Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 23 (1937)
- Issue
- 37 (28.10.1937)
- Date
- 1937-10-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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dtef* neuen Leitung verspricht eine ersprießliche ״Arbeit für das Wdhi def ge^etiestfnuen in Ä«udää liatueT erginlsieften weiblichen Jugend Brutiämtäs. Briet aus PreSov. Aut Einladung der Agitdas JisroeLlngendgruppe Wett verflossenen Schabbos Ch, H. der hier au Gast weilende Herr Rabbiner D. Grünwaid aus Luzern ein Referat .über das Thema: *Das Jeschiwawesen in Litauen«. In Meisterhaften Worten sprach der junge hochbegabte Rabbiner, ein Lieblingsschület des ehemaligen Prelover Raws, Ober* rabbiner Lau nj. und späteren Talmid der berühmten TelSiaier Jeschiwa, über die Synthese zwischen Jeschiwos und Agudas Jisroel und skizzierte in markanten Strichen die Grundlinien des Chinnuch in den litauischen Jeschiwos, Sein herrliches Referat begeisterte das zahlreiche Auditorium. Jüngst veranstaltete die Agudas Jisroel-Jugendgruppe ,ein Berichtsmeeting über die Marienbader!Kenessio Gedäulo. Nach den einleitenden Worten des Herrn A. Korn sprach Herr J.!Klein über die Eindrücke, die er von der K. G. heimbrächte. Herr B. Krahs sprach über das Thema: >Was lehrt uns die 5. Kenessio Gedaulo?« Herr Samuel Müller erläutert in seiner Ansprache die Chinnüchprobleme, die bei der K. G. behandelt wurden und hob die Wichtigkeit der von der K. G. gefaßten Beschlüsse in bezug auf Chinnuch Habonim Weha Bonaus hervor. Herr L. Reiner referierte über die Erez Jisroel-Probleme der K. G. und appellierte an die Anwesenden, das Erez Jisroel- Werk der Agudas Jisroel tatkräftigst zu unterstützen. Das gutbesuchte Meeting hinterließ den besten Eindruck. Zu Ehren der in die diversen Jeschiwos abreisenden Bachurim veranstaltete die Leitung der Talmud Thora >Ez Chajim« eine sehr gut gelungene Melawo de Malko. Den Reigen der Redner• eröffnete der zu Gast weilende Rabb. D. Grünwald, Luzern, der in packenden Worten die Bachurim zu emsigen Limud Hatnora anspornte;• Herr Rabbinatskandidat J. Klein hielt einen scharfsinnigen Charifus-Yortrag. Der -Initiator dieser Veranstaltung, Rabb. J. Jungreis nj., hielt eine großangelegte!Rede über Limud Hathora und die Bedeutung der Jeschiwos für das religiöse Judentum. Es sprach auch sehr begeisternd Herr Rabb. M. Rosenwasser. In gehobener Stimmung fand die schöne Yeranstaltung in späten ,Nachtstunden ihren Abschluß. Schabbos p. Lechlecho hielt auf Veranlassung des Gemeindevorstandes Herr Rabb. Grünwald, Luzern, im großeii Beth Hamidrosch einen tiefschürfenden halachischen und homiletischen Vortrag, der auf das aus den vornehmsten Baale Batim und Jugendlichen sich rekrutierende zahlreiche Publikum tiefen Eindruck ׳hinterließ. Dr. Erwin Müller hat seine Advokaturskanzlei in Bratislava, Marianskä 7, eröffnet. Telephon 44-48. Die 18. Jahresversammlung der Agudas Jisroel-Jugendgruppe beschloß die Errichtung eines eigenen Agudalieimes. Die hiezu nötigen Schritte wurden bereitsunternommen lind gibt es zu hoffen, daß dieser schöne Plan durch Mitwirkung aller orth. jüdischen Kreise bald. ver-' wirklicht werden kann. Verflossenen Sonntag