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Jüdische Presse · 1937-10-28 · 37 (28.10.1937) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
23 (1937)
Issue
37 (28.10.1937)
Date
1937-10-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Gr. 40* ir 1'i1f'f.ini1ii>1aftf־rf1 1-־''־■ר־־זרז frTi~111־ i1nr~״V-nן —!■■imirו1ו~ו־ו1ו1ו1«1וווחו1ווו~ו~ f!11-^11irt1iiw.iM1ai־iMii.M11kT1(mi1111ftfr1^inww1rMii1Mrnfir11in• 1i1n111i11t1M1Mr1־r11־r1fffnrrr־־a1fiiMin liiriו*יחו1ז1ז1»1ווי~ן»וו^■ Zahlungen für »Jüdische Fresse«, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien. Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 193.316, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nrl WIE, 4117, Berlin Nr. 122.619: für »Jüdische , Presse«, Bratislava: Prag Nr. 53.386. ׳ , . ..־tt.* Pie BemfmmdiUktouiQ det {üdistkeu Jugend Die Wirtschaftskrise, von cler seit Jahr und Tag fast die ganze Welt beherrscht ist, wirkt sich besonders hinsichtlich der Juden aus. Die wirtschaftlichen Positionen derselben waren seit jeher ziemlich unsicher, als Folge des historischen Prozesses, dank welchem gewisse Berufszweige den Juden jahrhundertelang verschlossen blieben, und dieser Zustand konnte auch dann nicht völlig beseitigt werden, als nach der sogenannten ‘ Emanzipation ׳die■ früheren■ ■Hemmnisse aufhörten. Dieser Umstand führte dazu, daß die Juden in den meisten Ländern sich vielfach den freien Berufen zuwandten, wo sie sich tatsächlich freier bewegen konnten und wo sie auch eher imstande waren, ihre Tüchtigkeit und Vielseitigkeit zur Geltung zu bringen. Mit dem Fortschreiten der sogenannten Aufklärung steigerte sich diese Entwicklung־, da selbst konservative Kreise der Meinung waren, die freien Berufe, die Advokatur, die Medizin, die Technik usw. sichern viel eher die Zukunft ihrer Kinder, als der Handel und das Gewerbe, verhelfe ihnen aber auch zu einer günstigeren sozialen und gesellschaftlichen Position. So entstand im Laufe der Zeit die Ueberproduktion an jüdischen Intelligenzlern— eine Ersciieinung, die schon an und für sich nicht immer gesiind war, die, aber noch außerdem piit ,dein A uftauchen der modernen äntisemifisclien Bewegung nur allzu leicht die Arbeit der Hetzer begünstigte, die darauf hinweisen konnten, wie sehr die Juden, diese Berufe beherrschen. Dieser antisemitische Kampf blieb zunächst bloß theoretisch, da die nicht jüdische Jugend es nicht nötig hatte, sich diesen Berufen zuzuwenden, nachdem ihr ohnehin alle anderen öffentlichen Stellungen zugänglich waren. Die Nichtjuden zogen es vor, öffentliche Beamte, Lehrer, Richter, Offiziere usw. zu werden, als Advokaten, Aerzte, Ingenieure u. dgl. Aber auch für den Handel zeigten. die Nicht juden wenig Lust. Und so konnten sich denn die Juden in diesen Berufszweigen frei bewegen und .ausleben. . Mit den! Einsetzen der Weltwirtschaftskrise seit dem Ende des Weltkrieges trat nach dieser Richtung eine radikale Wandlung ein. Die öffentliehen Posten werden schlecht bezahlt; es gibt immer wieder Abbauperioden und Aufnahmesperren. Die nichtjüdische Intelligenz drängt sich daher zur Advokatur, Technik, Medizin usw. und wenn sie da einen übermäßig großen jüdischen Prozentsatz feststellt, dann schreit sie Zeter und Mordio und fordert die Verdrängung der Judeu, um für sich selbst eher Platz zu finden. Das prozentuelle Verhältnis der Juden in diesen Berufszweigen wird immer geringer. Aber auch im Handel und im Gewerbe. Da schließlich auch die freie ,Wanderung gehemmt ist und diejenigen, die in der Heimat ihr Fortkommen nicht finden, schwerlieh anderswo. Unterkommen können, so wirkt sich diese Krise immer schärfer aus und droht vielfach in, eine Katastrophe auszuarten. Wie soll da Abhilfe geschaffen werden? Man spricht zurzeit viel von der »Berufsumschichtung« und die Wiener Kultusgemeinde hat sogar diesbezüglich eine Aktion eihgejeitet, die zunächst, nach ,ziemlich langen Vorbereitungen, zur Abhaitung einer Enquete führte. Aber vorläufig ist leider kein Weg zu sehen, der aus der Krise hinausführt. Zweifellos wird es schon von Vorteil sein, wenn die . Hyperproduktion an jüdischen 'Intelligenzlern