Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 23 (1937)
- Issue
- 38 (5.11.1937)
- Date
- 1937-11-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Male jährt sich am 11. Novembei• cler• Tag, an dem nach dem furchtbaren Weltkrieg die Frieclensg locken läuteten und der unterzeichnete Waffenstillstand der schwer geprüften und von allerhand Unheil heimgesuchten Welt eile'Hoffnung'•' auf bessere Zeiten verkündeten. Die Menschen atmeten wieder frei auf; der Hirnmel hing voller Geigen. Wurde doch der Krieg im Namen des Rechtes und der Gerechtigkeit, der Kultur und der Freiheit geführt; sollten doch die 14׳ Punkte Wilsons der gesamten Menschheit Glück und Segen bringen. Das Recht sollte an clie Stelle der Gewalt treten, jedes Volk sollte das Selbstbestimmungsrecht erhalten; ein Völkerbund sollte dazu berufen'sein, künftige Kriege zu verhindern, den Frieden zu sichern und jede Gewalt auszuschalten. Die kleinen und schwachen Völker sollten Schutz und Hilfe finden, die Rechte der nationalen und konfessionellen Minderheiten international verankert werden — mit einem Worte: das goldene Zeitalter sollte seinen Einzug halten... , Was ist aus all den Hoffnungen und Verheißungeh geworden? Noch piß hat die Mensch heit eine solch bittere;Enttäuschung erlebt! :1.9 Jahre nach dem Friedensschluß dauert der Krieg־ ,;tri;^ verschiedenen FprmeiT. an — ein Krieg i in‘• Fried&nT'6׳iV'W^ deA’KrijSöni.nMit ז heraus; Gewalt geht׳.vor• Recht! Die 14 Punkte Wilsons haben sich als —Propaganda er־: wiesen, und Propaganda ist bekanntlich nur ein verlängertes Wort für Lüge. .. ,Die Kleinen und Schwachen sind den Mächtigen und Rücksichtslosen ausgeliefert. Die sogei^mnten Minderheitsklausein der Friedensverträge haben sich als Illusion erwiesen, der Völkerbund als Greis, der sich nicht zu helfen weiß. Es gibt Kriege ohne Kriegserkjär ungen, und Friedenserklärungen ohne Fr ioden! ' # Ebenso wie irrt internationalen, Leben, sind auch die inneren :Verhältnisse in■, :verschiedenen .Staaten weit entfernt von dejn fdealzustande, den die Friedensveiträge hätten bringen sollen. Die Propaganda feiert Orgien und bringt demagogisehe Elemente an die Oberfläche', die in normalen Zeiten nie zu Macht gelangen könnten. Wahnideen verwirren die Geister, Demagogen führen das große Wort; .wer den Mund voll nimmt, findet Gehör und Anklang. Feierlich 1verbriefte Zusicherungen gelten als Fetzen Papier, verfassungs- ־ mäßige Rechte Werden umgangen, man hebt sie nicht auf, sondern stellt sie kalt. Der Zweck heiligt die Mittel und die Moralbegriffe haben neue Deutungen erhalten. Die Welt hat das Lachen Arerlernt, sonst müßten diese heuchlerisch verkündeten Parolen vom Fluch der Lächerlichkeit getötet werden. Der heilige Egoismus ist der Moloch, dem alles geopfert wird. Man predigt Kultur und übt Brutalität, ist bis au die Zähne bewaffnet und tritt als Friedensengel auf; tut empört und entrüstet ob jeder Kritik, arrogiert sich aber das Recht, Andersgesinnten gegenüber als Weltverbesserer* als Verfechter der Freiheit und der Kultur aufzutreten. Man mischt sich im Namen der »Nichteinmischung« in fremde Angelegenheiten ein