Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 23 (1937)
- Issue
- 36 (22.10.1937)
- Date
- 1937-10-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Tfir-nftTttif■ . Seite 2 ׳#- ■ *aum Hr. % von einem Französischen Küstenwaehtkutter ein geholt, unter dessen!Bewachung der Müht nach Beirut eskörtiert wurde, Dort hat er Zunächst in einem Hotel unter Polizei hewachung Aufenthalt genommen. Bei der Polizei in Beirut meldete er sich unter dem Hamen Achmed Jaffari. ln einer späteren Meldung Wurde dann erklärt* der Mufti sei mit dem Motorboot doch an der libanesischen Küste, und zwar in; der Nähe des Ortes Nakura, als Beduine ver- «kleidet, gelandet und ton den Zollbeamten erkannt worden. Auf Aufforderung der libanesischen Behörden habe er dann das!Gebiet der Republik Libanon verlassen und sielt hoch während der Nacht nach Beirut in Syrien begeben, von wo er sich am nächsten Morgen nach Damaskus begab. Wie aits Damaskus gemeldet wird, befindet sich der Mufti dort noch in iPolizeigewahrsam. Es stehe noch nicht fest, ob seine Festnahme wegen mangelnden Visums oder Zum. Zwecke der Auslieferung an die englische Mandatsregieruhg erfolgt sei. Vor seiner Flucht hat der Mufti ein Manifest an die Araber Palästinas erlassen, in welchem er sie auffordert, nicht zu verzweifeln, sondern den Kampf bis zur vollkommenen Befreiung fbrtzusetzen. Das Manifest wurde am Samstag, abends in Jerusalem verbreitet. Der Presse Palästinas ist es verboten, irgend etwas, über die Flucht des Mufti zu berichten.׳ >V Die Flucht des Mufti von Jerusalem wird an zuständigen Stellen der englischen Kolonialpolitik ernst be- 'urteilt, da man eine Verstärkung der von außen geleiteten p&narabischeti Bewegung und dadurch eine Vergrößerung der Unruhen im Nahen Osten und in Nordafrika von der Emigration des Mufti befürchtet. »Daily Herald« berichtet, daß der Mufti einen Be-!*uch beim Ministerpräsidenten Mussolini plane und seine künftige politische Kampagne auch auf ־die durch geheime Agenten gemachten italienischen Hilfsvorschlüge aufbauen will. Man .erwartet, daß die palästinensische Regierung die Regierungen von Libanon lind Syrien ersuchen wird, dem Mufti auf ihren Hoheitsgebieten keine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. »News Clirönicle« berichtet, daß in Rom die Flucht des Mufti mit offener Befriedigung registriert wurde, ebenso wie in der Presse der wachsende Einfluß Mussolinis in: der mohammedanischen Welt, im Gegensatz zu den ,Schwierigkeiten Großbritanniens, betont wird. Die arabische Zeitung »Al Jainea el Islamia« berich-;A׳ tet, daß die Polizei den italienischen Dampfer »Marco v Polo«, der unweit Jaffas vor Anker liegt, scharf beobachv tet. Die Zeitung meldet weiter, daß die Behörden die den , ' italienischen Konsuln in Jerusalem, Jaffa und Haifa gege- Zwei Bedingungen der Gesundheit. Die erste v.on ihnen ist ein guter Blutkreislauf. Es ist gar nicht möglieh, alle Krankheiten aufzuzählen, die durch einen nicht ' ־, einwandfrei funktionierenden Blutkreislauf entstehen. Massagen mit Älpa-iFranzbranntwein fördere die Blutzirkulation, beleben auch ermüdete Nerven, unterstützen die ־ ■Hautatniung und lindern rheumatische und neuralgische Schmerzen. — Die zweite Bedingung ist, ein gesundes Gebiß und eine reine Mundhöhle. Hier gesellt sich zur Wirr.kung des Alpa-iFranzbranntweins