Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 23 (1937)
- Issue
- 38 (5.11.1937)
- Date
- 1937-11-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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j ui/iuviiur 1־ uujuu h? ־* Tx-s v c־L- '. \*יזי? sfr; V‘\/ 'JW: r SiT Die Geschichte eines Versuche«?. Von Df. Isaac .Bf euer. Wie bringen diesen Aufsatz mit Rücksicht auf die׳■; Persönlichkeit des Verfassers, dem aber auch die Verantwortung für ,Form und Inhalt überlassen werden mail. ׳ Die Red. In zwangloser Folge möchte ich hier der agudisti* scheu Öeffentlichkeit über die einzelnen Stadien eines Versuches Rechenschaft ablegen, dessen Gelingen der gart* zen agudistischen Praxis im Heiligen Lande und damit der Aguda selber die entscheidende Wende zu fortschreitendem Aufstieg geben kann, dessen Fehlschlag Konsequenzen haben muß, deren verhängnisvolle Reichweite überhaupt nicht abznsehen ist. Es handelt sich um den Versuch, den Keren!Hajischuw zu einem leistungsfähigen Instrument für die Verwirklichung der agudistischen Ziele im Heiligen Lande zu gestalten, die zusammengefaßt im Aufbau einer G—tt und seiner Thora treuen und gehörsamen Menschengemeinschaft bestehen. Es soll , aber dieser fortlaufende Rechenschaftsbericht nicht nur der eigenen Klarheit und der eigenen Selbst- , kontrolle dienen, er soll vielmehr auch alle Gleichgesinnten zu tätiger Mitarbeit anrufeti, daß sie bei einem Unternehmen Hilfe leisten, das die Kräfte einzelner bei weitem übersteigt, und er soll zugleich Mißverständnisse zerstreuen, die gerade bei einem solchen Unternehmen nur zu leicht entstehen, und auf Hemmungen rechtzeitig aufmerksam machen, die in ihren Auswirkungen alles vereiteln können, wenn nicht die Kraft der öffentlichen Meinung sie beseitigt. Qer Versuch hat an und für sich schon mit solch großen, gewissermaßen in der Natur der Sache liegenden Schwierigkeiten zu rechnen, daß er eine — Gegenaktion innerhalb der Aguda selber schlechterdings nicht verträgt, daß jede Gegenaktion, wenn sie nicht in ihren ersten Ansätzen erstickt 'wird, zu sofortiger Aufgabe des Versuches zwingt, wenn man Wert darauf legt, sich nicht an eine aussichtslose und damit lächerliche Angelegenheit zu vergeuden. Ich lege Wert darauf. " ׳ / : . . ' ' . ' . I. , Die dritte Kenessio Gedaulo hat die Begründung eines Generaldirektoriums des allweltlichen Keren Hajischuw mit dem Sitz in Jeruscholajim genehmigt. Der von ihr neu gewählte Waad Hapoel hat mich mit der Leitung des General,direktoriums betraut. Ich habe die Annahme dieses Amtes von Bedingungen abhängig gemacht, die im einzelnen noch zu besprechen sein werden. Hier genüge die Feststellung, daß die Bedingungen, die sich sämtlich auf die Kompetenzen, des Generaldirektoriums in sachlicher Hinsicht bezogen, Genehmigung gefunden haben. •Die Lage, die ich nach meiner Rückkehr von Marienbad ׳ antraf, war noch weit ernster, als zur Zeit meiner Abreise. Sie gestattete mir keineswegs, mit dem Beginn der sachlichen Arbeit zu warten, bis das Generaldirektorium endgültig zusammengesetzt wäre. Die Personalauswahl ist schwierig, das Interesse und die Eignung stellt sich vielfach erst im Laufe der Arbeit s.elber heraus, die Genehmigüng der Kandidatenliste durch den vielgliederigen und über die Welt zerstreuten' Waad Hapoel äst zeitraubend. Unerläßlich erschien es mir ,daher, sofort ein A r b e i t sbiiro zu schaffen, um alsbald mit' der Arbeit beginnen zu können. Ein noch so gut zusammengesetztes• Direktorium ehrenamtlicher Mitglieder ist wertlos, wenn Arbeitskräftenicht 2: vorhanden• bsiiid.i!