und wird trotzdem ernst genommen. Wenn all das an allen Ecken und Enden geschiebt; darf man sich darüber׳ wundern, wenn das jüdische Volk, dieser Prügelknabe, dieser Sündenbock, am meisten zu leiden hat; wenn seine Söhne diffamiert und ihrer Menschenrechte beraubt werden, wenn man sie wieder in Ghetti einsperren will, wenn man sie im Wege blutiger oder kalter Pogrome drangsaliert, verfolgt und entrechtet? Geteiltes Leid ist halbes Leid ־־*״ aber das ist wahrlich ein magerer Tipst für die Betroffenen... ׳; iVlan hat sich nach dem!11 י. November 1918 besonders in jüdischen Kreisen großen Illusionen hingegeben, und hat daher dip bittersten Enttäuschungen erlebt. Noch nie wal die Lage der Juden fähi so schlecht, noch nie ihre Positionen, so gefährdet. Alle Hoffnungen haben sich' als eitel, alle Ver heiß 11 ngen als illusorisch erwiesen. Die dumm־ dreistesten Märchen werden auf gewärmtund finden Glauben; Verleumdung lind Verhetzung finden Gehör und Anklang. Am 20. Jahrestage des Waffenstillstandes sollten die Völker, sollte die Menschheit endlich zur Besinnung kommen. Sie sollte erkennen, welcher Weg zum Abgrund und welcher zum Heil führt. Nur wenn diese Erkenntnis sich ■durchritigt, wird die Welt genesen. Gerade die Ereignisse der letzten Monate und Wochen sollten jedem die Augen öffnen und die Größe der Gefahren offenbaren, die die ganze Welt bedrohen. Recht, muß vor Macht gehen — diese Parole muß sich durchsetzen, wenn die Menschheit vor einer furchtbaren Katastrophe bewahrt werden soll. Der Zustand »Krieg ohne Kriegserklärungen und Friedenserklärungen /öou1.nuuu1Jö ohne Frieden« darf nicht länger dauern. ' Randglossen zur TagesgescMcMe Die Erklärungen des Biindesk'fihzlers ׳Dr. v. iSchuschuigg über die Judenfrage in Qesterreich haben die Nazi auüer Rand und Band gebracht. Wenn es in Oesterreich keinen Rassismus gibt, dann eben eine — Judenherrschaft! Wenn dem heutigen österreichischen Regime nicht anders beizukominen ist, dann eben mit::dejn Judenpunkt. Und so faselt nicht nur der »Stürmer«; über die Judenherrschaft in Wien, weiß nicht nur die Essener »)National-Zeitüng« dayon zu erzählen, wie sehr diese (Uebermacht der Juden den »Antisemiten-iBund« zur energischen :Abwehr drängt, sondern auch die »Münchener ־ Neuesten Nachrichten« K Judeh ’ ׳wi^selh;'1iic|üs׳'Von schaft, im Gegenteil, sie finden §1011/sogar .veranlaßt, über gewisse Erscheinungen ■Klage zu fuhren., und den Schutz der maßgebenden Faktoren anzu.fujen. Aber für die Nazi gibt es nur e i n e Alternative: Entweder »Judenknechtung« oder »Judenherrschaft«. Normale Verhältnisse sind ihrer unnormalen ׳Denkungsart unbegreljriiclv und nnVerstähdlieh. ' — ־־; M i' ־ 5 * ■•■■־.) ס. Die;.Arabe1r’ feierten den 20. Tahrestag. der Balfour- Deklaration auf ihre Art- Sie zündeten den Balfour-Wald an und trotz aller Lösclningsarbeiten sind 50.000 Bäume ein Raub der Flammen geworde1j,,.Abrer die Flammen, die von diesem Brände ausgingen,■^beleuchteten hell die Situation in Palästina, wie'sie die englische Zauderpolitik gezeitigt hat. Jetzt erst wird׳ London energisch; der Schwächling Wauchope wird abberufen und ein energischer