eingedämmt würde. Aber es wird darauf ankommen,. welche neuen Berufe für die jüdische Jugend ausfindig gemacht werden könnten. Die Ausbildtvng von Clialuzzim für Erez Jisroel kann nur in beschränktem Ausmaße vor sich gehen. Das Handwerk hat Wohl noch heute einen goldenen Boden — aber aud[! dieser Berufszweig ist so ziemlich überfüllt.;j Es wird daher sehr schwer fallen, das Richtige »ausfindig zu machen. Man wird ziemlich viel experimentieren und probieren müssen, bevor man ■das angestrebte Ziel erL־eichen wird können. v Eine Voraussetzung füF'das Gelingen dieser Bestrebungen ist allerdings; die Ausschaltung jeder Politik. Die Aktion hat mit der Frage »Kultus- oder Volksgemeinde« nichtk zu׳ tun. Auch die Kultusgemeinde kann als die einzige gesetzlich anerkannte Repräsentanz der jüdischen Gemeinschaft sich dieser Aufgabe widmen. Dabei darf ein Umstand nicht aus dem Auge gelassen werden: die sogenannten freien Berufe führten in der Rügel zur A-Religiositat, auch die Kinder religioser Eltern wurden dem religiösen Leben entfremdet, sobald sie sich dem »Studium« widmeten. Dev Anfang wurde mit Chilul-Schabbos gemacht, darin wurden auch die anderen religiösen Vorschriften über Bord geworfen. Wenn nun das Problem der Bern fsumschiehtu ng a ufgerol 11 wird, sodarf aucli diese Seite der Medaille nicht übersehen werden. Wenn schon Berufsumschichtung, dann auch nach der Richtung, daß die neuen Berufe die Beobacht ' tung der religiösen Vorschriften ermöglichen. Man soll dieses Postulat keineswegs als doktrinär; betrachten — bei gutem Willen und zielbewußtem - Vorgehen läßt sich da manches erreichen, was L anstrebenswert ist. Wo ein Wille — ist auch ein I [ a z o f e h . Weg! Das PatästUta-PtoUm 20 Jahre Balfour-jDeklaration Ara 2. November jälirt sich, zum 20. Male cler Tag־, an dem clie Balfour-Deklaration erlassen worden ist, die die Grundlage für das Palästinamanchd bildete und clie Basis für clie englische Politik in Palästina bilden — sollte. Dali clie Palästina-Verwaltung von der Verwirklichung dieser Deklaration wesentlich abrückte, hat nicht zum geringsten Teile/jene, Entwj^lw deren. ^ftug.en;;wi1;^heute;sind und die es mit sich bringt, daß, der 2Q. Jahrestag,dieser Deklaration in einer wenig gehobenen Stimmung begangen wird. Der Stand der Dinge in i|1;ez Jisroel ist trotz cler energischen Maßnahmen cler englischen Behörden noch ,immer wenig erfreulich. Die Sabotageakte, Ueberfälle.und Schießereien haben nicht aufgeliprt und fordern weiter Opfer an Leben,!Hab und Gut. Das Palästinaproblem hat einen internationalen, Charakter?angenommen. Die panarabische Bewegung greift, gebürt und gefördert von außenher, immer weiter um sicli. Nun ist auch in Französisch-Marokko ein Brandherd entstanden., Der Aufenthalt cles Mufti in Damaskus bildet für Frankreich eine arge Verlegenheit, mit Rücksicht auf(das englisch-französische ,Verhältnis. England muß energisch eingreifen, nicht nur aus Prestigegründen, sondern!z'ttm Schutz seiner vitalen Interessen im Mittelmeer und ,auf clem Landweg nach Indien. Trotz dieser Lage hält England an clem Teilungsplan fest und hofft, clie gemäßigten Araber für diesen gewinnen zu können. Anderseits glauben Mussolini und Hitler, ihrerseits in dieses Problem eingrei|eri zu können, um die eigenen Ziele auch auf diesem Wege zu verfolgen. Fürwahr, der 20. Jahrestag der Balfour-Deklaration sollte clen י maßgebenden Faktoren; Englands clie Veranlassung zum Nachdenken darüber bieten, ob es nicht empfehlenswerter gewesen wäre, dje in dieser Deklaration gegebenen Versprechungen ernster zu nehmen. ׳ * Hitler schlägt Mussolini eine neue Lösung des Palästina- Problems vor. ’* f^v: Der Genfer Berichterstatter des »Jour« meldet: Während des römischen Besuches von . Hitlers persönlichem Freund .Ribbentrop wurde der PJah des gemeinsamen Vorgehens Italiens und Deutschläi^g definitiv abgeschlossen. Bei der Zusammenkunft Ribbpatxpps ‘ mit Mussolini wurden auch die Ereignisse in Pälästihh behandelt, Ribbentrop hätte Mussolini im Namen Hitlers empfohlen, vom Völkerbund, dem Italien bekanntlich hoch angehört, zu verlangen, daß nach Palästina eine