wurdedie Einweihung des vergrößerten Beth-Hachajim durch die Chewra Kadischa vorgenommen. Nach den üblichen Hakofos und Tehilim- Rezitationen hielten die Herren Rabbiner D. Neuwirth und J. Jungreis nj. erschütternde Mussar-Ansprachen. L. R. V * Dr. Sigmund. Neuwirth, Presov ע״ה Vergangenen Freitag verstarb ganz plötzlich im Alter von 63 Jahren der landbekannfe und allgemein verehrte ■ehemalige Präses der orthodoxen Kultusgemeinde zu Presov Dr. Sigmund -Neuwirth. Die Hiobsbotschaft, die sich in der Vorabendstunde zu Schabbos in der Stadt wie ein -Lauffeuer verbreitete, versetzte die Presover Stadtbevöllcerung ohne Unterschied der Konfession und Nationalität in allgemeine und aufrichtig empfundene Trauer.- Dr. S. Neuwirth war eine der prominentesten Persönlichkeiten des orthodoxen Judentums der Ostslowakei. Selbst strengreligiöser Jehudi und einziger Sohn des hiesigen greisen Dajan, Rabbi D. Neuwirth. ,ע״ד war Dr. Neuwirth stets bestrebt, die Lehren, die er im Vaterhause und in den Jeschiwos seiner Lehrer Rabbi M. A. Roth זצ״ל und ׳ להבדליח Rabbi Jeschaja Fürst שליט״א empfangen, im Leben zu verwirklichen. Es war in Presov buchstäblich keine religiöse Institution, die er nicht materiell und moralisch tatkräftigst unterstützt hätte. Mit wahren Messiras Nefesch kämpfte er bei jeder Gelegenheit um die Erhaltung der Reinheit des orthodoxen Gedankens in seiner Gemeinde und lediglich ihm ist es zu verdanken, daß während seiner Amtsperiode mehrere religiöse Institutionen in Presov geschaffen wurden. Ein besonderes ruhmreiches Kapitel seiner unermiidliehen und unerschrockenen Tätigkeit nimmt• sein Kampf ein, den pr gegen die־ verdammenswerten Bestrebungen der Denunziation gegen den ehemaligen P1־e§over Raw nj. und der Zerstörung des Friedens und der Eintracht in der Gemeinde geführt hat. Mit einer seltenen Selbstaufopferung־, erwies sich Dr. Neuwirth als Verteidiger des Kawod Hathora. Der Niftar ,ע״ד war ein Jehudi im vollsten Sinne des Wortes, ein Charakter und Ehrenmann, dessen Pendant nur sehr schwer zu finden sein dürfte. Die Lewajo, die Sonntag vormittags am Tempelhofe stattfand, kennzeichnete klar die allgemeine Popularität des Verblichenen. Unabsehbare Mengen, ,Vmdreter fast sämtlicher Kultusverbände und Organisationen, Vertreter der Stadtbehörden und der diversen Kirchen strömten herbei, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Kein Auge blieb dann trocken, als der schwergeprüfte .greise Gao'n, Rabbi D. Neuwirth שליט״א von seinem einzigen Sohne tieferschütternden Abschied nahm. Jedes Zitat, das die Lippen des Rabbi verließ, rief ein allgemeimes Schluchzen und •Jammern der Trauergemeinde hervor. Herr Rabb. J. Jungreis würdigte die allseitige Persönlich-;keit des Dahingeschiedeuen und hob besonders seine Liebe zur Talmud Thora-Schule und seine mit Erfolg gekrönte;Initiative zum Bau eines chassidischen Beth Hamidrasch hervor, Bürgermeister Dr. A. Duchon verabschiedete sich im Namen der Stadtrepräsentanz und des Stadtrates, dessen Mitglied D1*. Neuwirth seit der Staatsgründung war, Fier nach sprachen noch Dr, T, Auserlitz für den Juristenverband, Dr, M. Rosenberg für den Freundeskreis und Dr, Garay, Ko§ice, für die Jüdische