׳Hierüber< •habe ־ ich•! mit!;;Beziehungj auf die Weltaguda bereits vor der K. G.' alles Erforder• liehe gesagt.. Es lag mir völlig fern, hinsichtlich des neu Wann sollen wir uns die Zähne putzen? Nach ärztlicher־ Anempfehlung nach jeder Mahlzeit, zumindest aber am Morgen und Abend. Am wichtigsten ist das Zähneputzen am Abend, weil sich über Nacht zwischen den Zähnen Speisereste zersetzen können und Zahnfäule^ ver- Ursachen.. Deshalb empfiehlt sich besonders, Alpa- Zahn-, creme' ,zu verwenden, weil dieselbe Speisereste entfernt und dadurch deren Gärungsvorgänge verhindert. Zur tägliehen Gesundheitspflege gehört aber auch das Gurgeln mit verdünntem Alpa-.Franzbranntwein. / Bei Ermüdung, rheumatischen und neuralgischen Schmerzen bewähren sich leichte Alpa-Massagen. Zu konstituierenden Keren Hajischuw die Fehler der Weltaguda zu kopiereu. Mi• * Die Errichtuhg ,eines Ärbeitsbüros kostet Geld. Geld war nicht vorhauden. Leider hatte weder die K, 0* noch der neu gewährt^, Waad Hapoel Gelegenheit, diese Schwierigkeit zu beseitigen. Auch ׳ ein etwa zuvor zusamt* mengestelltes Genepald|rektorium wäre über weise Rat* schlüge nicht hinausgekpmüien. Die Aguda unterhält irii Heiligen Lahde bereits zwei zentrale Büros: Das Büro der sogenannten Sochnuth in Jeruscholajim, die gemäß der in Marienbad getroffenen Regelung künftighin die. Angelegenheiten der agudistischen Politik im Auftrag und nach Weisung des Waad Hapoel wahrnehmen und das Erziehungswesen betreuen soll, sowie das Büro der Zentrale unserer agudistischen Arbeiter- Organisation in Tel AVrv. Ich hielt es angesichts unserer ganzen Finanzlage für'Völlig unverantwortbar, ein drittes Zentralbüro mit all Seihern zwangsläufigen Mehraufwand einzurichten. Nur diev Zusammenlegung mit einem der! beiden bereits vorhähdenen Büros könnte in Betracht kommen, Die Zusammenlegung mit dem Büro der Sochnuth widersprach aber völlig der in Marienbad ins Auge gefaßten Neuordnung, die auf eine durchgängige Trennung von Sochnujh und Kdi־en Hajischuw abgestellt ist. Andererseits soll getnaß dieser Neuordnung die agudi3tische Arbeiterorganisation der Kompetenz der Sochnuth erttzogen und lediglich ,dem Direktorium des Keren Hajischuw unterstellt Werden, in dem sie eine Vertretung zu erhalten hat, ׳die• ihr einen gewissen Einfluß auf seine Geschäftsführung sicliört, So blieb nur die Zusammenlegung mit dem Büro lihserer Arbeiterzentrale übrig. ־ Ich habe diesen Schritt getan und auf diese Weise ohne irgendwie in Befracht kommende Mehrkosten dem Generaldirektorium eiri Arbeitsbüro geschaffen, das mir den sofortigen Beginn ’der Arbeit gestattete. In dankens- Werter Weise haben die hauptamtlich tätigen Mitglieder unserer Arbeiterzentrale! den außerordentlich erheblichen Zuwachs an Arbeit ohne Anspruch auf irgend welche Gehaltserhöhung.־ auf siclF genommen. Eine Ueberfiiluun^ des Büros unserer Arbeiterzentrale nach Jeruscholajim erwies sich als unmöglich. Tel Aviv ist nun einmal die Hauptstadt der Arbeit. Auch die Zentrale der ׳HistadrutK Haowdiin befindet sich dort und nicht in Jeruscholajim. 3,Schon rein verkeil!