Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1937-10-28 · 37 (28.10.1937) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
23 (1937)
Issue
37 (28.10.1937)
Date
1937-10-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2629891-2630682-2630717--5595-2637963
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 2 ■m m Höret den Huf unserer Poalim . . . . Von Df. Max Cohen, Beden fcei Wietn ׳;;; ג in. \ % V : Welchen Sinn soll es nber haben, etwas für Ete« Jisfoel zu tun» da dtoeh die Verhältnisse itn Lande so uü sicher die Aussichten so ongewiil, die Unruhen intitter noch nicht |än^lich unterdrückt sind? Schade für reden Groschen, den man in ein so unsicheres Unternehmen t noch weiter hineinsteckt* Diese wunderbare Ausrede v kommt auch vielen gelegen, die immer noch den Mut aufbringen, sich der Erez JisroeLArbeit zu entziehen. Weich lächerliche Einwendungen! Sind nicht — leider — fast überall, wo jüdische Menschen wohnen, die Verhältnisse unsicher, sind nicht überall die politischen Verhältnisse undurchsichtig und demgemäß ungewiß, schwebt nicht in allen Ländern — leider, leider — die jüdische Bevölkerung in Angst und Not und Plage?! ־-* Und kann man sich etwa deshalb der Sorge für die Juden dieser Länder und ihre Institutionen entziehen? Haben wir, hat die jüdische Gesamtheit nicht vielmehr die Pflicht׳, gerade wegen dieser schweren Situation sich doppelt anzustrertgen, doppelte Hilfeleistung zu gewähren?! Ist es überhaupt denkbar, daß wahrhaft jüdische Menschen jemals Erez Jistoel ihre sorgende Hilfe versagen, ihre liebevolle Unterstützung entziehen* könnten, seien die Aussichten im Lande noch so ungewiß, und die Verhältnisse noch so unsicher! — י Fühlen •wir nicht den »!Ezba Elaukim«. der .nach Erez Jisroel hinweist — trotz aller Anfeindung von innen und außen — und beeilen wir uns nicht nach ihm zu greifen, aitf daß sich bald die segnende Hand des Allmächtigen H über das Land breite! v Haben wir nicht stets und überall die Verpflichtung, die Thauro zu halten und ztt verbreiten, die jüdischen Seelen für die Thauro zu erretten, ihrer Pflege zu dienen, ihre Pflegestätten zu erhalten־ und zu erweitern — und gerade in Erez Jisroel soll wegen undurchsichtiger Vernältnisse, wegen unsicherer Aussichten, diese Pflicht außer Kraft gesetzt werden? — ’ Und die 400.000 jüdischen Menschen, die in Erez Jisroel leben, darf man sie sich selbst überlassen, ihnen , braucht man nicht mehr zu helfen, ihre Institutionen muß *man nicht mehr fördern, ihre wirtschaftliche, ihre religiöse und geistige Aufbauarbeit muß nicht mehr von uns unterstützt werden, weil die Araber unruhig sind, und die Engländer nicht scharf genug gegen sie Vorgehen?! — י Und unseren braven Poalim, die sich mit einem ungeh euren Mesiras Hanefesch bemühen, in einer leider tanz anders denkenden und handelnden Umgebung dem Königtum G—ttes die Wege zu ebnen, die Herrschaft der : Thaiiro im Lande aufzuricnten, den Namen des Ewigen zu heiligen, ihnen sollte nicht unsere ganze Hilfe zuteil werden?! Denken wir daran: Die Poalim im Heiligen Lande ,. erfüllen u nsere Verpflichtungen! Sie leisten unsere Arbeit! Ihr Eintreten für G—tt und Seine Thauro ist ein Kidusch Haschern, an dem auch wir teilhaben, wenn — wir ihre Sorgen mit ihnen teilen, wenn wir darüber nachdenken, wie ihre Not gelindert und ihre Lage gebessert werden kann. , Die Poalim sind unsere Soldaten, sie verteidigen die Thauro-Bollwerke in Erez Jisroel. Geben wir ihnen die Mittel, daß sie den Feldzug für G—tt und Seine Thauro siegreich führen, auf daß sie die G—ttesfahne überall im Lande hissen und das Königtum G—ttes das Heilige Land beherrsche! ‘ ־;•;<- ■•.'