internationale Miliz entsandt werde, und daß das gegenwärtige, britische Mandat durch׳ eine internationale Regierung nach dem Muster der Regierungskommission im Saargebiet ersetzt werde. In dieser Regierung sollen neben Großbritannien auch Frankreich, Italien und Deutschland vertreten sein. Bemerkenswert ist, daß diese Information des »Jour« von der offiziösen französischen Agentur Havas verbreitet wird: Neue EinwanderungsYerordnung für Palästina, Das palästinensische Amtsblatt hat am 20, Oktober den Entvvurf einer neuen Einvand^hhgsverordnung veröffentlieht. Auf Grund des Entwurfes wird der High; Commissioner ermächtigt, die Höchstzahl der in der jeweiligen Einwanderungsperiode zur Einwanderung zuzulassenden Ausländer festzusetzen. Ferner wird ihm das Recht erteilt,, die Höchstzahl innerhalb der einzelnen Ein- Wanderungskategorien, sowie den proportioneilen Anteil der jüdischen Einwanderer im allgemeinen und innerhalb jeder Kategorie im besonderen festzusetzen.,. Der Leiter des Einwanderungsdepartments erhält das Recht, in um- , '׳׳ strittenen Fällen zu entscheiden, vv׳er als. Jude anzusehen י... ist. Der Entwurf der neuen Einwanderungsverördnung und ihr Zweck wird, in der jüdischen Presse einer scharfen Kritik unterzogen. II. A. Goodman bei Unterstaatssekretär Shuckburgh. , ■ Der politische Sekretär der Ägudas; Jisroel, H. A. Goodman, ist im Kolonienministerium von Unterstaats- Sekretär Sir John Shuckburgh empfangen worden. Der Unterredung wohnte auch der frühere Sekretär der Kgl. Kommission Martin!bei. Ein amtliches Kommunique über die Unterredung ist, nicht ausgegeben worden.. Wie es heißt, wurde dem Vertreter der Aguda zügesichcrt, daß alle Bekundungen, die sie der neuen Palästinakommission unterbreiten wird, sorgfältig erwogen werden würden. Die Palästina-Debatte im englischen Unterhaus. . . Im Verlauf der Palästina-Debatte im englischen Unterhaus am 21. Oktober fragte der Abgeordnete Williams den Kolonienminist'er, ob die Vorschläge der nach Palä; stina zu entsendenden neuen Kommission einem gemeinsamen Ausschuß der beiden Häuser des Parlaments nach « dem Vorbild des Indien-Ausschusses . vorgelegt werden würden. Minister Ormsby-Gore erwiderte, er; wolle hierauf ~ keine endgültige Antwort geben. Ein gemeinsamer Paria-1 mentsausschuß (Joint Select Commission) würde es not-;wendig machen, daß zahlreiche Zeugen' aus Palästina gebracht werden; er würde zu unendlicher Verzögerung und möglicherweise zu sehr vielen Komplikationen führen. Auf eine Frage des Abg. Bevan bestätigte der K010r nienminister die Richtigkeit der Meldungen über Vergeltungsmaßnahmen wegen der Niederbrennung des Flughafens in Lydda. Er fügte hinzu, daß Militär und Polizei bei ihren Maßnahmen gegen eine Kampagne des Mordes und der Gewalttat seine und der ganzen Regierung volle Unterstützung finden würden. Auf eine Frage des Abg. Vyvyan Adams erklärte Minister Ormsby-Gore, er habe bereits dem Hause mitgeteilt und auch in Genf betont, daß die Regierung den Bericht der Peel-Kommission in seinen •allgemeinen Grundzügen angenommen habe, an spezielle Einzelheiten aber nicht gebunden sei. Es wurde klargestellt, daß wextere Untersuchungen über Grenzen, finanzielle Fragen und andere Angelegenheiten durchzuführen; sein werden, Der Abg. McGovern fragte, ■ob;etwas unternommen worden sei, um festzustellen, woher .1die Mittel; für die Terroristenbanden gekommen sind, Der Kolonienminister antwortete, es sei sehr schwer, dies genau zu sagen. Dip gewöhnlich vom Mufti verwalteten Gelder stehen jetzt unter der Kontrolle einer eigenen Kommission unter denU Vorsitz eines britischen Richters,; t Abg, McGovern: Sind Sie davon überzeugt, daß der Großmufti während seiner ganzen Amtszeit gegen uns ge,- arbeitet׳ hat? Minister Ormsby-Gore: Jawohl, Auf die Frage des Abg. Wedgwood, ab der MuJti irgend eine Möglichkeit habe, sich nach Italien zu begeben,; erwiderte Ormsby-Gore, das sei ausschließlich Sache der syrischen Behörden. , 4 . ץ ר,■■; . 5 ■ ■Fi* v '.׳ ■M! -י 'ו' ,: , ■•;4' * tott Olhmar-SchUf-PerUclce , Wien I, Karntnerrlng 6 Tel. U-43-0-16

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