Kreditgenossenschaft, jo® Tempelhof begab sich die vielhundert Köpfe zählende 1 rauergememde auf das weitgelegene Beth-FIachajim, wohin der Oraun von den Freunden und Verehrern auf den Schultern getragen wurde, Hier sprachen noch Oberrabb.!L. reldbrandt, Srisske Luky, der besonders seinen auf- ־opterungsvolleu Kampf für die Wahrheit und Gerechtigkeit hervorhob. Weiters sprachen Herr M. Herbst für die Presover Jüd, Kreditgenossenschaft, deren iaüjähriges Vorstandsmitglied Dr. Neuwirth war, und Herr A. Roth für deren Beamtenschaft und schließlich Herr Örtner für die »Chewra Sefardim«, der den Dank dieser Gemeinschaft Für den kolossalen BethHariiidrasch-Bau, den der Niftar!zustande brachte,• verdolmetschte, ,תנצ5ד L. R. •יי Wifrtefafetid« de» Agudas• JisrtJeLJttgendöraafüaatfon. Die Jngendoraaftisatiöider Agüdas Jisroel in de» Slowakei und F* K. R. führt’ auch ift diesem Jahre die Wiiteraktiou zugunsten der hiötieidenden jüdisöhen Brüder und Schwestern ia Karpäthdfttßtaad Httreh nnd erließ be* reits dieser Tage einen warmefi Aufruf, dem wir folgende Absätze entnehmen: »An die jüdische Oeffentlichkeitl Auch heuer müssen wir in allen Orten, der Slowakei die schon allseits anerkannte und Mngeführte >Kleideraktion< einleiten und mit größter Energie durchführen. Der Win* ter hat bereits »seine Fühler äusgestreekt« und wird auch schon bald seinen für die unzähligen notdürftig Bekleide* ten unliebsamen Einzug halten. Besonders unsere armen Brüder in dem Notstandsgebiete Karpathorußland haben mit ihren Familien Mit Einbfriöh der Kälte die hier mit ganz besonderer Strenge Herrscht — furchtbar zu leiden. s widerspräche dem so allseits gepriesenen jüdischen Mitgefühl, sollten wir nicht ujdser WeitmögÜchstes, dazutun, um diesen blutarmen jüdischen Menschen Milderung in ihrer vielfachen Not zu 1verschaffen. Alles muß daher angewandt werden, um diesen so schwer Leidenden, wenn auch nur einige Hilfe leisten können.« Hier kann wirklich mit einer scheinbaren Kleinigkeit Großes geleistet werden; Ih w־elchem Hause befinden sich nicht Kleidungsstücke usw., die teilweise abgetragen, teilweise »ausgewachsen« sind* und nur in den Böden und Kammern unbenutzt herumliegen. Mit diesen abgenützten, jedenfalls noch brauchbaren Kleidern, kann man schon jüdische Seelen erquicken und sie vor Erfrieren bewahren. Wer konnte sich (äaber dieser Aktion ohne weiteres ausschließen? In den meisten Orten der Slowakei stehen die einzelnen Jugendgrttfipen im Dienst dieser Ak- , tion, die sich noch separat in dieser Angelegenheit an Sie wenden werden. Warten Sie aber nicht darauf, sondern sammeln Sie schon jetzt solche Kleidungsstücke und geben Sie sie bei der betreffenden Jugendgruppe ab, die sie dann an eine von den vielen uns vorliegenden Adressen nach P. K. R. versendet! Bedenken'Sie, Sie können hiedurch wirklich Großes leisten! Und, geben Sie rasch! Denn so geben Sie doppelt.! Franzbranntwein und jetzt auch Zahn-Creme Vor der Entscheidung in der Beregsaser Gemeinde- Streitfrage. Diese Frage, die in P. K..R, schon viel Staub aufgewirbelt hat, ist nun wieder auf die Tagesordnung gekommen. Die Beregsaser Gemeinde hat nämlich vor einiger Zeit gegen das I6glied1־ige Rabbinerkomitee der