Mann soll iHochkommissär werden. Starke Truppenkontingente versuchen, die Terroristennester auszuheben. Vergeltungsmaßnahmen und hohe Geldstrafen sollen dem Treiben der Bänden und ihrer Hüitermäuner Einhalt gebieten. Vorläufig ist der Erfolg aukgeblieben. Wenn es im Lande nicht mehr brennt, so b rändelt es hie und dg; immer wieder zeigen sich Brandherde, es wird geschossen, Bomben werden geschleudert und Morde■ verübt. Die Feuergarben greifen über die Grenzen Palästinas hinaus; in Syrien, in Marokko und in d<fen anderen arabischen Ländern gibt es Aufruhr und Verschwörung. Die Fäden führen vielfach ins Ausland und,^die-Kanäle liegen klar' zutage. Die!PaUistinafrage hat indirekt einen internationalen Charakter erhalten. Die Engländer müssen nun die Suppe auslöffeln, die sie sich selbst eingebrockt haben. tet, bewußt geworden wäre. Die genannten Pamphlete sind eine auf tiefster Stufe stehende ■Literatur, aber nicht im Sinne des Gesetzes vom 10. September 1936 über die unsittliche Literatur, durch die die Jugend gefährdet werden könne. -T׳i Die Wiederwahl La ׳Guardias zum Bürgermeister vom Newyork, noch dazu mit einer erdrückenden Mehrheit von über 400.000 Stimmen, trotz dei• wilden Hetze, die gegen ihn wegen seiner scharfen Stellungnahme gegen den Nationalismus geführt .wurde, ist wenig geeignet, im Nazi-י lasrer Freude auszulösen. Es geschieht zum ersten׳ Male. Jager Freude auszulösen. Es geschieht ,Zum :ersten׳ MalcV |n• NäWy0 rk^ 'daß)J.®iil’g&i'riiei'steri)8 VJahirö^Hin!duick; 13fpo; 'yd Amt bekleidet; Man sieht; nicht ' überall Blüht: der WeiZeni/ des Rassismus — Amerika, du hast. es besser. ::׳•:ל: V: Die Entscheidung der zweiten Instunz im Berner Prozeß in Angelegenheit der »Protokolle dei־ Weisen von Zion« hat den Nazis einen billigen Triumph gebracht — die Angeklagten wurden freigesp rochen, *und darob großer Jubel im Lager des Hakenkreuzes — ja, es gibt noch Richter in der ־— Schweiz! Allerdings, in cÜcsen Freudenkelch fällt ein bitterer Tropfen; Wegen deipirrtümlichen. Ausiegungen,• die das Berner Urteil, über ■die Protokolle der Weisen von Zion im Ausland gefunden hlE׳ werden jetzt von offizieller Seite aus der Urteilsbegründung folgende Einzelheiteu mitgeteilt und. von der Schweizer Telegraphenagentur ׳ verbreitet: .Das Gericht der zweiten Instanz hat erklärt, daß jedenfalls nicht der geringste Beweis für die Authentizität •der Protokolle der Weisen von ׳Zion erbracht Worden' ist und daß ferner mindestens die Hälfte der sögenannten Protokolle ein Plagiat darstellt. Die Protokolle, der Weisen von Zion und die beiden anderen inkriminierten Schriften sind politische Pamphlete gegen die Juden. Diese Art von Antisemitismus, die im Dritten Reich zur Staatspolitik erhoben worden ist, sollte, von einer bestimmten Sorte von Menschen auch in die Schweiz eingeführt werden, wenn das Schweizer Volk sich nicht rechtzeitig seiner stolzen UeberyeJerung im Sinne/ des Artikels 4: der Schweizer VeVfa^pig, der die 'Gleichberechtigung aller Bürger eihschUaJüjhh der Juden beinhal- Von dem vom Bibliographischen Institut in Leipzig herausgegebenen־ »Allbuch« (früher »Meyers Lexikon«) ist