•«technisch sind die einzelnen Ortsgruppen unserer Arbeiterorganisation von Tel Aviv aus bei Weitem leichter erreichbar, als von Jeruscholajim. Die persönliche Fühlung zwischen Arbeiterzentrale und Arbeitern kann nur in Tel Aviv aufrechterhalten und in t e ns i vi e rtl:w erden. Auch für das Direktorium . selber, dem die Arbeiterorganisation und die Kibbuzim, die in bequemer ReiÖh^eite von Tel Aviv liegen, unterstellt sind, ist es von* hohem Nutzen, wenn sein Leiter durch Verlegung seiQ^^rbeitsbliros nach Tel Aviv genötigt ist, jede Woche,ihihdestens 3 Tage in Tel Aviv anwesend zu sein. Ich';häbe^in den wenigen Wochen seit der Verlegung des ArbeifWüros nach Tel Aviv mit unseren Arbeitern und Kibbü^ji^ übrigens auch mit• den Leitern unserer Schulen, mefi®?;.E1ihlühg bekommen, als während der ganzen verga11geu<||׳ ixA Jahre meines Aufenthaltes im Lande. Die Tätigkeit .Wes Arbeitsbüros, auf die,ich noch zurückkomme, v.011ziel^|ich bis jetzt durchaus zufriedenstellend. ' ' Es darf jedoch nicht verschwiegen . werden, daß bereits dieser erste Schritt, über dessen sachliche Zweckgebotenheit nicht der mmdeste Zweifel möglich ist, auf verkennenden und aufwiegelnclen Widerspruch stieß. Man hat Vertreter lyiserer^cluilen zu einjer 'Sitzung nach Jeruschplajiin zusammenpefufen und sie gegen die Maßnah-: hie feierlichen Protest erheben lassen!’ Die Wochenschrift »Kol Jisrael«, ■•'die michnbcreits bei meiner Rückkehr aus Marienbad mit einem'einigermaßen üblen Artikel empfangen hatte, erging sich in finsteren Andeutungen, die nichts Gutes ahnen lassen. Zuschriften aus dem Ausland beweisen mir, daß. die .Finst'eriiis bereits um sich greift. Man munkelt, ich Wolle den Keren Hajischuw den Arbeiterfiihreru ausliefern. Die1 Wochenschrift »Kol Jisrael«, wenn ich ihre Andeutungen'recht verstehe, zittert sogar schon davor, daß ich den K^eW Hajischuw von Vier,— Aguda trennen wolle. ־'/ Demgegenüber•^eiJ festgestellt, daß es sich bis jetzt in der Tat um nichts bilde res gehandelt hat, als um die schleunigste Einrichtung feines Arbeitsbiiros, ohne das bekanntlich selbst nur der Beginn jeder Arbeit unmöglich ist. *r4\y Dee. 3aaZ^<Scfaezu in Mmnbuvff (Eine chassidische Erzählung.) Bearbeitet von J. Kreppei. In seiner Vaterstadt, in dem kleinen litauischen Städtchen, kannte man ihn bloß unter dem Namen »Heb JaköW*,. obwohl er eigentlich ein angesehener Kaufmann war pncl zu den wohlhabendsten ׳Bürgern im Orte gehörte.;Dgs -Prädikat •»:Reb« erhielt er aber wegen seiner bekann- ‘,tan Frömmigkeit. Reb Jakow war allerdings kein großer : Schriftgelehrter; als Sohn einer armen Witwe, die sich sehr abrackerte, um den Lebensunterhalt für sich und ihn zu verdienen, mußte er, kaum 14 Jahre alt, den Kampf ums Dasein aufnehmen und ans Geldverdienen denken, in einem Alter also, in dem seine Altersgenossen im Städtchen noch im Cheder saßen oder, wenn sie besonders befähigt waren, bereits im Beth-iHamiclrasch allein »lernten«. Das bißchen Thora, das er im Cheder lernte, geriet auch nach und nach in Vergessenheit, als unser Jakow fast zwei Jahrzehnte hindurch täglich 12—14 Stunden im Lebensmittelladen arbeiten mußte, um sein Brot zu verdienen. Aber fromm und g—ttesfiirchtig blieb er dennoch; täglich besuchte er morgens und abends.? die Synagoge und betete mit großer Inbrunst. Sabbat und Feiertage verbrachte er immer fast ganztägig im Chassidim-Stübel, rezitierte Psalmen oder hörte den »Massios« zu, die einige alte Chassidim immer von den großen Zadikim zu erzählen wußten. Zweimal Jährlich fuhr er auch zum Rabbi von L., der bei ihm als Enkel des berühmten Baal-Schem besonders hoch im Ansehen stand. Als er endlich etwas Vermögen