.־ <״ K־■ •v-V־ - IV. •;■־ י Eine günstige Entwicklung der Organisation der ־Poale Agudas Jisroel in Erez Jisroel ist ohne weiteres ■festzustellen, wenn wir die folgenden Zahlen auf uns wirken lassen. Trotzdem die Gründling erst im Jahre 5694, also Vor kaum 4 ,Jahren, erfolgt ist, zählen .wir jetzt bereits 13 , Gruppen und 8 Stützpunkte mit 2180 Arbeitern, zu denen \ nöcn 4320 Familienmitglieder hinzugerechnet werden müssen. Es handelt sich demgemäß um 6500 Neschomaus, die in Erez Jisroel — jede an ihrem Platz — für G—tt und Seine Thauro eintreten. Es ist klar, daß unsere Poalim, die durch ihr selbst- •verständliches Eintreten für Schmiras Schabbos, durch das »etfotteüiäfiditelte peinliche‘ Beobachten der* Dine Kaschruth» *0t den Arbeitern Jhrer Umgebung abweichend, die sich durch ihr aiütifis Eiatretea füf’ eine echt jüdische Lebensführung gar öHifh, denGegensatz in der allmächtig gen Histadruth stellen;^ ist klar* daß dieae Poalim bei der Besetzung der vorhahdeaen Arbeitsplätze nicht gerade günstig gestellt sind. ' / . , Immer and überäll^sind diejenigen, die gegen den Strom schwimmen, nicht!;.gern gesehen, und wenn sie dann noch die wirtschaftlich Schwächeren sind. So ist ihre Situation sicherlich nicht beneidenswert, Hiezu kommt noch, ,Maß auch die gesetzestreuen Ein* wohner von Erez Jisroel gar häufig ihre Pflicht vergessen und bei Besetzung von Arbeitsstellen und Vergebung von Arbeitsaufträgen nicht daran denken, daß sie doch her stimmt die Verpflichtung haben, ausschließlich Sehomre Schabbos zu beschäftigen! Es ist aber, insbesondere im letzten Jahr, gelungen, unseren Poalim größere Regierungsaufträge zu beschaffen, durch die zum Beispiel itn Jahre 5697 Beträge von £ 2946 eingeftossen sind. י Die Wichtigkeit unserer Poalim im Aufbau der neuen palästinensischen Wirtschaft braucht nicht erst durch lange Ausführungen bewiesen zu werden. Ist es doch •klar, daß nur in gleicngesinnter und gleichstrebender Gemein- Schaft junge Mcnscheh äuf die Dauer bei der Fahne der Thauro erhalten, auf die. Dauer für Agudas Jisroel gewonnen werden können. Aber alle die dazu nötigen Hilfsmittel, die Gemeinschaftshajiser, die Arbeiterheime, die Arbeitsvermittlungsstellen,';;die Darlehens- und Krankenkassen müssen geschaffen, ‘uie‘ bestehenden erhalten werden. Ohne diese äußeren Stützpunkte wird es unmöglich sein, die für das Land, für die;Thauro, ihre Erhaltung und Verbreifcung iti. Erez. Jisroel‘ so wichtige Poalim-Organisation zu führen lind zu vergrößern. Ist es da nicht diej;selbstverständliche Pflicht jedes Agudisten, jedes orthodoxen Juden, helfend einzugreifen? Muß sich nicht jeder, auch, ohne die Hilferufe, die bei der Kenessio Gedaulo an uns ergangen sind, auch ohne den Aufruf des Moezes Gedaulo Hathauro auf sich wirken zu lassen, muß sich da nicht jeder sagen, der davon überzeugt ist, daß der Neuaufbau von Erez Jisroel nur Be- I stand haben kann, wenn er im Zeichen der Thauro erfolgt, muß sich da nicht jederjhelfend hinter die Poalim stellen, müssen wir nicht in dep ׳Gaula