jetzt auch die der Alpa- Zahncreme. Diese entfernt fäulniserregende Speisereste und bewirkt einen frischen und wohlriechenden Atem. Rieb Joel Dajaris Chilul Schabbos;•׳■"׳(Eine chasSidische Erzählung.) Bearbeitet von J..Krepp.el. I#;■ Rabbi Levi Jizchok von Berdyezew s. Z. 1. war besonders als »Senegor>, als Verteidiger der Juden, bekannt. Sooft irgend ein Jude sich eine Uebertretung der religiösen Vorschriften zuschulden kommen,׳ ließ, suchte er nach ’:Entschuldigungsgründeny um' diese'־ Sünde irgendwie zu be- ־ mänteln und diese Handlungsweise in einem günstigeren ' Licht erscheinen zu lassen. Als Begründung für diese Haitung pflegte er anzuführen, daß der Böse, der Satan, bekenntlich ein »jaured u-messis, aule u-mekatreig« ist. Er verleitet den Menschen zur Sünde Und erscheint dann vor dem himmlischen Gericht als Ankläger. Begeht nun ein Jude eirte Sünde und finden sich andere Glaubensbrüder, die ihn deswegen verdammen, dann werden sie vom Satan als Belastungszeugen geführt. Deswegen sei es geboten, diese Taten irgendwie zu beschönigen, um eher als Entlastungszeugen auftreten .zu können. Es ist daher verständlich, daß es Rabbi Levi Jizchok tief schmerzte, als ihm berichtet wurde, einer seiner Anbänger, der Dajan Rabbi Joel, sei ein überaus strenger Eiferer, ein »Kanoi«; der besonders jede Verletzung der Vorschriften für Schmirat Schabbos aufs schärfste tadelte und dem Sünder die schwersten Strafen des Himmels ahdrohte. »Reb Joel«, pflegte der Rabbi dem Dajan immer zu sagen, sooft dieser zu ihm kam, »so darf mau nicht vorgehen. »Chilul-Schabbos« ist sicherlich eine große »Awejro«, aber da hat der Satan immer die Hand im Spiele und man darf ihm keine Handlangerdienste als Belastungszeuge leisten«.’ Und als diese Mahnungen fruchtlos blieben und Reb Joel weiterhin gegen jeden Chilul-Schabbos wetterte, sagte ihm einmal Rabbi Levi Jizchok: »Reb Joel! Ihr werdet einmal dafür schwer zu büßen haben!« * #®1 ר־זי ji■ , Es war an einem »kurzen Freitag«, dem kürzesten Tag im Monat Teweth, als in den ersten Morgenstunden, gerade als Reb Joel im Begriffe war, sich zum Morgengebet ins Bet-Hamidrasch zu begeben, ein »Arendar« (Schankwirt) aus einem einige Meilen von dem Städtchen entfernten Dorfe angefahren kam und Reb Joel die Bitte vorlegte, er möge mitfahren, um bei seinem vor 8 Tagen zur Welt gekommenen Sohn als »Mohel« zu fungieren. Der Dajan Reb Joel war zugleich der einzige Mohel in der ganzen .Umgebung־. »Heute, am »kurzen Freitag«, so weit fahren — jaminerte Reb Joel — das ist wohl eine schöne Bescherung. Ich müßte ja über Schabbos im Dorfe bleiben.« — »Aber nein, Reb Joel,« replizierte der Arendar. »Meine Pferde laufen wie die Löwen, Ich garantiere Euch, daß Ihr so rechtzeitig' wieder zu Hause sein werdet, um noch ins Schwitzbad und in die Mikwa gehen zu können•« Reb Joel war wohl diesen Versicherungen gegenüber ziemlich skeptisch. Aber der Brith-Milo konnte und durfte ja nicht aufgeschoben werden. Er mußte sich dazu bequeinen, in den Wagen zu steigen und mitzufahren. Der Arendar hatte aber die Wahrheit gesprochen. Die Pferde setzten sich in Galopp und langten kaum 2 Stunden später am Bestimmungsort an. Mnn trommelte aus der Umgebung ein »Miujan« zu- :• sammen, verrichtete das Morgengebet, nahm die Mila- Zeremonie vor, setzte sich zum Seudat-Mizwo und so ist es'trotz allem Drängen Reb Joels Mittagstunde geworden. Der Arendar ließ nun wieder anspannen, Da draußen eine, grimmige Kälte herrschte, wurde'Reb Joel-in einen schweren Pelz gehüllt. Der Wagen wurde außerdem‘ tief mit diroh ausgebettet, damit es Reb Joel, der von der betten Erlaubnisse,. dasSnhiff 2ü betreten, zurückgezogen haben. ■':־׳־׳. '>.V,;' , —, •..