zusamtnenbrachte und mit Hilfe der Mitgift seiner Frau einen eigenen Laden führen konnte, erhielt ״er den Titel »/Reb Jakow«. Das Geschäft ging ziemlich gut und der Wohlstand Reb Jakows wuchs —- bis eines Tages der Zorn des Ewigen die kleine Gemeinde heimsuchte. Ein furchtbarer Pogrom vernichtete Hab und Gut aller dortigen Judeu und auch Reb Jakow stand plötzlich ganz mittellos da. Da setzte im Städtchen eine Emigrationsbewegung nach Amerika ein — fast alle Juden verkauften das letzte und schifften sich nach dem Dollarlande ein. Auch Reb Jakow entschloß sich nach langem Zögern zu einem solchen Schritte. Frau und Kinder blieben im Städtchen — er aber griff zuni Wandetpu^ begab sich nach Newyork, wo einer seiner Verwandten;, bereits seit einem Jahrzehnt Wphnte‘und es zu großem;Wohlstand brachte. « Reb; Jakow war vöin;jugend auf ab :schwere Arbeit gi&whhhw Auch inr Dollarlande scheute er keine Arbeit Uhd^keiite^MUhe; ־um es auf einen grünen Zweig zu brinT gen״,. Aber das GlUök blieb*ihhi versagt hauptsächlich des Wägern weil er auch in der Neuen Welt seiner'Frommigkeit treu blieb und‘Jes besonders mit der Beobachtung des Schabbos sehr genau nahm. Da mußte er nur allzu oft »feiern«, verdiente auch‘sonst nur sehr mäßig, und da er einen Teil seines kargen Verdienstes an Frau und Kinder schickte, konnte er sich nur mangelhaft ernähren, kam physisch immer mehr h'erab und wurde schließlich ernstlieh krank. Seine Landsleute uiid Freunde nahmen sich seiner an und־ unterstützten ihn eine Zeitlang. Aber immer mein• kam Reb Jakow zur Ueberzeugung, daß er sich für Ame- .rika nicht eigne. So taten denn die Landsleute ein übriges veranstalteten unter sich eine Kollekte und brachten das notige ■Reisegeld auf, um; Reb Jakow die •Heimreise zu ermöglichen. Es war gegen .Sommerende, als!Reb Jakow den Dampfer bestieg, um in! seine Vaterstadt, zu Weib und Kinder, zurückzukehren:, Die »furchtbaren Tage« rückten heran und Reb Jakow wollte diesmal wiederum das Neujahrsfest bei seinem Rabbi verbringen. Er hatte es sich genau ausgerechnet, daß; er ,vier Tage vor dem Neujahrsfest in Hamburg ans Land gehen werde, hinreichend genug. um noch am Riisttage des großen Festes beim Rabbi anzulangen, : ' Aber der Mensch ddnkt und G—tt lenkt. Um billig fahren zu können, machte Reb Jakow die Ueberfährt auf einem alten Kasten, der ziemlich langsam deu Ozean überquerte. Der Fahrplan kqhiite ohnehin nicht genau eingehalten werden; dazu kam noch schlechtes Wetter, Nebel und Sturm, die den Dampfer zur Verlangsamung der Fahrt zwangen. Und so konnte Reb Jakow ausgerechnet am Rüsttage des Rosch-iHascJianah in Hamburg das Schiff verlassen. Seine Mittel waren sehr knapp und langten kaum für die Bahnreise in die Heimat. Müßte er noch irgendwo Halt machen, dann wirds nicht mehr so weit reichen. Am Dampfer wurde vor der Landung bekanntgegeben, daß 1111mittelbar darnach ein Sonderzug nach Berlin abgeht, den die Schiffspassagiere um die Hälfte des Normalfahrpreises benützen könnten. Eiheni!