karpathorussi-, sehen orth. Zentralkanzlei, das den Issur gegen dieselbe' und ihren Raw unterschrieben hat, einen Prozeß angestrengt, der vorige Woche seine Verhandlung hatte. Das Gericht, das keine Klarheit in dieser Issur-Angelegenheit herbeischaffen konnte, mußte die Verhandlung vertagen und wird inzwischen das Gutachten des Kosicer Raw einholen und nachher seine juridische Entscheidung treffen, die hoffentlich die Angelegenheit zur Gänze ihrer Lösung näherb ringen wird.! *•.•ן..;, Ein interessanter Plan. ׳׳' ä Wie die jüdischen Zeitungen in P. K. R.. melden. hat cler Reisende Herr M. Feldinger, im Kreise seiner Kollegen, die die Strecke Ko§ice—Jasina bereisen, den Vorschlag unterbreitet, zwischen sich eine Art »fahrende Chewra Schass« zu gründen; lfm־ auf diese Art in dem ureigensten Sinn des Thora-Gesetzes das »lechtecho baderech« zu verwirklichen. Herr Teichmann B. aus Muiikacevo hat auch schon das Versprechen gegeben, bei Verwirk- Heilung dieses schönen sinnreichen Planes bereitwilligst die nötige Anzahl Gemoros zur, Verfügung zu stellen. Genannter Reisender hat auch schon vor einiger Zeit durchgesetzt, daß den jüdischen Reisenden bei Ankauf eines Reisefahrplanes ein. »Tefilas Hadereeh« beigelegt wird. Jedenfalls ist auch sein neuer. Plan sehr sinnreich und verdient angenommen zu werden. 1933/34 n0ch 1286 Sehülefe tmd Schülerinnen die I. Kinase Volksschule frequentierten,,; Ätt de» Mittdsehttlen nahmen 5?43 Knaben ünd 259i Mädchen Unterricht; hievon entfallen auf die Uftteffttittel‘ schule (1. bis 4. Klasse) 2532 Knaben «ad lilf Mädchen, Die Zahl der jüdischen Schüler aft Fortbildung!schulen, Ge* werbeschulen, Handelsakademien und Hand Jssehuleh be* trüg 1349, die der jüdischen Schülerinnen 900. * Winterhllfsaktion der Israel. Knltusgemeinde Wien. Der Vorstand der israel. Knltusgemeinde Wien vetsendet an alle Mitglieder der Gemeinde Aüfrufe wegen Leistung eines 20°/oigen freiwilligen Zuschlages zur Kultus- Steuer. Dieser Zuschlag ist erforderlich, um die Armen mit Nahrungsmitteln, Kleidern und Schuhen zu versorgen und überall dort helfend einzugreifeu, wo die Not groß ist, Ueberdies muß. die Kultusgemeiude ihre Fürsorgetätigkeit, welche sich auf Kinder und Jugendliche, Kranke und Alte erstreckt, fortsetzen, ihre Hilfe den deutschen Emigranten allgedeihen lassen und Maßnahmen treffen, um das rund 7 Millionen Schilling betragende Budget im Gleichgewichte zu halten. Auf die Öpferfreudigkeit und das Verantwortungsgefühl der Wiener Judenschaft bauend, will der Kultüsvorstand heuer keinen Zwangszuschlag zur Vor- Schreibung bringen lind wendet sich an alle Gemeindemitglieder mit dem dringenden Appell, den freiwilligen Zuschlag in der Mindesthöhe von 20% der Kuitussteuer zu leisten. Niemand darf sich ausschließen, der nicht selbst in bitterste Not geraten ist! Nicht Almosen, sondern Opfer erfordert die schwere Zeit! י Wir geben der Erwartung Ausdruck, daß alle Mitglieder der israel. Kultusgemeinde Wien dem Aufrufe Folge leisten und den Betrag ohne Verzug einzahlen werden, * , Stadtbaumeister Melcher gestorben. Am 23. d. starb in Wien der 71 jährige Baumeister Edmund M e 1 c h e r, der viele Jahre äis Gemeinderat für den 9. Bezirk und Stadtrat