י ...יי■ י Die zuständigen Koloniälbehötden Verfölgen mit groß*; ter Aüfmerk'säinkeit die Nachrichten aus Syrien. Märt be-' fürchtet ein UebergreiftüU der palästinensischen ÜrtVühen# weil der Großmufti von Jerusalem nach Beirut gefluchtet ist. ln Damaskus hat es in Zusammenhang mit einer Sympathiekundgebung für, die Palästina-Araber bereits Unruhen gegeben. Frankreich wird daher den Großmufti zum Verlassen Syriens auffordern. * ׳!.־ Der italienische Rundfunksender in Bari hat seine proarabische, antienglische und , antizionistische Fröpagändatätigkeit unter den arabischen!Ländern des Nähen Ostens wieder in verstärktem Maße aufgenommen. Mitfwoch nachts gab der Sehtier einen Ueberblick über die Lage in Palästina, wobei־ für Freitag, 15. Oktober, der Ausbruch neuer blutiger#Geschehnisse in Palästina angekündigt wurde. Gleichzeitig sagte der Sprecher, es seien Nachrichten eingetroffen, _ wonach die Palästinaregierung auf alle Eventualitäten vörhereitet sei. In einer anderen Sehdung aus Bari wurde mitgeteilt, daß Dr. Weizmann in kutzem als »König des neuen jüdisehen Staates in Palästina auf den Thron erhoben« werden wird. . « Ein heftiger Zusammenstoß, an dem mehrere Hundert Palästinenser beteiligt waren, ereignete sich in der Nähe der Nordgrenze zwischen Haifa und Safed. Es wurden Gewehrschüsse gewechselt ,und Bomben geworfen. Der Kampf dauerte zwei ,Stunden. Die Lage in Jaffa und Tel- Aviv ist gespannt. Auf das Zentralpolizeikommissariat in Jaffa Wurden (Bomben gb'h'prfenf Die Behörden haben die Juden gewarnt, sich nach.!Jaffa'zu begeben. Der Bürgermeister von Tel-Aviv lieft wegen der Unsicherheit des Flugplatzes von Lydda .flie Anlage eines neuen Landeterrains verlangt. Nach1 den jüngsten Anschlägen auf Autobusse wurden Sanktionen ergriffen. Die Häuser der vermutlichen Angreifer 'Wurden, *nachdem die Einwohner in die Dörfer gebracht wprden Waren, von dem Ordnungsdienst mit Dynamit in die Luft gesprengt. 1k\ Auf syrischem Gebiete befindet sich seit der Taguug von Blitdan eine Stafettenlinie, die Waffen. Munition und Flugschriften über die Glänze nach Palästina schob und auch Boten hin und her!sandte. Zu allem Ueberfluß scheineu auch an der Siidgypijze von Transjordanien wieder Einbrüche von Ichwans,,einer Art kommunistischer Wahhabitentruppe, erfolgt zu sein, die ein ansehnliches. Kontingent britischer Truppelv'auf sich ziehen und sohin die palästinensische Verteidigung׳ schwächen. Alle Umstände zusammen deuten darauf hin, daß die neuen Ausschreitungen von einer außerhalb Palästinas stehenden Stelle angestiftet worden sind undMaß der Stoß gegen England zielt. Jetzt ist Englands Presti^ auf der ganzen Linie engagiert und der Teilungsplan hängt Vorläufig in der Luft. .