durch materielle Unter- Stützung den Weg unserer Poalim mitgehen, ihren Kampf mitstreiten, um auch ihren' Sieg miterringen zu dürfen? Schließen wir die Reihen, treten wir alle zusammen, helfen wir alle mit, vfM;i eine baldige Vereinigung der jüdischen Nation und.lM^s jüdischen Landes unter der Herrschaft G—ttes und Seiner Thauro. * ■/.' י Wir hoffen, daß alle unsere Leser und Gesinnungsgenossen sich die Worte des Aufrufs für unsere Poalim in Erez Jisroel zu Herzen nehmen und mittels anliegenden Erlagscheines zur Linderung der Not und zur Förderung des thoratreuen Aufbaues in Erez Jisroel beitragen. Palästina-Zentrale^ der Agudas Jisroel, Wien Keren Hajischuw-Direktorium, Bratislava Keren Hajischuw-Aktionskomitee, Wien Das Ableben' Felix M. Warburgs Wie bereits kurz berichtet, ist in •Newyork. der bekannte Philanthrop, Bankier Felix M. Warburg, im Alter von 66 Jahren ,gestorben.; ׳ i Felix M. Warburg, war■ seit dem Tode von Louis Marshüll die repräsentativste :Figur der amerikanischen Judenheit, auch unter der Judenheit Europas und des Orients genoß er große Verehrung. Geboren 1871 in Hamburg, ging er 1894 nach Amerika;׳ :wo er 1900 naturalisiert wurde. Durch seine Ehe mit der Tochter des großen Bankiers und weltbekannten jüdischen Philanthropen Jakob rl. Schiff, wurde er 1896 Teilhaber des Bankhauses Kuhn, Loeb & Co. und als solcher eine führende Persönlichkeit der iNewyorker Bankwelt. Er gehörte auch der Leitung mehrerer ׳großer amerikanischer Wirtschaftsgesellschaften an. Nach Beendigung des Weltkrieges wurde er vom Präsidenten Wilson "als wirtschaftlicher Berater der ainerikanischen FriedensdelegatiÖn nach ׳Europa entsandt. im Jüdischen Leben hat sieh Felix M. Warburg nicht nuf als großzügiger Philanthrop, Sondern aueh als Örgaui- Sätöf des Jüdischen WohlfahrtsitfldL AüfMtiweseä« hertöfgetan. Er war Vorsitzender der *Federation of Jewish Charitiesc» beteiligte sieh während des Weltkrieges her* vorfägeBd an der Gründung des American Joint Distribution Committee, dessen Präsident er wurde und bis zu seinem Lebensende blieb, und an dessen •größem Hilfs- und Aufbauwerk zugunsten der Juden in Europa, im Orient und in Palästina er persönlich hervorragenden An* teil nahm. Daß es dem Joint seit seiner Gründung bis heute gelungen ist, weit über 100 Millionen Dollar für Hilfs* und konstruktive Aufgaben des Judentums auf zu* bringen, war zu einem großen Teil sein. Verdienst. Er ge* hörte auch als Vorsitzender, Ehrenpräsident und Ausschuß* mitgiied einer großen Zahl anderer Wohltätigkeits* und kultureller und jüdischer Organisationen an. Seit seinem Besuch in ׳Palästina 1925 hat er sich mit immer steigendem Interesse der Palästinaarbeit zugewandt, selbst •große Summen für ׳Palästinazwecke gespendet und sich führend an dem Zustandekommen der erweiterten Jewish Agency, sowie an der Gründung der Palestine Economic Corporation beteiligt. Bei der Gründlings Versammlung der erweiterten Jewish Agency in Zürich i. J. 1929 wurde er zum Präsidenten des Administrativen Committee der Jewish Agency gewählt. Er ließ sich auf diesen Posten i. J, 1935 nicht Wiederwählen. ־ Ein Objekt seiner Förderung ivar die Hebräische Universität in Jerusalem, für die er 500.000 Dollar spendete. Er war auch eines der vier Mitglieder der von der britischen Mandatsregierung nach Palästina entsandten Joint