kürzlich der III., Band erschienen, der ebenso wie die Bände l und II für das geistige Niveau seiner Mitarbeiter und Redakteure zeugt. Die nachstehenden Kostproben illustrieren Geist und Inhalt des »Nachschlagewerkes«: - Ehe ist die Vereinigung zwischen Mann und Frau der gleichen Rasse, die in vollkommener Gemeinschaft leben. Ehre: Ein Mann ist nur dann ehrenwert, wenn bei ihm der Begriff der deutschen Ehre vollkommen verwurzelt erscheint. Die ganZe neue germanische Welt ist auf dem Begriff dieser neuen Ehre basiert. Der christliche Begriff von Liebe steht im krassen Gegensatz mit diesem Ehrbegriff des deutschen Volkes. E i n s'te i h Der Jude Einstein entwickelte .stets die Aktivität eines Salonbolschewiken und .ist der Entdecker der absurden Relativitätstheorie. Einer Lehre, die lediglich durch großzügigste Propaganda der jüdischen Weltpresse zu einiger Bedeutung gelangt ist. Dieser Theorie ist keinerlei Wert beizumessen, weil sie auf sehr nbsträkten Begriffen aufgebaut ist.• Ein Emigrant ist dem Allbuch zufolge stets ein.׳ Bolschewist oder Pazifist, der nach der nationalsozialistisehen Revolution aus dein Reich geflohen ist. Jene, die sich , heute außerhalb des Deutschen Reiches befänden, wären für den Zusammenbruch und die Degeneration des Deutsehen Reiches veräntvvortlich zu machen und hätten ihre Heimat aus Angst vor Strafe verlassen. Die Emigranten entwickeln im Ausland eine phäntastjsche Greuelpropaganda gegen das Deutsche Reich; für diese Propaganda sind clie Juden verantwortlich zu machen. Ueber E t h i k sagt das Allbuch bloß, daß die deutsche Ethik vollkommen mit dem Begriff der deutschen Rasse und des deutschen Volkes umrissen erscheint! Kommentar überflüssig. /׳ . a Wer sind die 120 »größten Juden«? Eine, jüdische ־ ' ־ Chi ' ־ " " -- Studenten-Organisation in Chicago, hrft uh 110 jüdische Qfgnnisationen in verschiedenen Ländern eine Liste, enthaltend 420 Namen bekannter jüdischer Persönlichkeiten, mit dem Ersuchen Arersendet, aus dieser Liste 120 cler »größten Juden« ttuszuwühlen. Das Ergebnis dieser Wahl liegt nun vor und mutet eigenartig all, Neben tatsächlich bekannten Persönlichkeiten auf verschiedenen Gebieten, der Politik; Wissenschaft, Kunst, Philanthropie usw. werden Männer zu den »Großen'׳« gezählt, die wahrscheinlich nur in diesen »Dor jossem«‘ dieser Ehre würdig befunden wurden. Es genügt einige Namen zn erwähnen: Dr. N, Goldman, Meier Berlin, Berl Katzeuelsou, M. Shertock. Arnold Zweig usw, Von den zeitgenössischen Gedauie Hathora und Zaddike;: Hador hatte kein einziger die«»Sechiju«, hr diese Liste auf״ genommen zu werden, .. Ja »Manhig lef* hador!« JedA Generation hat die ihrer würdigen Führer! .., ■;״׳•׳:׳■׳ ■•.׳■' ׳.,■:;-; S p e c t u t o r; ן | ״r\4 u1 u*^ismaj>iAAuAßi1Si1xua1,utJta, .WwwwwWwwwWW^rWwyrWwewWWW^ ׳ WW<■ •““Ir*'**“ wFWWWF וווןוןו,וווווווווווווווווווווווווווווווווווו1וןוןווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווו ÜU& dßt •••oUAob'H.t.lou JiuisximatiLttÄUa וווווווווו1וווןווןוווןווווווווווווווו1וווןןןןןווווו«וווווווווווווןוןווווו1ווןווווווווןןןןןןווווןןןוןןןוו Wien I. Kärntnerring 6 Tel. U-43-0-16 m ©IS -.j