־;■ 1. In der Nähe der reits im Juni ein ,AtteL inspektor der.;,palästintöpf men wurde:;würden sich später•'hei-äusstellt,# explodiert yrma־ MÜttenP | ff ■׳• jsälemer Polizeistation, wo be- |tsversuch gegen den Generalä'dhen Polizei Spicer unternom-?Höllenmaschinen entdeckt. Wie pXenjkie, wenige Minuten später oßenSaSchaäeh angerichtet. In ׳ ».4־ , ״.W> w w Seuda undlMä^äi&lföni^ProsSeneh, ^etfähken ziemlich er- , hitzt war, es recht vv:a1׳nL .hätte. DpjLFuhrmann ließ die Peitsche knallen, die Pferde griffen galoppartig aus und der Arendar konnte nodjr.dem Fuhrmann nachrufen: Bis 2 Uhr muß Reb Joel zu Hopse sein! , Plötzlich setzte hefti'kös, Schneegewitter ein. Ein kalter Wind blies unbarmherzig und die Schneeflocken peitschten die beiden Reisenden inr Gesicht. Trotz des schweren Pelzes und der Strohumhülluug|;׳vQrspürte Reb Joel die grimmige Kälte in allen Gliedern. Er •war daher sehr froh, als der Fuhrmann eine Flasche 96 gnädiger »Wodka« aus der Tasche zog und ihm einen SehlUjCk;,anbot. Beide machten von dem wärmeuden Getränk ausg^pbigen Gebrauch. Bald war die Flasche leer; Reb Joel uiiü der Fuhrmann empfanden eine behagliche Wärme im gahzenrKörper. Beide hüllten sich bis zu den Augen in!ihren Pelzen ein und verfielen infolge der großen Wärme und!der! schweren Wodka in einen tiefen Schlaf, ... Es war gegen Mitternacht, als Reb Joel plötzlich erwachte. Die Pferde, sich selbst überlassen, irrten vom. Weg ab und standen nun an einem Waldrand still. Das Gewitter hatte inzwischen aufgehörtV״ aber die Kälte war furchtbar und durchdrang die, schworen Pelze. »Heiliger Ribbono sqjtpl ,Olam!« — lief Reb Joel verzweifelt. »Nun bin ich am Schabbos gefahren, habe eine so furchtbare Sünde auf liiein Haupt geladen und muß eine weitere begehen, denn hier*bleiben, hieße sich einer Lebensgefahr aussetzen. Pikuach'iNefesch ist aber dauche Schabbos!« Vergeblich rang־ Reb Joel verzweifelt die Hände, vergeblich jammerte er in allen Tönen. Da bleiben durfte er nicht. Er mußte den noch immer schlafenden Fuhrmann auf rütteln. Beide verließen1 den Wagen, die Pferde setzten sich langsam in ■Bewegung•• und so gingen sie noch etwa eine Stunde lang־, bis sie ,endlich ein Dorf erreichten. In der Dorfschenke schlief alles. Auf ihr Klopfen erschien ein Knecht, fiihrie die Pferde in den Stall, den Wagen in den Hof und den beiden wies er die harten Bänke der Schankstube als Schlafstätte an. Der Fuhrmann war bald eingeschlafen. Reb Joel aber konnte vor Aufregung kein Auge schließen. Sein Gehirn arbeitete fieberhaft. So eine große Sünde. Aber damit noch nicht genug. Was soll jetzt geschehen? Welche Buße müßte er auf sich nehmen? Wie diese Schande ertragen? Alle religiösen Vorschriften gingen ihm durch den Kopf. Er versuchte, sich selbst zu trösten. Sicherlich sind die Pferde noch vor Anbruch der Na?ht stehen geblieben; er wäre also gar nicht am Schabbos gefahren. Alles geschah übrigens zwangsweise und »Auness Rachmono potrei«. Anderseits aber könnte es auch anders gewesen sein. Vielleicht haben die Pferde die Reise noch abends fortgesetzt? ... Liegt nicht auch ein direktes Verschulden seinerseits vor? Er hätte doch lieber im Dorfe über Schabbos bleiben sollen! So dachte er hin und her, konnte aber zu keiner Klarheit gelangen. Eines war ihm aber klar: das ist die Strafe dafür, daß er die Warnungen Rabbi Levi Jizchoks nicht beherzigte! Nun Tst er gerade mit Chilul Schabbos, womit er so viel getrieben und geeifert, bestraft worden. Ja, er wird eine schwere Buße auf sich nehmen müssen. Gleich nach Mozoe Schabbos werde er sich direkt zu seinem Rabbi begeben, ihm