Palestine Survey Commission, die 1928 ein ausführliches Gutachten Uber das jüdische Palästina* werk ausgearbeitet hat. Auf der letzten Tagung des Couneil der Jewish Agency in Zürich im August 1937 trat Felix M. Warburg dadurch besonders hervor, daß er heftig gegen eine positive Stellungnahme zu dem von der englisehen Regierung vorgeschlagenen Plan der Teilung Palästinas, bevor nicht eine Verständigung mit den Arabern erzielt worden sei, aufgetreten ist. * , Warburg zeigte auch Interesse für das religiöse Leben, und hat die Beth-Jakob-Schulaktion der Agudas Jisroel finanziell reichlich gefördert. Sein Ableben löste in der ganzen jüdischen Welt tiefe Trauer aus. In allen Ländern wurden Trauerkundgebungen veranstaltet. Die allgemeine Oeffentliclikeit in Amerika sowie die führenden Personlichkeiten in USA. gaben ihr Beileid in solenner Weise kund. Istketkesimahei Generalversammlung der Bratislavaei׳ Agudas Jisroel- Mädchengruppe Die Mädchengruppe der Agudas Jisroel in Bratislava hielt dieser Tage bei־ zahlreicher Beteiligung der Mitglieder.— unter Vorsitz von Frau H. Kohlmann — ihre ordentliche Generalversammlung ab. ■Den Tätigkeitsberieht erstattete Frl. T. Reisner, wobei sie auch der pflichttreuen Mitarbeit einzelner Mitglieder Erwähnung tat. Den Kassabericht legte Frl. M. Blau vor, woraus zu ersehen war, daß die Kassa den ungünstigen Verhältnissen zum Trotz gute Erfolge aufwies. Die darauffolgende Neuwahl erbrachte folgendes Resultat: Präsidium: Frl. M. Blau, M. Singer, N. Weinberger; Schriftführer: M. Schay; Kassier: T. Reisner; Kontrollor: E. Hirschler; Organisationssektion: A. Kämpfer, S. Feldmann, 1R. Braun; Propaganda: M. Salzer, T. Lefkovic; Wohlfahrt: 'S. ' Goldbergeiy ׳ E.-• Gross; Finanzen: M. Fiener; Unterricht: R. Löbl, A. ,Eckstein; Veranstaltung: E. Pappenheim, M.^Neumann, R. Weinberger; Erez Jisroel: M. Stern, R. LöÖl. — Die Zusammenset- Gegen die häufigsten Schmerzen. Zahnschmerzen werden zur Seltenheit, wenn wir einer Zersetzung der Speisereste im Munde Vorbeugen. Diese Wirkung hat die Alpa- Zahncreme. Sie schützt daher vor Zahnsteinbildung und vor Zahnschmerz. Und weitere häufige Beschwerden wie Rheuma und Neuralgie lindert, wie allbekannt, der Alpa- Franzbranntwein. Deshalb gehören in jeden Haushalt der Alpa-Franzbranntwein und jetzt auch die Alpa-Zalincreme, welche nicht brüchig ist, sondern schön geschmeidig. Heb Joel Dajans Chilul Schabbos (Eine chnssidische Erzählung.) Bearbeitet von J. Kreppei. . (Schluß.) V; Als Reb Joel' vor Rabbi Levi Jizchok erschien und ilim in höchster Verzweiflung das Vorgefallene schilderte, zeigte sich dieser wenig überrascht und entgegen seiner Gewohnheit, seine Cha^sidim auch in .den peinlichsten Situationen mit Güte und Milde zu trösten, fuhr er Reb Joel etwas hart an und meinte: . ■ .. T J.a> J°eh Ihr habt, meine Warnungen unbe-;riicksichtigt gelassen — nun ist die Euch wiederholt angedrohte Strafe da... Groß ist die Sünde, die Ihr auf Euch geladen, und ebenso schwer muß die Buße sein, die ich Euch auf erlegen muß. Also höret: Ihr müßt 3 Jahre lang >Gölus« halten — Gemeinde, Familie und Haus verlassen, ypn Stadt; zi^Stadt wandern, überall in der Synagoge und in den Bethäusern erscheinen und vor den versammelten ■'Juden offön üiul reumütig alles erzählen, was Ihr getan und wofür ihr so schwer bestraft wurdet... Erst dann wird