׳Mom,eht lang kämpfte Reb Jakow gegeu die Versuchung, diesen Zug zu benützen. Er würde nicht nur einige Mark ersparen, sondern auch in der großen Judengemeinde Berlin leichter Unterstützung und Unterkunft finden können, als in* ,Hamburg. Aber — dieser Sonderzug sollte erst gegen 7 Uhr abends in Berlin eintreffen, genau um die Stunde, da des* Tag zu Ende gehe Utul das große Fest beginne. Vielleicht hat er wiederum Peöb |1nd auch der Sonderzug werde eine Verspätung erleiden, daup würde er den heiligen Tag verletzen... Nein, das kann und darf .nicht sein. Wollte er sich über die Sabbat- und Feiertagsruhe hinwegsetzen, dann hätte er ja in Newyork bleiben können. Jäa zählte Reb Jakow seine Barschaft, find, heraus, daß seih Geld, wenn er in Ham- •4* um מכ. . Der endgültigen Z11sammensetzung-׳׳cJes Generaldirektoriums ist in keiner Weise vorgegriffen. Zttr Bernhigung attfgere|ter GeMüter habe ich. atu Grttid der inzwischen wähfena der Arbeit bereits gewonnenen Erfahrung•, dem Präsidenten des Waad Hapoel eine •Kandidatenliste für das Direktorinm eingereicht, die selbst dein Blindesten oder Böswilligsten klarmacht, daß von einer Uebergabe des Keren Hajischuw an die Arbeiterführer keine Rede sein kann. Der Sitz des Direktoriums ist und bleibt Jeruscholajim. Gegenüber dem Direktorium als beschließender/ Behörde trage ich die alleinige Verantwortung für die Art der Ausführung seiner Beschlüsse, wobei ich mich eines Arbeitsbüros bediene, das uns so gut wie nichts kostet. Das ist alles. Derklare Sinn der Marienbader Beschlüsse war. tragbare Verhältnisse in Jeruscholajim durch Scheidung der Kompetenzen zu schaffen, Die Herren der Sochnuth haben, wenn sie sich, nebeh der Beschäftigung mit den politischen Dingen, um unsere Schulen ernstlich kümmern wollen, hinreichend zu tun. Ich möchte sie in ihrer schweren und großen Aufgabe nicht im mindestens stören, muß aber mit aller Entschiedenheit genau das Gleiche für mich in Anspruch nehmen. Es ist also nicht wahr, daß ich den Keren Hajischuw 'den Arbeitern ausliefevn will. Verleumdung ist es, daß ich, den Keren Hajischuw von der Aguda 10310sen will. Wahr ist, daß. ich arbeiten, konstruktiv und produktiv arbeiten will, damit wir endlich einmal praktisch vorwärtskommen und nicht zum Gespött der Welt werden. Wahr ist, daß ich die Arbeit sofort niederlegen werde, sobald ich erkenne, daß sie im Rahmen der Aguda sinnlos ist. Das Bild ist furchtbar. Wir stehen in Lebensgefahr, und ich raffe mit• in Eile ein Arbeitsbüro zusammen, um schleunigst mit Rettungsversuchen zu beginnen, und schon muß ich die Hälfte meiner Zeit damit verbringen, um nicht das agudistische Erez Jisroel, sondern das — Arbeitsbüro zu retten... Aber auch die aufgenommene Arbeit selber hat bereits ihre Geschichte. Ihr Schwerpunkt liegt in —־ Warschau. Davon das nächstemal. Vas Matästika-UeoMm 50.000 Bäume im Balfour-W&ld niedergebrannt. - In der Nacht vom 27. bis 28. Oktober war der ganze Jischuw erschüttert durch die Nachricht, daß der Balfour- Wald, die größte Aufforstungsanlage Palästinas, in Flammen steht. Die erste Reutermeldung, daß durch'den Brand mehr als eine halbe Million Tannenbäume bedroht sind, war etwas übertrieben, doch sind, wie bis jetzt bekanntgeworden ist, über 50.000 Bäume, ungefähr ein Drittel des Waldes, den Flammen zum Opfer gefallen. Da der Wald an mehreren Stellen zugleich brannte, hegt inan keinen Zweifel darüber, daß es sich um einen Vandalenakt der arabischen Terroristen handelt. Durch den brennenden Wald waren in der Nacht zahlreiche Ortschaften weit im Eniek hell erleuchtet. Bekanntlich bedeckt dieser Wald die Hänge der zahlreichen Hügel in dem Nazareth-Distrikt. Infolge des herrschenden Windes breitete sich, das Feuer sehr schnell aus. Durch vereinigte fast‘ übermenschliche Anstrengungen der jiidisehen Kolonisten der Umgebung, besonders jener aus Ginegar, sowie der Polizei aus