alles ungeschminkt und unbeschönigt erzählen und um die Verhängung einer schweren Buße bitten. Erst gegen Morgen verfiel Reb Joel in einen harten׳, Schlaf. ■' Als der Tag zu dätwmern begann, verließ der Arendar sein Lager und begab sich in den Hof. Da nahm er den Jerusalem fiel eine einer arabischen Firma gehörige Fabrik, für- Hökpröditkte״ einem Feuer-, gum Opfer, Die Fabrik liegt nttr in ganz geringer Entfernung von den Regiernhg|geMüäen,; In äen jKolönien ereigneten sieh auch einige Ueberfälle^eö Att der Kolonien Neß 2iona, wo ein Jtide; getötet würde, Durch den Brand auf dem Flugplatz in LHda WöUten die Terroristen die Landung der polni* sehen, holländischen und ägyptischen Flugzeuge in Lydda verhindern und die Landung in Kalandria erzwingen. Äußer den Gebäuden der drei Luftverkehrsgesellschaften und der Funkstation sind auch das Zöligebäude und Telephonamt des Flugplatzes vollständig ausgebrannt. Der angerichtete Schaden ist erheblich. יי';'-.■■ * Der Mufti ist aus Damaskus verschwunden, er dürfte sich in einer Moschee verborgen halten. Nach einer anderen Information befindet er sich in dem syrischen Grenzdorf Bhandum unter Aufsicht französischer Behörden. Man befürchtet, daß eine organisierte Abwehr des gesamten ArabertUms gegen den britischen Teilungsplan vorbereitet wird. »Paris, Soir« bringt ein Interview, das der Mufti einem Mitarbeiter des ׳Blattes vor seiner Abreise nach Beirut gewährte. Danach, äußerte sich der Mufti dahin, daß das arabische Volk niemals die von England geforderte Aufteilung des Landes zulassen werde, da eine.solche für die Araber den Verlust der reichsten Landstriche zur Folge haben müsse. Eine Vergleichslösung komme, für die Araber nicht in Frage, sondern nur eine radikale, die der zionistischen Einwanderung einfür allemal einen Riegel vorschiebe. . ft Die Behörden haben beschlossen, die Wachen für die Straßen und für die internationalen Unternehmungen in Jerusalem zu verstärken. Bisher war der Wachtdienst un-. tertags von )Polizeipatrouillen und in der Nacht von Militärabteilungen versehen worden. Den Ortschaften, die sich an den Unruhen beteiligten, wurden Kollektivbußen auferlegt. Der Alarmzustand in Jerusalem wird aufrechterhalten. * * Der Mufti ist im syrischen Hafen Tarabulus angekommen. 'Sein Ansuchen, sich einige Wochen in Damaskus. aufhalten zu dürfen, ist von den französischen Behörden abgewiesen worden. Von Tarabulus aus wird sich der Großmufti voraussichtlich nach Ankara begeben, um zu versuchen, Kemal Atatürk für die arabische Nationalbewegung zu gewinnen. Sollte dieser Versuch fehlschlagen, wir.d der Großmufti angeblich nach Bagdad fahren, um die Regierung des Irak für die Bildung eines arabischen Bundes mit der Spitze gegen England zu interessieren. In Kreisen der Mandatsverwaltung wird allen• diesen Versuchen keine große Bedeutung beigemessen. Es wird darauf hingewiesen, daß der Mufti durch seine Flucht aus Jerusalem nach Ansicht cler Mandatsverwaltung unter, seinen Anhängern beträchtlich an Ansehen verloren habe. , In der Donnerstag beginnenden Sitzung des Unterhauses wird der .Kolonialminister einen ausführlichen Berieht über die Situation in Palästina, die Deportierung der arabischen Führer und die Flucht des Großmufti geben! Das Kabinett ist besonders besorgt über die Auswirkung gen der palästinensischen Ereignisse auf die übrigen arabischen Staaten. Wagen wahr und fragte den Knecht, wer denn in der Nacht abgefahren kam.