der sich Vertretei aus den Gemeinden, Chewfa Kadischas und sonstigen philanthropischen Vereinen beteiligten und dieses ,Problem ernst behandelten. Ueber die Beratung selbst und den dort gefallenen Anregungen und Vorschlägen wollen wir noch zuriiekkommen. Mederer Raw, Rabbi Simon Satin. צ״ל? Wieder wurde in die!Reihen der slowakischen ürthodoxie eine schwere Lücke geschlagen. Die Besten werden uns geraubt, ohne Ersatz für sie zu finden. Am vergangenen Donnerstag abends hat der Tod seine kalte Hand nach dem Mederer Raw ausgestreckt und ihn in das Reich der Ewigkeit geführt.■ Entsetzt’ horchen bei dieser '!Nachricht dieje11igeh-׳attf,s*die*:'e׳s‘ wiäseri;1 ׳WCri:und’nSVäs er war und mit schrecklichem Schmerze tönt der •Ruf: -׳• גדול נפל בישראל■ Jisroel wurde eines seiner Größten ■ verlustig. Der Niftar war ein Godaul ■Bethora und Jore, der sich durch sein hervorragendes tiefes Wissen und seine beispielgebende Bescheidenheit die Sympathie der jiidisehen Gelehrtenwelt weit über die Grenzen seiner Gemeinde hinaus erworben. Das Urteil seiner Meister, der Schewet Sofer und Rabbi David Lakenbach s. Z. 1., die ihm schon als Bachur einen der Großen und Bedeutendsten unseres Zeitalters in bezug auf seine Thorakenntnisse bezeichneten, geutigt Chana seiner Begierde entrückt sein, sobald sie nach der Hochzeit ins Haus ihrer Schwiegereltern ziehen werde; der Graf aber, die Aussichtslosigkeit seines Verlangens erkennend, werde sich damit abfinden und auf hören, die Juden zu drangsalieren. Sie müßten nur noch ein wenig Geduld und G—ttvertrauen haben. Die versammelte Gemeinde billigte das Vorgehen ihres geistigen Oberhauptes und erwartete mit Sehnsucht den Tag־, an dem die Hochzeit der Rabbitocliter gefeiert und diese dann das Städtchen verlassen werde. So geheim dieser ganze Plan auch gehalten wurde — Graf Lükaszewski erhielt doch im letzten Moment!Kenntnis hiervon und seine Wut steigerte sich zur Raserei. Er ließ den Rabbi und die Vorstandsmitglieder der Gemeinde aufs Schloß kommen und erklärte ihnen: ei mache das »jus primae noctis« (das »Recht der ersten Nacht«) hinsichtlich der Tochter des Rabbi geltend. Unmittelbar nach der Trauung habe die Braut bei ihm zu erscheinen, um die Brautnacht mit ihm zu verbringen. Er werde bis Mitternacht warten. Erscheint sie nicht, so werden noch in der Nacht seine Knechte den Rabbi und den ganzen Vorstand in grausamer Weise hinrichten und samtliehe Juden des Städtchens, mit Weib und Kind, aus diesem hinauspeitschen. Der Rabbi versuchte das Herz des Grafen zrr erweieben. Dieser ließ ihn jedoch nicht zu Worte kommen, wies den Juden die Tür und rief ihnen nach: »Ihr habt meinen Entschluß vernommen! An euch liegt es nun, zwischen Tod und Leben zu wählen! Jede Widerrede hat keinen Zweck!« Tief betroffen, zu Tode erschüttert, kehrten der Rabbi und die Gemeindevorsteher ins Städtchen zurück. So groß auch ihre Äugst war, keiner dachte auch nuv einen Moment daran, den Launen des Grafen nachzugeben. Eine jüdische Tochter darf dieser furchtbaren Sünde nicht ausgeliefert werden, mag kommen was immer — lieber Tod als Schande und Sünde! Und so wurde denn die Hochzeit Ghanas unter den üblichen Zeremonien gefeiert, das Hochzeitsmahl verzehrt — und dann versammelten sich alle Juden in der Synagoge, der kommenden Dinge harrend. In der We'iberschul ^aren alle Frauen und Rinder beisammen. Die Männer rezitierten Psalmen, die Frauen sagten »Techinot« — es wurden bittere Tränen vergossen — aber alles blieb standhaft. Kein Nachgeben! ״ ln seinem Schlosse wartete der Graf in rasender Unged.uld. Seine Knechte mit ihren Marter- und Mordwerkzeugen standen bereit, nm auf seinen Befehl ins Städtchen zu marschieren und ihr blutiges Werk zu vollziehen. In der Hoffnung, daß die Judeu im letzten Moment doch nachgeben würden, ließ der Graf gleichmtig in seinem Salon für sich und die junge Braut ein herrliches Mahl vorbereiten, die teuersten Weine und die erlesensten Leckerbissen sollten ihm die Befriedigung seiner Lust versüßen. (Schluß folgt.)

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