für Wien viel und Verdienstvolles geleistet hat. Er hatte jahrelang das Referat für das Bauwesen der Gemeinde Wien inne, wurde unter der Monarcliie mit der eisernen Krone dritter Klasse ausgezeichnet und erhielt später von der Bundesregierung das Ritterkreuz erster Klasse des Verdienstordens. Von der Gemeinde Wien wurde ihm vor einigen Jahren das Bürgerrecht der Stadt verliehen. Baumeister Melcher widmete sein freie Zeit humanitären Bestrebungen, er war Präsident der sehr Verdienstvoll wirkenden Suppen- und Teeanstalt, außerdem im Vorstand vieler andrer gemeinnütziger Vereine tätig, denen seine umsichtige Leitung zustatten kam. Der Verstorbene war auch mehrere Jahre hindurch Mitglied des israelitischen Kultusvorstandes als Vertreter der »Union österr. Juden«. PMett Der Proteststreik der polnischen Judenheit Der halbtägige ׳Proteststreik der jüdischen Bevölkerung Polens wegen der Einführung des Höchschulghettos hat durch die Einmütigkeit und ׳Geschlossenheit, mit der alle sozialen Schichten und politischen Gruppen der drei* einhalb Millionen Seelen zählenden Judenheit Polens der Streikparole gefolgt waren, alle bisherigen Kundgebungen ähnlicher Art weit übertroffen. Am Morgen der Kundgebung boten die jüdischen Stadtteile von Warschau, in denen der größte Teil der 300.000 Warschauer Juden lebt, ein eindrucksvolles Bild absoluter Ruhe. Aber auch in den nichtjüdischen Stadtteilen fielen die zahlreichen geschlossenen jüdischen Läden auf. Ebenso ruhte die Arbeit in allen jüdischen Institutionen und Gemeindeeinrichtungen. Sogar Leichenbegängnisse fanden während des Streiks nicht statt. Im Laufe des Vormittags sammelten sich Tausende in den Straßen an, die in Ruhe an den geschlossenen Geschäften vorbeizogen und den wirkungsvollen Eindruck der Solidaritätskundgebung besprachen. Ansammhingen wurden von den in großer Menge aufgebotenen Polizeipatrouillen zerstreut. Hier und da bildeten sich spontan kleine - Demonstrationszüge jüdischer Studenten und Schüler; sie wurden von der Polizei sofort aufgelöst. Viele jüdische Jugendliche wurden wegen Verteilens von Streikaufrufen angehalten. Alle Versammlungen, in denen die politischen Führer der Juden Polens, aber auch Vertreter fortschrittlicher polnischer Gruppen sprachen, waren überfüllt. Vor den Versammlungsräumen stauten sich größere Mengen, die *keinen Einlaß mehr finden konnten. In den Fabriken haben sich vielfach nichtjüdische Arbeiter cler Kundgebung ihrer jüdischen Arbeitskameraden zum Zeichen der Sympathie angeschlossen. Führende :polnische Persönlichkeiten, besonders Schriftsteller und Gelehrte, haben öffentlich gegen die Ghettobänke Stellung geiioramen. Einige Professoren halten ihre Vorlesungen stehend, um ihre Solidarität mit den jüdischen Hörern zu bekunden. östmekk Die Erklärungen des Bundeskanzlers zur Judenfrage in Oesterreich. ׳ Die in unserer letzten Nummer reproduzierten Erklürungen des Bundeskanzlers zur Judenfräge in Oesterreich haben iu der in- und ausländischen jüdischen Presse ein lebhaftes Echo gefunden. Allgemein wird mit Befriedigung die Bedeutung des Umstandes hervorgehoben, daß der Bundeskanzler so klar und eindeutig von den Forderungen des Nationalsozialismus abgerückt