׳ ' ׳ »Ein Rabbi!« erwiderte dieser. »Ein Rabbi!« rief der Arendar empört. »Bist du narrisch geworden oder hast schon so in aller Frühe zu tief ins Schnapsglas geguckt?« ' »Nein, bitte, Herr!« versicherte der Knecht. »Bei G—tt! Es ist ein Rabbi! Ihr könnt Euch ja in der Schankstube überzeugen!« Tatsächlich! Auf der harten Bank der Schankstube lag Reb Joel im tiefen Schlaf. »Heiliger G—tt!« rief der Arendar händeringend. »Es ist gar nicht Schabbos heute. Ich mußte es übersehen und mich im Kalender geirrt haben! So ist es, wenn man in einem Dorfe, weit vom jüdischen Jischuw, wohnt!..: Aber was jetzt tun? Der Rabbi darf ja nicht merken, daß ich ein so großer Am-Haaretz bin! Er würde mir sonst gehörig den Kopf waschen. Jedes Anzeichen des Schabbos muß verschwinden!« So eilte er ins Wohnzimmer zurück, weckte sein Weib und befahl ihr, die Leuchter und das Tischtuch wegzuräumen, ihr tägliches Gewand anzuziehen, am Herd Feuer zu machen und sich so zu stellen, als ob es ein Wochentag wäre. Er selbst schlüpfte gleichfalls in seinen Wochenrock und zündete seine Pfeife an, dann begab er sich in die Schankstube und machte sich an Flaschen und Gläsern ,zu schaffen. Als Reb Joel schließlich erwachte, traute er seinen Augen kaum. Also, es ist heute gar nicht Schabbos! Er mußte somit volle 24 Stunden lang im Wagen geschlafen haben. Also hat •er zumindest mit dem weiten Weg vom Wald ins Dorf keine neue Sünde auf sich geladen. Vielleicht gar sind die Pferde tatsächlich schon Freitag vorabends stehen geblieben und somit hätte er gar keinen Chilul-Schabbos begangen! Ohne viel zu denken rüttelte er den noch schlafenden Fuhrmann auf und befahl ihm, die Pferde anzuspannen und weiter zu fahren. »Aber Rabbi,« bat der Arendar, »Ihr werdet doch nicht ohne Frühstück fortfahren. Verrichtet das Morgengebet und erweist mir die Ehre, mein Gast zu sein! Es ist doeE eine große Mizwoh, einen Au rach zu bewirten, noch, dazu einen . Talrnid Chochem! Hier in dem entlegenen Dorfe bie.tet sich selten die Gelegenheit hiefiir!« »Nein!« — erwiderte Rabbi Joel — »Es tut mir sehr leid! Aber ich habe es furchtbar eilig!« Und so trieb er den Fuhrmann an. Raid saßen sie wieder im Wagen und gelangten nach zwei Stunden im Städtchen an, gerade — als die Juden in ihren Schabbos-1 kleidern. nach dem Morgengebet aus Synagoge, Klaus und Bet-Hamidrasch in Schabbos-Stimmung ihren Wohnungen z u eil ten. Nun war das Furchtbarste geschehen! Reb Joel, der Kanoi, hat öffentlich,* vor der ganzen Gemeinde, einen Chilul-Schabbos begangen! Da gab es keine Ausrede mehr! Reb Joel war es, als ob er auf der Stelle in die Erde versinken müßte. Er eilte, soweit ihn die Beine tragen konnten, in sein Haus, schloß sich in sein Lehrzimmer ein, weinte und janjinerte herzzerreißend. Erinnerte sich schließlich, daß man am Schabbos nicht trauern dürfe. Verrichtete das Gebet, machte Kidusch und aß einige Bissen, nur um nicht gefastet zu haben. Akend hereinbrach, verrichtete er das Abend- >%ebet, numhte Hawdala und ließ, ohne seiner Frau oder sonst jemand auf alle Fragen eine Antwort zu geben, einen Wagen kommen, der ihn noch im Laufe der Nacht nach Berdyezew zu Rabbi Levi Jizchok brachte, (Sehlpß folgt.) W: ' ••־#'£) illfefe י' ־ •׳