Euere Sünde getilgt, sein...! Reb Joel war ob der , Schwere der ihm auferlegten »Teschuwa« überaus entsetzt. Aber er unterwarf sich dem Spruch seines Rabbi ohne Murren, Ja, ich habe mich ,schwer vergangen und muß es nun büßen...! Es war ihm überaus peinlich, in seine Gemeinde zul'ückzukehren. Der Abschied von Frau und Kindern würde ihm sehr schwer fallen. Und so entschloß er sich, von Berdyczew aus die Wanderuug anzutreten, nachdem er durch einen Boten seine Familie und seine Kehillo verständigt hatte, daß er eine weite Reise unternehme und nicht so bald zurückkehren werde. * Reb Joel machte sich auf den Weg. Zu Fuß wanderte er von Stadt, zu Stadt. Ueberall unterzog er sich der peinliehen Zeremonie, seine Sünde zu beichten. Sein tragischer Fall erregte tiefes Mitleid und die besten Wünsche seiner Glaubensbrüder, der 1. G—tt möge ihm Kraft geben, all das überstehen lind überleben zu können, begleiteten ihn auf seiner Wanderung, Einige Wochen später erhielt er die Nachricht, daß jspiw ältester Sohn nach kurzer Krankheit gestorben ist, — ל Auch das noch! — rief er verzweifelt, unter- (flrücjkte, aber jeden Versuch, gegen G—tt aufzubegehren Hind begnügte sich mit dem »Boruch Dajan eines!« Wenige Wochen nachher ‘ erreichte ihn eine zweite üio.Ji8|?bt.sch'äft; rauch?sein Zweitältester Sohn wäre vom י!eichen Schicksal, wie sein Bruder, betroffen worden, eb Joel war bereits etwas;JfcbgeJ1artei, und• ־ •jiaUmv׳-‘die!Trauerbotschaft ^mit einem gewissen Fatalismus hin, Was soll er tun? G-tt will es so! Aber die Hiobsbotschaften häuften sich. Jede paar Wochen kamen weitere!Nachrichten ähnlichen Inhalts. So deckte •die kühle Erde bereits alle seine fünf Söhne zu! Aber als schließlich ilin auch die Meldung erreichte, nun wäre auch seine Frau gestorben — da hielt seine Kraft nicht mehr Stand und er glaubte, den Verstand verlieren zu müssen. .!; Nun steht er allein auf der großen Welt. Wenn er die 3 Jahre Golus absolviert haben und in seine Kehillo zurückkehren werde, würde er einsam und verlassen sein, ohne Tröster und ohne Angehörige, gebrochen an Leib und Seele — schon der Gedanke; daran wirkte furchtbar erschütternd.;. ־ . , - — ,Nein — faßte er einen Entschluß — ich will von meiner Heimat, von meinen Angehörigen, Freunden und Bekannten nichts mehr hören. Und er verließ sein Heimatland, wanderte in fremde Länder, immer ferner und weiter von der Heimat, dort, wo ihn keine Nachricht erreichen konnte. So waren schließlich die drei Golus-Jahre um. Wie um Jahrzehnte gealtert, müde und gebrochen, fast hoffnungslos — so machte sich ׳Reb Joel auf den Weg, um in die alte Heimat zurückzukehren. ■Er schmiedete keine׳ Pläne darüber, wie er seine Zukunft gestalten solle. Er war sich darüber unklar, ob er wieder seine Funktion als Dajan aufnehmeu oder sich in eine andere Kehillo begebeu sollte. Er werde gleich nach seiner Rückkehr zu Rabbi Levi Jizchok fahren und ihm die Entscheidung über sein weiteres Schicksal überlassen. Als Reb Joel schon nahe am Ziele war. als ihn nur noch einige Tagemärsche von seiner Kehillo trennten, da erhielt er den letzten Stoß;, wenige Wochen vorher hätte eine furchtbare Feuersbrunst das ganze Städtchen eingeäschert... Kein Haus blieb verschont; auch die alte Schul, das Bet-Hamidrasch und die anderen Bethäuser sind ein Raub der Flammen geworden• Nichts ist