ist uncl die Feststellung gemacht hat, daß die maßgebenden Faktoren Oesterreichs niemals eine Verfolgung־ der Juden auf Grund des Rassismuä zulassen werden. it Jüdische Bevölkerungsbewegung in Wien, In den ersten 9 Monaten׳ des, Jahres 1937 sind 736 Trauungen vollzogen ■worden. Von den in diesem Zeitraum geborenen 568 Kindern waren 286 männlichen und 282 weibliehen Geschlechtes. Im gleichem Zeitabschnitt sind 2045 Sterbefälle zu verzeichnen, und (zwar 1049 männliche und 996 weibliche Personen. , Besonders zu vermerken ist, daß der Prozentsatz der, Selbstmorde auf 4%% cler Todesfälle angewaehseu ist; der Prozentsatz betrug in der Vorkriegszeit bloß l3/4%. Die auf Grund der erstatteten Anmeldungen errechnete Zahl der Austritte betrug 425 (gleichwie im Vorjahre), die der Eintritte 204: In dieser Zahl sind 114 Rücktritte inbegriffen. •״ ־ Im Schuljahre 1936/37 besuchten 2294 jüdische Knaben uncl 2437 jüdische Mädchen die/ Volksschule, 1582 Knaben und 2048 Mädchen die Hauptschule, Die Zahl der schulpflichtigen ׳Kiuder, die die erste Volksschulklasse besuchten, betrug 1002, während im Schul« j^hre 1035/36.1448 Schüler pnd Schülerinnen, im Schuljahre 1934/35 1482 Schüler und Schülerinnen und im Schuljahre Pogrom in Danzig Samstag, 23. Oktober, hat iu Danzig ein für die Juden materiell sehr verlustreicher uncl auch sehr blutiger Pogrom stattgefunclen. Der Pogrom wiederholte sieh in cler Nacht zu Sonntag. Er kam nicht überraschend; ihm ging eine umfassende terroristische Bovkottaktion voraus. Die Juden ■Danzigs waren gewarnt, die Leitung der Jüdischen Gemeincle hatte einen Aufruf an die Danziger Juden veröffentliclit, in welchem sie den Ernst der Lage betont und die Juden aufgefordert hat, Ruhe und Würde zu bewahren. Diesem Umstande ist es zu verdanken, daß der Pogrom nicht noch größeres Ausmaß angenommen hat. Das Charakteristische an diesem Pogrom ist, daß er' von dem nationalsozialistischen Gauleiter für Danzig, Forster, wenn auch indirekt, angekündigt wurde, . » Der Pogrom war wohlorganisiert »mit verteilten Rol« len«. Kleinere Gruppen rotteten sich vor jüdischen Geschäften in den verschiedensten Teilen der Stadt zusammen, zertrümmerten die Schaufenster, mißhandelten die Ladeninhaber und ihre Angestellten und bemächtigten sich in verschiedenen Fällen auch der Waren. Der Havas-Berichterstatter konnte ausdrücklich feststellen, daß die Pogrom-Gruppen sich aus Mitgliedern der SS und der Hitler״ Jugend zusammensetzten, Die Polizei verhielt sich vollkommen gleichgültig. Zahllreiche jüdische Passanten in den Straßen wurden ergriffen und niedergeschlagen, Eine Reihe jüdischer Geschäfte sind vollkommen ausgeplündert und zerstört. Auch diejenigen jüdischen Geschäfte, die \vegeh des Sabbath-Ruhetages geschlossen waren, :wurden zum Teil angegriffen. In der Nacht zum Sonntag wiederholten sich die, Ausschreitungen. An alleu jüdischen Geschäften wurden Aufschritten angebracht, in denen christliche Käufer davor gewarnt werden, die Geschäfte zu betreten. Bereits am Freitag vorher fand der Dapziger Wochen* markt znm erstenmal ohne Beteiligung der jüdischen Ge* schäftsleute statt; an ihren Ständen waren van den Boykottposten Hakenkreuze angebracht werden,!