Nazareth. Afuleli und Haifa, der Feuerwehrbrigade aus Hatlar Hacarmel unter der Leitung des Distriktskommissärs, gelang es nach mehr als vier Stunden, des Elementes Herr zu werden. ‘ In der gleichen Nacht wurde versucht, die. neue arabische Regierungsschule in Haifa niederzubrennen. Der Brand konnte schnell gelöscht werden. Rücktritt Sir Arthur Wauchopes. In der Sitzung des Unterhauses am Donnerstag,, den 28. Oktober, gab der Minister für die, Kolonien. Ormsby- Gore, bekannt, daß der jetzige High Commissioner für Palästina, General Sir Arthur Wauchope, Anfang 195S zurücktreten werde. Als Grund für den'Rücktritt Wauchopes wird dessen geschwächte Gesundheit angegeben. Gegen-; wattig• weilt High Commissioner Sir Arthur Wauchope in London, wo er sich wegen eines Augenleidens in einer Klinik behandeln läßt. Sein Zustand* hat sich soweit gebessert, daß er das Krankenhaus bereits verlassen konnte. bürg ein billiges Logis nehmen und vielleicht noch mit Hilfe des Rabbinats eine billige Verpflegung finden werde,־ ausreichen würde, um bis nach Berlin zu gelangen. Dort wolle er lieber den Betrag für die Weiterreise zusammenbetteln, als gerade am »furchtbaren Tage« eine solche Sünde begehen. Reb Jakow verzichtete also auf die Begünstigung des Sonderzuges, erkundigte sich am Hafen nach einem billigen Hotel, unterbrachte dort sein Gepäck und machte sich auf den Weg, um die Adresse des Rabbiners zu erfragen und für Betgelegenheit sowie für rituelle "Verköstigung Vorsorge zu treffen. ' Als er das Hotel verließ, war es gerade um die Mittagsstunde.׳ Seit Frühmorgens war Reb Jakow auf den Beinen; die Formalitäten der Landung wirkten überaus denervierend. Die lauwarme Luft schläferte ein und machte alle seine Glieder bleischwer. So konnte er sich kaum vorwärts bewegen lind da er gerade an einem kleinen Park vorbeiging, so setzte er sich auf eine Bank, um ein wenig auszuruhen. Vor Müdigkeit und Abgespanntheit fielen ihm bald die Augen zu, Da erschien ihm im Traum ein ehrwürdig aussehender Greis mit langem wallenden Bart, leuchtenden Augen und mildem Gesicht, streichelte sein Haupt und flüsterte ihm zu: »Mein Sohn, •du hast heute ein großes •Opfer zu Ehren der religiösen Vorschrift ten gebracht, das umso höher einzuschätzen ist, als du fast deine letzteu Groschen darb rächtest! Aber es wird deiu Schaden nicht sein: G—tt wird es dir tausendfach lohnen!« Reb Jakow erwachte, rieb sich die Augen vom Schlafe, blickte mit einiger Verwirrung um sich, reckte die müden Glieder und machte Anstalten, sich zu erheben,.. Doch was hat das zu bedeuten? Auf einer Parkbank, gerade ihm gegenüber, erblickte er eine ziemlich umfangreiche lederne Tasche.,, Er blickte scheu um sich, stellte fest, daß weit und breit keine Menschenseele zu sehen ist, trat auf die Bank zu, ergriff die Tasche, und versuchte sie zu öffnen, doch sie war fest verschlossen; er tastete den Inhalt ab und erkannte, daß die Tasche irgend welche harte Gegenstände enthalte, Kurs entschlossen verließ er den Park, erkundigte sich nach der Adresse des Fundamtes und begab sich ijorthin, um seinen Fund zu melden. Als er die Tasche am zuständigen Schalter hinreichte, klatschte der Funktionär in die Hände und rief mit lauter Stimme in den Saal: »Herr Israelsohn, Ihre Tasche! Ihre Tasche!« * , , Bald erschien ein vornehm aussehender Mann am Schalter, nahm die Tasche in Augenschein und bestätigte die Annahme des Beamten, daß es sich. um seine Tasche handle. »