zurückgeblieben, als Schutt und Asche! Bloß der alte Friedhof blieb intakt. Vor den Mauern desselben machte das Feuer halt! Die in Not und Elend geratenen Bewohner des Städtchens mußten zum Wanderstab greifen. Keine lebende Seele sei dort anzutreffen. Reb Joel konnte seinen eigenen Ohren nicht trauen, Er müsse sich persönlich überzeugen, ob dies alles auch wahr sei, ׳ Und es war nur allzawahr. Furchtbar und erschütternd der Anblick! Buchstäblich alles Schutt und Trümmer. Das ganze Städtchen bestand aus Holzhäusern und diese wurden bis zum letzten Stück uiedergebrannt. Sogar die Ziegelherde und Qefen stürzten ein und bildeten Schutthaufen,,, Keine lebende Seele, kein Hund und keine Katze zu erblicken, Sogar; die Vögel meiden die Stätte des Grauens,,, Nur der Friedhof ist intakt geblieben, Dieses »Beth- I Hachajim«, das »Haus des Lebens«, rechtfertigte diesmal seine sonderbare Bezeichnung: das letzte »Lebenszeichen« des nun vom Erdboden verschwundenen Städtchens ist hiergeblieben. Reb Joel irrte zwischen den Gräbern herum, bis er die Ruhestätte seiner Angehörigen fand. Da ruhen sie nun in einer Reihe nebeneinander: seine fünf Söhne und ihre Mutter, die sie zur Welt gebracht und auferzogen hatte! Eine bittere Verzweiflung erfaßte Reb Joel. Seine ganze Seelenstärke, war gebrochen und geborsten. Seine . G—ttesglüubigkeit erhielt einen argen Stoß: Nein, so weit durfte auch die g—ttliche Gerechtigkeit nicht gehen! Das ist zu arg und zu viel. Eine solche Strafe hat er doch nicht verdient! Und wenn schon, warum mußten auch seine Kinder, seine Frau, seine ganze Gemeinde so schwer büßen...? Er werde sich direkt zu!Rabbi Levi Jizchok begeben mul vor ihm Klage gegen den Ribono schel aulom führen... 4 Als Reb Joel, mehr trotzerfüllt als gebrochen, vor seinem ,Rabbi statul und Anstalten machte, seiner Erbitterung Ausdruck zu geben, da ließ ihn Rabbi Levi Jizchok nicht zu Worte kommen, sondern fuhr ihn hart an: — Du Böse wicht! Du unverbesserlicher Roscho! Du erkühnst dich noch, mit dem 1. G—tt zu rechten! Du wagst es, trotz deiner großen Sünden, Klagen gegen den Schöpfer der Welt zu erheben! Diese Sünde wiegt noch schwerer, als die frühere! Noch einmal mußt du die gleiche Buße auf dich nehmen, noch einmal drei Jahre lang »Golus« halten, von Stadt zu Stadt wandern und überall deine große Sünde bekanntgeben! Jetzt konnte ,Reb Joel nicht weiter. Ein Schrei der Verzweiflung entrang «ich seiner Brust, ein Schrei, der alle Zuhörer erschüttern und entsetzen mußte... Da fühlte Reb Joel plötzlich eine Haud au seinem zitternden und mit kaltem Schweiß bedeckten Körper. »Joel, Joel!« — hörte er einen Schreckens ruf — »Was ist mit dir? Erwache doch von diesem bösen Traum!« Und er blickte um sich: da lag er in seinem Bett, um das seine Frau und seine Kinder standen. Also: das ganze war kein Erlebnis — nur ein Traum! Wie furchtbar! » Wenige Stunden später befand sich Reb Joel auf dem Wege zu Rabbi Levi Jizchok, Als er vor diesem erschien, sagte der Rabbi in seiner sprichwörtlichen Güte und Müde: Ja, Reb Joel, Ihr habt eine schwere Strafe verdient — aber der 1, G—tt erbarmte sich Eurer und hegnügte sich damit, Euch im Traum die Strafe abbüßeu zu lassen. Nun wißt Ihr, was Ihr zu tun habt; ״Gedenket der Worte unserer Weisen; ' והוי רן את כל האדס לכף זכרה? 4

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.